Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 27 (4.7.1913)
- Date
- 1913-07-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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862 Die Jugend unserer Kolonie, die körperlich wohl zu der kräftigsten und rührigsten im Lande gehört, bietet jetzt einen erfreulichen Anblick. Vorüber sind jene Zeiten, wo die jungen Leute von Sichron-Jakob, nach dem Ausspruch eines bekannten Publizisten, überall, in Aegypten, Amerika, Australien, in allen möglichen und unmöglichen Berufen, nur nicht daheim in Sichron-Jakob auf den Feldern ihrer Väter anzutreffen waren. Einen günstigen Einfluß übten in dieser Richtung unsere palästinabegeisterten Landarbeiter aus, die ab und zu auch hier zu arbeiten pflegten. Ein ganz besonderes Verdienst hat aber die hiesige Schule, die im national-hebräischen Geiste wirkt. Namentlich ist hier des Lehrers S. M. Schapira zu gedenken, dieses unermüdlichen, werktätigen Mannes, der nach getaner Schularbeit Tag für Tag bis in die späte Nacht sich gemeinnützigen Angelegenheiten — in letzter Zeit besonders dem Liebeswerk für die Jemeniten — widmet. Jetzt hat die Jugend ihren Klub, der 85 Mitglieder zählt und oft Vorträge veranstaltet, ferner den Turnverein „Makkabi“, Abendkurse und eine Vereinigung für gemeinsame Arbeiten. Letztere hat vor kurzem einen Teil des Wachdienstes übernommen. Der Gesundheitszustand der Kolonie ist befriedigend. Es ist unserem Arzt, Herrn Dr. Hillel Joffe, gelungen, auch den Gesundheitszustand der hiesigen Jemeniten außerordentlich zu heben. Es verdient überhaupt hervorgehoben zu werden, daß Dr. Joffe in seiner schlichten, geräuschlosen Weise nicht bloß in Sichron-Jakob, Atlit usw. wirkt, sondern auch die Sanierungsarbeiten in Obergaliläa (in den Kolonien Jessod-Hamaalah und Mischmar Hajarden) ausführt. Den hiesigen Jemeniten geht es nicht schleckt. Manche haben bereits kleine Ersparnisse gemacht, andere beginnen etwas Vieh zu halten. Hingegen macht sich auch hier der Mangel an geeigneten Wohnungen fühlbar. Audi fehlt es an einer passenden Hausindustrie für die Regentage, wie für alte, arbeitsschwache Leute. Die Ernte in diesem Jahre ist für Baumpflanzungen durchweg gut. Auch das Getreide zeigt auf den höher gelegenen Feldern einen günstigen Stand, weniger befriedigend sind die Saaten in den Tälern. Vor einem Monat wurde hier zum erstenmal ein Kindergarten eröffnet, der jetzt von 32 Kindern besucht wird. Die hiesige Loge der B’ne B ’ r i t h ist bemüht, das Defizit zu decken. Die Räumlichkeiten hat die I. C. A. zur Verfügung gestellt. Herr M. E. Lange aus London hat in unserer Kolonie Boden für ein Haus samt Garten gekauft. Chederah. Die Ernte in unserer Kolonie war in diesem Jahre ungewöhnlich günstig. Gerste, Weizen, Kartoffeln, verschiedene Gemüsepflanzen — alles brachte einen Ertrag, wie wir ihn seit Jahren nicht kannten. Zum materiellen Aufschwung der Kolonie trug auch die rege Bautätigkeit bei, die in diesem Jahre hier herrschte. Von seiten des Jüdischen Nationalfonds wurden hier für die Jemeniten zwanzig Häuschen aus Zementsteinen, außerdem drei solide Holzbaracken, enthaltend 24 Zimmer, nebst einem Zubau von 7 Zimmern zum Ledigenheim für aschkenasische Landarbeiter gebaut. Der Berliner Verein „Esra“ baute zehn Wohnhäuser, ebenfalls aus Zementsteinen, und ein Krankenhaus aus gewöhnlichen Steinen. Es sind also für die hiesigen jemenitischen und aschkenasischen Landarbeiter in diesem Jahre insgesamt über 60 Wohnhäuser erbaut worden. Da die gesamten Bauarbeiten, mit alleiniger Ausnahme des Krankenhauses, durch jüdische Arbeiter, die bekanntlich einen großen Teil ihres Verdienstes wieder in der Kolonie ausgeben, ausgeführt wurden, so ergibt sich, daß diese Bautätigkeit auch den hiesigen Kolonisten direkten Nutzen brachte, abgesehen natürlidi von dem Umstande, daß durch die Seßhaftmachung der jüdischen Arbeiter in der Kolonie die Anlagen derselben eine erhebliche Wertsteigerung erfahren. — Auch in der an- Nr. 27 schließenden Siedlung Chefzibah wurden einige Arbeiterwohnungen errichtet. Bekanntlich war unsere Kolonie von großen Sümpfen umgeben, die hier das Schwarzwasserfieber verbreiteten und viele Opfer forderten. Die meisten dieser Sümpfe wurden durch die Hochherzigkeit des Barons Edmund Rothschild bereits trocken gelegt und mit Eukalyptusbäumen bepflanzt. Es sind aber noch einige kleine Sümpfe zurückgeblieben, die zwar, da die Windrichtung nicht nach der Kolonie geht, wenig gesundheitsschädlich sind, deren Austrocknung aber dennoch wünschenswert wäre. Es hat sich nun ein Institut gefunden, welches 240 Dun am trocken legen wollte, falls der dadurch gewonnene Boden dem Institut überlassen würde. Die Kolonie nahm aber diesen Vorschlag nicht an, beschloß vielmehr, dahin zu wirken, daß der Sumpf trocken gelegt wird, ohne daß der Boden der Kolonie verloren! geht. Ein anderer wichtiger Beschluß wurde bezüglich der hiesigen sehr ausgedehnten Viehzucht gefaßt, nämlich die Anstellung eines eigenen Tier- In letzter Zeit haben die hiesigen Landarbeiter eine ausgedehnte zionistische Tätigkeit entfaltet. Der Jüdische Nationalfonds, der so viel für Chederah leistet, hat auch hier seine treuen und hingebungsvollen Freunde. Einstweilen sind in der Kolonie 15 Nationalfonds-Büchsen untergebracht, ein zweiter Transport soll demnächst folgen. Ferner wurden 150 Schekel entrichtet, darunter 30 von den Jemeniten. Der jetzige Gesundheitszustand der Jemeniten ist sehr erfreulick und in keiner Weise dem vom vorigen Sommer, wo so viele Krankheitsfälle vorkamen, vergleichbar. Es ist hier viel Liebesarbeit geleistet worden! — Infolge der allgemein günstigen Lage der Kolonie finden die hiesigen Jemeniten auch täglich Arbeit. In dieser Beziehung sind die hiesigen Jemeniten viel besser daran, als ihre Landsleute in Pethach- T i k w a h, die oft genug keine Arbeit finden. Beschäftigen doch die dortigen Plantagen der I. C. A. und selbst manches hervorragenden Palästinafreundes nur ganz ausnahmsweise jüdische Arbeiter. Trotzdem sind auch die hiesigen Jemeniten nicht ganz zufrieden. Es verletzt sie, daß sie bei gleicher Leistung in der Regel einen geringeren Lohn beziehen, als die aschkenasischen Arbeiter. Sie werfen sich daher am liebsten auf Akkordarbeit, in der sie 2—5 Frcs. täglich verdienen. Es ist kein Zweifel, daß die hier noch herrschende Ausnahmestellung der Jemeniten bezüglich der Entlohnung mit der Zeit versdhwinden wird, zumal auch ihr Verdienst in der Kolonie verbleibt, während der arabische Arbeiter ihn in sein Dorf trägt. — Ihre hiesige Siedlung haben die Jemeniten „N a c h - 1 i eI" genannt. Sie sind jetzt an den Jüdischen Nationalfonds mit der Bitte herangetreten, ihnen noch eine Synagoge und ein rituelles Bad zu erbauen, wofür sie dann Miete zahlen wollen. Interessant ist, daß sie einen aschkenasischen Landarbeiter zu ihrem Vertrauensmann erwählt haben. Sonst gibt es in einer abseits gelegenen Kolonie wie Chederah nur wenig äußere Vorgänge. Es sei denn ein kleiner Ueberfall auf den „Haschomer“, wie er neulich vorkam, und wobei einem unserer Wächter seine Stute, auf der er ritt, erschossen wurde. Die hiesige Schule zählt 16 Knaben und 15 Mädchen, darunter 4 jemenitische Kinder. Der Kindergarten wird von 13 Mädchen und 11 Knaben, darunter 8 jemenitischen Kindern, besucht. Nach Peßach sind ca. 20 Landarbeiter von hier nach Galiläa gegangen.. Man zählt jetzt ca. 130 jüdische Arbeiter (60 Aschkenasim, 60 Jemeniten und 10 Sephardim). Außerdem arbeiten auch mehrere jemenitische Frauen und Kinder. Etwa 80 dieser Arbeiter sind in der Landwirtschaft, 30 bei Bauarbeiten und 20 beim Bewachungsdienst beschäftigt, und zwar 15 Aschkenasim, 3 Jemeniten und 2 Sephardim. Kerkur. Seit der hiesige Boden übernommen wurde, arbeitet hier eine Arbeitergenossenschaft, die früher in Merchawja tätig war. Die Ernte ist hier sehr gut ausgefallen, besonders im Gemüsebau. Kartoffeln brachten 16 fachen Ertrag. dies§kelt