Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 22 (30.5.1913)
- Date
- 1913-05-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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696 DIE-ffiELT zu gewinnen. Dieses Ziel haben wir erreicht. Jetzt müssen wir die Biluparole folgendermaßen modifizieren: „Auf zur Arbeit in Zion!“ („Beth Jaakob, Pchu w’naabdah.“) Unsere Kinder müssen die neue Parole, die der jüdischen Arbeit, in die Tat umsetzen. Die Feldarbeit in unseren Siedlungen muß jüdisch werden. Eine jüdische Kolonisation ohne jüdische Arbeit ist ein Unding. Manche Kolonisten sagen, daß sie nichtjüdische Arbeiter deshalb vorziehen, weil sie alle Arbeiten verrichten, während die jüdischen Arbeiter wählerischer seien. Wenn diese Behauptung den Tatsachen entspräche, so würde sie nur die Lebensweise der Kolonisten widerspiegeln, denn wenn der Arbeiter den Kolonisten selbst bei der Verrichtung dieser Arbeiten sehen würde, würde er sich derselben niemals entziehen. Als Beweis können unsere nationalen Farmen dienen, wo die jüdischen Arbeiter alle Arbeiten verrichten. Wir müssen es dahin bringen, daß die Söhne und Töchter der Kolonisten sich mit voller Hingebung der ländlichen Arbeit widmen. Gewiß, im Prinzip sind wir uns alle über die hohe Bedeutung der jüdischen Landarbeit einig. Leider aber war bisher die Gesamtrichtung unseres Erziehungssystems der ländlichen Arbeit ungünstig. Wir haben bisher unsern Kindern eine städtische Bildung angedeihen lassen, sie in der Schule der Mutter Erde entfremdet. In jeder Kolonie sollten sich unsere Söhne und Töchter unter der neuen Parole: „Beth Jaakob l’chu w’naabdah“ zusammenschließen. Sehen Sie sich doch den „Haschomer“ an, der sich bloß die Aufgabe gestellt hat, unsere Kolonien zu bewachen. Wie allgemein ist doch die Achtung und die Anerkennung für das Werk dieser Vereinigung. Gewiß, wir brauchen auch die freien Berufe, wir brauchen Aerzte, Agronomen, Ingenieure usw. Mögen alle ihre redliche Arbeit verrichten. Aber den Grundstock unserer neuen Gemeinschaft muß der jüdische Bauer bilden, der mit stolzer Kraft unseren Boden selbst bearbeitet. Möge die 30jährige Jubelfeier der Bilu den Ansporn zur gesunden Entwicklung nach dieser Richtung hin geben.“ Großer Beifall lohnte dem Redner. Hoffentlich werden seine Worte auch nicht ohne Wirkung bleiben. Wie bereits mitgeteilt, wurde während der Feier der für die Eintragung ins Goldene Buch erforderliche Betrag gesammelt. Außerdem trafen zwei Diplome für die Feier ein, die von den Zionisten in Moskau und Witebsk gestiftet wurden. Die Anwesenden blieben bei anregender Unterhaltung bis 6 Uhr morgens beisammen. Fast symbolische Bedeutung erhielt die Bemerkung eines Kolonisten von Gederah, daß ja nach dem Buche Ruth Boas, der Farmer, der Stammvater des Obed, des Arbeitenden, sei. Grundsteinlegung zum neuen deutschen Hospital in Jaffa Seit einiger Zeit bemühen sich die Deutschen in Jaffa und den benachbarten Kolonien S a r o n a und W i 1 h e I m a, die zusammen etwa 800 Seelen zählen, ein neues Hospital zu erbauen. Die zu diesem Zwecke in Deutschland eingeleitete öffentliche Sammlung ergab vorläufig ca. 52000 Frcs. Vom deutschen Kaiser wurden 3000 M. in Aussicht gestellt. Inzwischen wurde ein 21000 Quadratellen großes Grundstück für 44 000 Frcs. erworben, und am 23. April schritt man bereits an die Grundsteinlegung. An der Feier beteiligten sich auch 200 deutsche Touristen, die mittelst Sonderzug aus Jerusalem eingetroffen waren. Die Ansprachen hielten ein reichsdeutscher Ober-Konsistorialrat und Vizekonsul Dr. H. B r o d e in Jaffa. Von den hebräischen Gymnasien In unseren beiden Gymnasien herrscht Freude und Genugtuung. Die Hoffnungen, die die Initiatoren dieser segensreichen Anstalten gehegt hatten, gehen allmählich in Erfüllung. In Jaffa wurden bei den Prüfungen nach Peßach nicht weniger als 40 neue Schüler auf genommen. Da am Ende des Wintersemesters die Schülerzahl 479 betrug und bloß 5 Schüler die Nr. 22 Schule verlassen haben, so beträgt jetzt die Zahl der Schüler im Jaffaer Gymnasium 514! Von den neu aufgenommenen Schülern stammen 9 aus Jaffa, 6 sind mit ihren Eltern in den letzten Monaten in Jaffa eingetroffen und 25 kamen allein aus Rußland, darunter 7 aus den bucharischen Städten Kokand und Samarkand. — Da in diesem Jahre zum ersten Male die Klassen vollzählig sind und die Schüler der obersten (achten) Klasse das Gymnasium absolvieren werden, so finden schon jetzt Vorbereitungen zum Reifeexamen statt. Eine gleich gehobene Stimmung herrscht jetzt im Jerusalemer Gymnasium. Bei den Prüfungen nach Pessach traten 36 neue Schüler ein, so daß das erste Hundert bereits überschritten ist. Erfreulich ist, daß die Zunahme zu 9/io Lieh aus Jerusalem rekrutiert, ln einer gemeinsamen Sitzung des Verwaltungs- und pädagogischen Rats, die vorige Woche stattfand, erstattete F eidmann- Jaffa Bericht über die Lage des Gymnasiums und über die zurzeit schwebenden Fragen. Die große Zunahme der Schülerzahl dokumentiere mehr als alle Agitationsreden die Notwendigkeit und Nützlichkeit der Anstalt. Noch vor 2i/2 Jahren, als Herr S. Schiller auf seine und Dr. Metmanns Veranlassung berufen wurde, zählte die Schule bloß 17 Schüler. Auch uns nahestehende Kreise zweifelten damals an dem Erfolg des Unternehmens und ein namhafter palästinensischer Publizist sprach sich auch heftig in der „Hazefirah“ gegen die Neugründung aus. Heute, nach knapp 2*/» Jahren, zählt das Gymnasium bereits 4 Vorbereitungs-und 4 Gymnasialklassen mit ca. 110 Schülern. Dieser Erfolg ist fast ausschließlich der hingebungsvollen Arbeit der Lehrer zuzuschreiben. Heute kann der Fortbestand der Schule mit vollem Recht als gesichert gelten. Für die Deckung des Defizits dieses Jahres haben unsere südafrikanischen Freunde, dank der Werbearbeit des Schriftstellers Israeli -Kretschm a r, gesorgt. Für das Budget des nächsten Schuljahres können folgende Beträge als gesichert angesehen werden: 8000—10000 Frcs. Schulgeld, 4000 Frcs. Beitrag des Odessaer Komitees, 3000 Frcs. galizische Zionisten (Dr. G. Zipper), 2500 Frcs. Herr Friedensrichter J. Moser, 2000 Frcs. Wiener Zionisten (A. Böhm), 2000 Frcs. Berliner Zionisten (Buber, Eliasberg). Dies ergibt bereits einen Betrag von mindestens 20000 Frcs., es ist jedoch auf größere Eingänge zu rechnen, da das allgemeine Interesse für Jerusalem und für das Gymnasium im besonderen in Zunahme begriffen ist. Man denke nur an die galizischen Juden, die in einem Jahre der größten wirtschaftlichen Krisis bereits über 80 000 Frcs. für den Bau aufgebracht haben. Herr Feldmann stellte daher den Antrag, an das Odessaer Komitee mit dem Ersuchen heranzutreten, daß es mit Rücksicht auf die günstige Entwicklung des Gymnasiums die Sicherstellung des Budgets und die Auszahlung der Gehälter übernehme, wie es seinerzeit auch beim Jaffaer Gymnasium das gleiche getan hat. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Die Versammlung beriet noch über die Frage, wo das neue Gymnasialgebäude errichtet werden soll, in der Stadt oder, ähnlich wie in Jaffa, in einem neuen Viertel. Die Anwesenden stimmten fast sämtlich dem Vorschlag zu, daß demnächst ein geeignetes Terrain außerhalb der Stadt erworben werden solle. Herrn J. Feldmann wurde für seine bisherige Arbeit für das Gymnasium einstimmig Dank ausgesprochen. Schekelversammlung in Jaffa Am 10. Ijjar, dem Geburtstage Theodor H e r z 1 s, fand in Jaffa in der Aula des hebräischen Gymnasiums die erste diesjährige Schekelversammlung statt, die von dem „Makkabim Hakadmonim“ veranstaltet wurde. Die Beteiligung war diesmal ungemein groß im Vergleiche mit ähnlichen Veranstaltungen früherer Jahre. Der große Saal war überfüllt und man bemerkte auch Personen, die sich sonst nie an zionistischen