Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 25 (20.6.1913)
- Date
- 1913-06-20
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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798 Nr. 25 DIESqKELT dieses Vereins machten im letzten Jahre bei einem Umsatz von ca. 1 200 000 Frcs. bloß 7700 Frcs. aus, darunter für Gehälter 5260 Frcs. Bedenkt man, daß die Mitglieder der Gesellschaft in Palästina noch im Jahre 1885 kaum 5 Mill. Frcs. besaßen und ihr Besitztum inzwischen auf fast 20 Mill. Frcs. angewachsen ist, so ist das wieder ein Beweis dafür, daß Palästina sich in wirtschaftlicher Beziehung seit Jahren in aufsteigender Entwicklung befindet. Um so weniger ist es verständlich, daß bei uns von gewissen „klugen Leuten“ noch immer die Notwendigkeit und Dringlichkeit intensiver Palästinaarbeit bestritten wird. Da sind die Deutschen doch ganz andere Leute. Sie halten keine langen Reden, aber sie kommen still ins Land und suchen jede sich ihnen darbietende wirtschaftliche Position zu nutzen. — Vortrag des Herrn Dr. Schmarja Levin Die „Makkabim Hakadmonim“ setzen ihre Propagandaarbeit für den Schekel und den nächsten Kongreß energisch fort. Nach der Volksversammlung in Tel-Awiw, über die bereits berichtet wurde, veranstalteten sie am 21. Mai im Saal der Mädchenschule eine Versammlung, in der das Mitglied des E. A. C. Dr. Schmaija L e v i n über den Stand der zionistischen Arbeit und die Aufgaben des nächsten Wiener Kongresses sprach. Der große Saal war überfüllt, so daß hunderte Personen, die den Vortrag anhören wollten, im Vorhof stehen mußten. Es wurden viele Schekel abgesetzt. Kleine Nachrichten Die genossenschaftliche Kolonie Merchawja hat wieder einen traurigen Todesfall zu verzeichnen. Der Wächter M e I r Chasanowitz stürzte vom Pferde und verwundete sich dermaßen am eigenen Gewehr, daß er nach wenigen Stunden verschied. Chasanowitz, ein geborener Kaukasier, ist vor 6 Jahren nach Palästina eingewandert und arbeitete zunächst in der Farm Sedjera. Seit der Begründung der Wächterorganisation „Haschomer“ gehörte er dieser Organisation an und zeichnete sich stets durch Unerschrockenheit, Frohsinn und Entschlossenheit aus. Es war ihm Bedürfnis, Nächte hindurch auf den Feldern umherzuschweifen, und je stürmischer die Nacht, um so lieber war es ihm. — Anläßlich seines tragischen Todes veranstalteten die Poale-Zion in Jerusalem im Beth-Am eine Gedächtnisfeier, in der Freunde des Verstorbenen Ansprachen hielten. Die türkische Regierung hat einigen führenden arabischen Zeitungen in Aegypten, die für die Dezentralisation der Verwaltung ein treten, den Postdebit entzogen. Vierzig jüdische Maurer und Steinmetzen in Jerusalem veröffentlichen einen Protest gegen das Vorgehen des ungarischen Kolel, der bei dem Bau der jetzt zu errichtenden 20 Wohnhäuser keine Juden beschäftigt. Der Jaffaer „Hapoel Hazair“ bringt eine Uebersetzung des Leitartikels „Die Opposition“ in Nr. 20 der „Welt“. Mitteilung des Waad-HaTr In Jaffa Zur Erleichterung der Landung in Jaffa, der Unterhandlungen mit den Bootsleuten und Gepäckträgern, wie auch der Erledigung der Zollrevision, hat der Waad der jüdischen Gemeinde in Jaffa folgende Maßnahmen getroffen: 1. Ein Bevollmächtigter des Waad besteigt jedes in Jaffa ankommende Schiff, um die jüdischen Passagiere abzuholen, wofür ihm ein spezielles Boot zur Verfügung steht. 2. Bei diesem Bevollmächtigten sind gegen Einzahlung von 3 Frcs. für einen Erwachsenen und li/2 Frcs. für ein Kind im Alter von 6 bis 12 Jahren die Landungskarten zu 3. Damit es den Reisenden erspart bleibt, im Gedränge und Lärm der Landung nach ihrem Gelde zu greifen, ist es ratsam, daß diejenigen, die nach Palästina über Odessa oder Wien fahren, bereits in den dortigen Informationsbureaus Landungskarten lösen. Bei der Ankunft in Jaffa haben sie die mitgebrachten Karten genanntem Bevollmächtigten abzugeben, wobei sie von ihm ohne jegliche Zuzahlung andere Landungskarten bekommen. 4. Der Besitzer einer Landungskarte wird samt seinem Reisegepäck ans Ufer gebracht; das Reisegepäck wird ohne Zuzahlung nach der Stadt befördert. 5. Am Ufer ist eine Stelle eingerichtet, wo das Gepäck der jüdischen Reisenden bis auf die Dauer einer Woche zur Aufbewahrung angenommen vyird. Dafür ist 1 Metallik pro Stück und Tag extra zu zahlen. Im Laufe dieser einen Woche wird das Gepäck immer noch unentgeltlich nach der Stadt be- 6. Der Waad ist bestrebt, die Ankömmlinge auch vor schlechter Behandlung in den Hotels in Schutz zu nehmen. Diejenigen, die etwas gegen die Behandlung im Hotel vorzubringen haben werden, mögen ihre Beschwerden dem Waad unterbreiten. 7. Der Bevollmächtigte des Waad ist mit einem Abzeichen ausgestattet, das die Aufschrift: G'ion ntP’asV 12' "pyn tyi rraniöL; trägt. Der Waad der Jüdischen Gemeinde zu Jaffa. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrte Redaktion! Gestatten Sie mir, einem von Palästina eben Zurückkehrenden, zur Zuschrift des Herrn Feldmann in Nr. 24 der „Welt“ zu bemerken, daß den zwei von ihm gebrachten Beispielen, „Bachariah“ und der belgischen Gesellschaft, zwei andere, nämlich die Farmen „Migdal“ und „Poriah“ entgegengehalten werden können, wo prinzipiell und ausschließlich jüdische Arbeiter beschäftigt werden, obwohl es private Gründungen sind; abgesehen von den Namen Streit und Krull (gerade in dem mit Bezug auf jüdische Arbeit viel gelästerten Pethach-Tikwah) und vielen anderen. Der Gegensatz „Privatinitiative oder nationale Institutionen“ ist also in Bezug auf die Beschäftigung jüdischer Arbeiter nicht das Entscheidende. Das Problem der jüdischen Arbeit, das Herr Feldmann berührt hat, ist freilich von der größten aktuellen und prinzipiellen Bedeutung für unsere Arbeit in Palästina. Und wer von dort kommt, muß darüber staunen, daß während in Palästina alle Diskussionen und Polemiken unablässig und mit Recht von diesem Zentralgedanken beherrscht werden, in letzter Zeit keiner unserer Berufenen und Sachverständigen aus Palästina sich der Mühe unterzogen hat, in unserem Zentralorgan dieses ach! so schwere Problem der Probleme mit der nötigen Gründlichkeit zu erörtern. Die Organisation „Hapoel Hazair“ hat beschlossen, an den Wahlen zum nächsten Kongresse mit größerer Energie als bisher teilzunehmen. Da die 'jüdische Arbeit die Parole dieser Organisation ist, so ist anzunehmen, daß, wenn viele ihrer Mitglieder gewählt werden, die damit zusammenhängenden Fragen auf dem jetzigen Kongresse einen breiteren Raum als auf den bisherigen einnehmen werden. Eine Erörterung in der „Welt" ist demnach jetzt ganz besonders am Platze. Zloczow, 13. Juni 1913. Abraham Schwadron.