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Die Welt · 1913-05-23 · 21 (23.5.1913) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
21 (23.5.1913)
Date
1913-05-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. W ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVII. JAHRO. BERLIN, 23. Mai 1913 Y'Dnn 'X |KT|_| AI T'.8ADOLF LÖWY (Chicago): Amerikanische Palästinapioniere — WELTCHRONIK — PALÄSTINA- I1N1 .-RUNDSCHAU — AUS DER BEWEGUNG - FEUILLETON: A. CORALNIK: Die Sagen der Juden — GESCHÄFTLICHE NACHRICHTEN — Mitteilungen des Hanptbureaus des Jüdischen National-Fonds — INSERATE Amerikanische Palästinapioniere Von Adolf Löwy, Chicago Das große Völkermeer Amerika ist ein unfruchtbarer Boden für nationale Bestrebungen. Zwischen den beiden gewaltigen Mühlsteinen des Amerikanismus und des Materialismus wird das nationale Eigenleben der eingewanderten Volkselemente im Laufe weniger Generationen vollständig zerrieben. Nur die stete Zuwanderung hat die Bildung eines festgefügten, einheitlich geschlossenen amerikanischen Volkstums bisher verhindert. Aber die fremdenfeindliche Strömung wird immer mächtiger, sie entlädt sich bereits in beschränkenden Gesetzen und cs ist mehr als wahrscheinlich, daß sie im Laufe der nächsten Jahre immer mehr anwachsen wird. Hat aber Amerika einmal seine Tore gegen die Einwanderung geschlossen, dann ist der Untergang der nationalen Eigenart der einzelnen im Lande ansässigen Volksstämme wahrscheinlich besiegelt. Niemand fühlt die Ungunst der Verhältnisse mehr als die nationalgesinnten Juden Amerikas. Zu den äußeren Einwirkungen tritt bei den Juden noch der innere Drang zur Anpassung an die herrschenden Verhältnisse, der sich ja auch in den westeuropäischen Ländern zur Genüge dokumentiert. Der Deutsche, der Irländer, der Italiener, sie alle behalten Generationen hindurch Sprache und Sitte der Heimat bei. Anders ist dies bei einem großen Teil der eingewanderten Juden. Sobald der Assimilationsjude das Englische radebrechen und den Refrain des Yankee doodle pfeifen kann, streift er alles jüdische ab und wird Amerikaner mit Leib und Seele, gewöhnlich sogar Hyperpatriot und Fremdenfeind. Der Arbeit der nationalgesinnten Juden stellen sich unter diesen Verhältnissen fast unüberwindliche Schwierigkeiten entgegen. Und so erklärt es sich auch, daß Amerika mit seinen zwei Millionen Juden auf dem Gebiete der nationalen Arbeit nicht annähernd soviel leistet wie europäische Länder mit der gleichen oder sogar noch mit geringerer jüdischer Volkszahl. Aber die kulturelle Assimilation der Juden hat auch ihre guten Seiten. Im Lande der Freiheit und der Arbeit sind aus den gedrückten Ghettojuden, den unpraktischen Theoretikern und Ideologen recht energische, praktische und weitblickende Menschen geworden, aus dem Volk des Buches ein Volk der Tat. Und die nationale Tat der amerikanischen Juden heißt: Hoachooza. „Hoachooza“, oder in deutscher Schreibart Ho- Achusa, ist eine moderne Bewegung zur Kolonisation Palästinas mit jüdischen Farmern. Ihren Ausgangspunkt hat diese Bewegung in St. Louis genommen, wo vor vier Jahren durch die Initiative ihres tatkräftigen Vorkämpfers Simon G o I d m a n n der erste Verband ins Leben gerufen wurde. Seither hat die Bewegung einen mächtigen Aufschwung genommen und es bestehen gegenwärtig schon in einer ganzen Reihe von amerikanischen Großstädten derartige Palästinagruppen, in St. Louis und Chicago sogar deren zwei. Und neue Verbände entstehen in rascher Folge. Der Achusa-Plan ist ungemein einfach. Es ist festgestellt worden, daß eine Familie zur Gründung einer auskömmlichen Existenz in Palästina ein Kapital von mindestens 1400 S — 7000 Frcs. benötigt. Die Achusa will durch Gewährung einer langjährigen Zahlungsfrist ihren Mitgliedern die Einzahlung dieses Betrages ermöglichen. Diese Frist wurde mit 10 Jahren bemessen, läßt sich jedoch, wie es bei neueren Gründungen versucht wird, entsprechend verringern. Jedes Achusamitglied zeichnet eine gewisse Anzahl von Shares ä 200 S, die in vierteljährlichen Raten eingezahlt werden. Für 7 Shares werden z. B. vierteljährlich 35 § eingezahlt, eine Summe, die in Amerika jeder tüchtige Arbeiter, jeder Geschäftsmann ersparen kann. Denn in der demokratischen Tendenz liegt die Bedeutung des Achusagedankens. Das eingezahlte Kapital liegt jedoch während der zehnjährigen Frist nicht brach, sondern arbeitet vom ersten Augenblick an in Palästina. Es wird nach jedem Meeting der Gruppe an die Anglo - Palestine Company in Jaffa gesandt und dient also schon nationalen Zwecken, noch bevor es seiner eigentlichen Bestimmung zugeführt wird. Sobald eine genügend große Summe beisammen ist, wird mit dem Landankauf begonnen. Die erworbene Bodenfläche wird von jüdischen Arbeitern unter Anleitung fachkundiger Agronomen bepflanzt. In der zehnjährigen

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