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Die Welt · 1913-05-23 · 21 (23.5.1913) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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658 Nr. 21 DIESqKELT Auf Initiative des Palästina-Amtes fand am Chol-Hamoed- Pessach eine gemeinsame Konferenz von Arbeitgebern und Arbeitern statt. Es wurde dann wegen Ausarbeitung eines beide Parteien befriedigenden Reglements ein Komitee eingesetzt, dem folgende Herren angehören: Eisenberg, Joffe, Kaplanski, Aronowitz und Dr. R u p p i n als Obmann. Auf Veranlassung des Waad von Tel-Awiw wird von nun an alle acht Minuten ein Omnibuswagen nach der Stadt abgehen. Es wird auch die Einstellung eines Automobilomnibus geplant. Ein Mitarbeiter der „Neuen Rundschau“ bereist jetzt Palästina im Aufträge dieser Monatsschrift. Eine neue Pflanzungskolonie der südafrikanischen Zionisten in Palästina (Von unserem Berichterstatter.) Johannesburg. Die South African Zionist Federation hat beschlossen, in Palästina ein größeres ländliches Grundstück anzukaufen und dort eine große Farm einzurichten, auf der durch jüdische Arbeiter hauptsächlich Oelbaum- und Mandelpflanzungen angelegt werden sollen. Die Kosten der Farm werden sich ungefähr auf 4500 Pfund belaufen, die die zionistischen Vereine in Südafrika im Laufe einiger Jahre aufzubringen hoffen. Die südafrikanische Zionistenföderation hat mit der ottomanischen Gesellschaft für Agrikultur, Handel und Industrie „Agudath Netaim“ in Jaffa ein Uebereinkommen getroffen, wonach mit den Vorarbeiten für die Anlage der Pflanzungen auf dem in Aussicht genommenen, von der genannten Gesellschaft erworbenen Terrain bereits in allernächster Zeit begonnen werden soll. Eine Spende der Kolonie Rischon Le-Zion für den Roten Halbmond Konstantinopel. Die Winzergenossenschaft in der palästinensischen Kolonie Rischon Le-Zion hat der Gesellschaft vom Roten Halbmond einige hundert Flaschen alten Rotwein und Cognac für die im Kriege verwundeten Soldaten zur Verfügung gestellt. Der Begleitbrief verdolmetscht die treue Anhänglichkeit sämtlicher jüdischer Kolonisten an das ottomanische Vaterland und ihr warmes Mitgefühl mit den Opfern des Krieges. Die Palästina-Wanderfahrt *) (Veranstaltet vom Bund Jüdischer Corpora t i o n e n , vom Kartell Zionistischer Verbindungen und der Jüdischen Turnerschaft.) Die Wandergruppe verließ die judäischen Kolonien und zog in die Mauern Jerusalems ein. Während des Aufenthaltes in der heiligen Stadt versuchten wir all das in uns aufzunehmen, was zu sehen die Kürze der Zeit uns gestattete. Wir besichtigten die Klagemauer und die Gräber der Davidischen Königsfamilie, die Schulen und Institute der jüdischen Gemeinschaften Jerusalems, die Gotteshäuser und Gottesdienste der verschiedenen Sekten und < die Anfänge des neujüdischen Lebens in Jerusalem, wie den Eezalel, das Gesundheitsamt, die Filiale der Anglobank. Wir sahen die berühmte Moschee auf dem Tempelplatz, die verfallenen Kanalisationswerke, die Grabmale, die Absalom und Jesaias und Herodds aufgenommen haben sollen. Wir gingen hinauf auf den Oelberg, vorbei an Mirjams Grab, — ein märchenhaftes Grab—, auf den Turm des russischen Klosters, •) Vgl. „Die Welt“ Nr. 16 d. J. von dem wir hinüberlugten bis zum Toten Meer und zu den Bergketten Transjordaniens. Dann wanderten wir am deutschen Hospiz vorbei zurück in die Finsternis des Ghetto. Ein erster Ausflug von Jerusalem führte uns am Grabe Rahels vorbei zu den alten Salomonischen Teichen, die die Wasserbehälter für Jerusalem bildeten, und zum Paradiese Salomos. Wo einst die maurischen Bögen des Königstempels in paradiesischer Umgebung sich wölbten, steht jetzt das Spitzbogenkloster argentinischer Nonnen. Im Tale aber blühen die Fruchtbäume und duften die Knospen, wie zur Zeit Salomos. Der Rückweg führte uns nach Bethlehem, wo sich ein Teil unserer Gruppe mit Stöcken gegen allzu eifrige Araberchristen und Mönche wehren mußte, und in die Grabeskirche in Jerusalem, wo sich ähnliche Werke christlicher Nächstenliebe wiederholten. Unser zweiter Ausflug galt einer unserer ältesten Kolonien, Moza. Der Weg führte durch Stellen von ganz besonderer landschaftlicher Schönheit. Moza selbst sahen wir nur im Fackelschein in mondloser Nacht. An der Zypresse, die Herzl in Palästina gepflanzt, lohte unser Freudenfeuer. Die letzten zwei Tage führten uns an die Ufer des Toten Meeres, an das Ufer des Jordans, an die Stätte des einstigen Jericho. Länger durften wir nicht weilen. Wenn wir viel gesehen haben, so verdanken wir dies in erster Reihe den Herren Dr. Ben-Zion, Dr. Brünn und Dr. Goldberg, und im besonderen den Herren vom Seminar des Hilfsvercins. Uebersatt an Eindrücken, voller Hoffnung und Sehnsucht, verließen wir die Stadt der Städte. Wir sehnten uns nach dem Lande, dem jüdischen Lande. Zunächst kamen wir nach Ben-Schamen, wo wir die Methode der Oelbaumpflanzung, der Mandel- und Nutzholzzüchtung und die Fortschritte des Herzl-Waldes kennen lernten. Gepflanzt ist er ja schon zum großen Teil. Er muß nur noch etwas wachsen! Auf unserem Wege nach Pethach-Tikwah kamen wir durch die deutsche Kolonie Wilhelma. In Pethach-Tikwah nahm man uns, wie überall, sehr herzlich auf. Allerdings entsprachen die Bequemlichkeiten, die wir vorfanden, bei weitem nicht denen bedeutend kleinerer Kolonien. Der Makkabi, der dort und in Jerusalem besonders guten Eindruck machte, zeigte uns seine Leistungen, wir taten das unsere. Aus Pethach-Tikwah nahmen wir das Andenken an eine fleißige, reiche Kolonie mit, aufgebaut auf dem alten System der Rothschildschen Philanthropie. Die Arbeiterkolonie Ain-Ganim und die ihr angeschlossene Jemenitensiedlung scheinen sich in aufstrebender Entwicklung zu befinden. Die alte Kreuzfahrerfestung Antipatrus verleiht der Umgebung der beiden eng nebeneinanderliegenden Kolonien ein besonderes historisches Gepräge. Ein zehnstündiger Marsch brachte uns durch die liebliche, abwechslungsreiche Tiefebene nach Chederah. Das Land, das wir durchquerten, machte einen durchaus fruchtbaren, beinahe reichen Eindruck. Das nächste Ziel, das wir erreichten, nachdem wir den Eukalyptuswald Chederahs verlassen, war Sichron-Jacob. Die Lage Sichrons ist einzigartig. Während man zur Rechten die romantischen Bergzüge Galiläas erblickt, dehnt sich zur. Linken das weite Meer, zu dem die Berge steil nach der schmalen Küstentiefebene abfallen. Nach Süden weitet sich die Ebene Saron und vor dem Betrachter leuchtet Haifa am Horizont. Der Marsch über Atlit, der uns nach Merchawja führen sollte, endete nach 17 Tagesstunden auf den Schienen der Eisenbahn Haifa—Damaskus. Nach einer herrlichen Tour über den Karmel und dem Abstieg in die blühende Ebene Jesreel, brachen wir wegen Unkenntnis des Führers unseren Marsch ab und setzten ihn erst, nachdem sechs Kundschafter das Ziel gefunden, am frühen Morgen fort. Sowohl die Kolonie

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