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Die Welt · 1913-05-30 · 22 (30.5.1913) · page 19

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
22 (30.5.1913)
Date
1913-05-30
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 22 703 DIE^ELT tragenden. Kein Mensch kam vor ihm ins Gotteshaus.“ Unvergleichlich sind die Worte ehrenden Gedenkens, die den Frauen gewidmet werden: „alles tat sie zur rechten Zeit mit freundlichem Wort und mit frommem Gemüt“; „ihrem Manne Krone und Licht . . .“ „Ihrem Manne eine Zier, eiferte sie ihre Kinder zum Studium der Lehre an, gab sie den Armen mit vollen Händen, verrichtete sie ihr Gebet mit Andacht, Verständnis und Ehrfurcht.“ „Rein wie die Sonne, schön wie der Mond.“ „Eine liebliche Gazelle, klug und schön in ihren Werken wie eine Lilie, keusch, zart und klar wie die Sonne.“ Und von einer ganz bedeutenden Frau rühmt eine Inschrift: „Lieblich wie eine duftende Rose in ihrem Tun, war sie eine bedeutende Frau durch die Fülle der von ihr vollbrachten guten Werke. Sie verwendete sich bei der Obrigkeit für einzelne wie für ganze Gemeinden. Ihr Reichtum machte sie nicht hochmütig. Auf ihre Veranlassung wurden zwei herrliche Gotteshäuser errichtet.“ Und wie innig und rührend sind nicht die Inschriften, welche das Andenken an früh verstorbene Kinder verewigen: „Ein Kind noch ohne Sünde“; „Rosen vom Tale, schön und sorglos“ (auf dem Grabstein zweier, kurz nacheinander verstorbenen kleinen Mädchen) „ein einfältiges, liebes Mägdelein“; „ein Knabe von sechs Jahren, der schon die fünf Bücher Mosis beherrschte“. Schon diese kleine Auslese ergibt ein Bild von dem, was die Generationen erfüllt, was ihnen als Ideal vorgeschwebt hat. Auch diese Inschriften, mag auch der einzelne Stein in seinem Lob zu weit gehen, geben zu einem guten Teil Antwort auf die Frage, weshalb die Juden die Jahrhunderte überdauert haben. Es waren eben Geschlechter, die ihrer Bestimmung sicher, in ihrer Ueberzeugung und Lebensanschauung gefestigt, ihren Weg kannten und wußten, was ihre Pflicht war. Und so kündete ein Geschlecht noch im Tode dem anderen seine Pflicht und seinen Ruhm. Noch auf vieles andere wäre, um eine erschöpfende Darstellung von dem Inhalt des Wachsteinschen Werkes zu geben, an dieser Stelle zu verweisen. So wäre besonders über den Stil der Grabinschriften viel zu berichten. Aber gerade dem stellen sich im Rahmen einen populären Besprechung fast unüberwindliche Schwierigkeiten entgegen. Die sämtlichen Inschriften sind hebräisch gehalten, viele von ihnen in Anlehnung an den Text der Bibel, im sogenannten Musivstil. Da ist es nun sehr interessant, zu beobachten, mit welcher Gewandtheit die Verfasser den Text der Bibel handhaben, ihn bald zu einer inhaltreichen Anspielung verwenden, bald durch eine kleine Umbiegung des Zitats es für ihren speziellen Zweck verwerten. Das kann indes hier des näheren nicht erläutert werden, ohne ganze Inschriften mit ausführlicher Erklärung hier hinzuzusetzen. Auch auf anderes ist hier noch nicht eingegangen worden. So bieten die Inschriften eine große Menge von Titulaturen, die zusammen einen Einblick in das gesellschaftliche und gemeindliche Leben der damaligen [udenheit ergeben: indes auch hier bedürfte es der Wiedergabe einer Reihe ermüdender Einzelheiten, um verständlich zu werden. Auch ohne diese Darlegungen ergeben diese Zeilen wohl einen Begriff von der hohen Bedeutung des Werkes, mit dem uns Wachsteins Fleiß und Gewissenhaftigkeit beschenkt hat, und von dem wir nur hoffen können, daß ihm bald der zweite Band folgen möge. Aber wir wollen diese Skizze nicht schließen, ohne dem Bedauern Ausdruck zu geben, daß wir im deutschen Reiche noch kein ähnliches Werk aufzuweisen haben, und ohne die Hoffnung auszusprechen, daß die mannigfachen Instanzen, die hier in Betracht kommen, das Gesamtarchiv der deutschen Juden, die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, die Gesellschaft für jüdische Volkskunde und die zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler sich zusammentun mögen, um auch bei uns eine methodische Grabsteinforschung in die Wege zu leiten. Bfichereinlauf Vom alten Stamm. Eine Sammlung jüdischer Bücher: Volkstümliche Erzählungen. Von J. L. P e r e z. — Im Lande der Väter. Von Schalom Asch. Jüdischer Verlag, Berlin W. 15. Die jüdische Gemeinschaft. Reden und Aufsätze über zeitgenössische Fragen des jüdischen Volkes. Herausgegeben von Dr. Ahron Eli asb erg: Das jüdische Volkslied. Von S. Kisselhoff. Jüdischer Verlag, Berlin W. 15. Achad-Haam: Am Scheidewege. Erster Band. Aus dem Hebräischen von Israel Friedlaender. Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. Jüdischer Verlag, Berlin 1913. Die Sadduzäer. Von Rudolf Leszynsky. Berlin, Maver & Müller, 1912. Für unsere Jugend. Ein Unterhaltungsbuch für israelitische Knaben und Mädchen. Unter Mitwirkung eines Ausschusses herausgegeben von E. Gut. Neue Folge. Frankfurt a. M., Verlag von J. Kauffmann. 1913. Bausteine. Zur Unterhaltung und Belehrung aus jüdischer Geschichte und jüdischem Leben. Herausgegeben unter Mitwirkung einer Kommission von Th. Rothschild. Verlag von 1. Kauffmann in Frankfurt a. M. 1913. Psychologie des jüdischen Geistes. Zur Völker- und Kulturpsychologie. Von S. M. Melamed. C. A. Schwetschke und Sohn, Berlin W. 57. Vom Kriegsschauplätze der jüdischen Wissenschaft. Eine gemeinverständliche Schilderung der Kämpfe auf dem Gebiete der modernen Bibelwissenschaft. Von Dr. Sigmund Jampel. Teil I: 1909. Teil II: 1912. Verlag von J. Kauffmann, Frankfurt a. M. Die Wänderbewegung der Juden. Von Wlad. W. Kaplun- Kogan. (Kölner Studien zum Staats- und Wirtschaftsleben.) Bonn 1913. A. Marcus und E. Webers Verlag (Dr. jur. Albert Ahn). Aus meiner Jugend. Autobiographie von M. Lazarus. Mit Vorwort und Anhang herausgegeben von Nahida Lazarus. 1913. Verlag von J. Kauffmann, Frankfurt am Main. Familie Mehlmann. Roman eines Konvertiten. Von Friedrich S t r e i ß I e r. Jena, Hermann Costenoble. 1913. Schluß des redaktionellen Teiles Bei dem Jewish Colonial Trust, London sind eingegangen: Für den Bezalel: per M. Sortmann, Dr. Ch. Weizmann £ —.10.—, M. Simon £ —.4.2, M. Sortmann £ —.4.2 . . . zus. £ 18.4 Eingegangen bei der Administration der „Welt“: Für das Mikrobiologische Institut: Johann Kremenezky. Wien „Vergesset nicht das Mikrobiologische Institut“ Kr. 10.— JL 8.40 Kakao STol&WERCK 7 Fabriken. Über 60Q0Besdiäfhgfe

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