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Die Welt · 1913-05-16 · 20 (16.5.1913) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
20 (16.5.1913)
Date
1913-05-16
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 20 631 - DIE] deren Erträge den verschiedenen Fonds der zionistischen Bewegung zugewiesen werden —Die Ladies’ Herzl Societv wurde mit denselben Absichten gegründet, wie die Men’s Zionist Organisation. Mrs. A. J. Freiman ist Vorsitzende Der Verein entfaltet unter den jüdischen Frauen Ottawas eine erfolgreiche zionistische Tätigkeit. Australien Melbourne. Am 2. März fand eine Versammlung von Mitgliedern der beiden zionistischen Vereine der Stadt statt deren Zweck war, eine Vereinigung herbeizuführen. Die beiden Körperschaften vereinigten sich zu einem Verein unter dem N,anle? Vjctorian Zionist Society Hat c h i a‘ . Es wurde eine Sammlung für unsere bedrängten Brüder auf dem Balkan veranstaltet. Auf Anregung von Mr J Rochlin wurde beschlossen, ein Gratulationsschreiben ari den Chief Rabbi Dr. Hertz zu senden, welcher auch hier als eifriger Zionist bekannt war. rci t — - der zurücktretende Präsident, Mr. J. Hersch, Bericht über die Arbeiten des Vereins im verflossenen Jahre erstattete und die Bilanz vorlegte. High Veld. Eine sehr erfolgreiche Versammlung der High Veld Zionist Association fand am 24. März statt, bei welcher Mr. Isaac Goodman eine Ansprache hielt und zur Förderung des „Zionist Record" aufforderte. zu überweisen für die abermalige Eintragung des Vereins in das Goldene Buch. Auch für andere zionistische Fonds wurden Beiträge bewilligt. SPRECHSAAL Herr Dr. Ludwig Wassermann in München sucht uns um Abdruck folgender Erklärung: Südafrika Johannesburg. Mr. S. Lennox L o e w e hat die Redaktion des „Zionist Record" übernommen. Der Präsident der Federation, Mr. A. M. Abrahams und Dr. H. Goodman bilden das beratende Komitee. Anläßlich der Anwesenheit von Herrn Kretschmar aus Konstantinopel fand eine Versammlung statt, in welcher der Gast über den Zweck seiner Propagandareise durch Südafrika berichtete. Am Abend fand eine Propagandaversammlung statt, in der Herr Kretschmar unter großem Beifall die Ziele der zionistischen Bewegung auseinandersetzte. Kapstadt. Die Capetown Junior Zionist Society veranstaltete am 8. Januar eine große Versammlung, die der zionistischen Sache viele neue Anhänger gewann. Am 15. Januar fand eine Generalversammlung statt, in der die Delegierten des Vereins über die South African Zionist Conference referierten. Durban. Am 9. März fand ein von der Durban Zionist Association veranstalteter Diskussionsabend statt, der sehr gut besucht war. Es sprachen der Vorsitzende Mr. L. Hart, ferner Rev. J. J. Rosin, Mr. M. Kentridge, Mr. M. Lewis und Mr. Mark Levy. Das Thema war „Zionismus und Assimilation". Elizabethville (Kongo). In Elizabethville (Belgisch-Kongo) ist der Zionismus das Bindemittel für die hier lebenden Juden, das ein brüderliches Zusammenhalten bewirkt. Wenn es auch keine organisierte zionistische Vereinigung gibt, so fördert doch Mr. L. Goldberg die zionistische Arbeit mit großem Erfolg, und es ist ihm gelungen, in diesem Jahre 45 Schekel abzusetzen und Sammlungen für die verschiedenen zionistischen Fonds zu veranstalten. Demnächst kann die Gründung eines zionistischen Vereins in Elizabethville erwartet werden. Germiston. Am 11. März fand die Jahresversammlung der Germiston Zionist Association statt, bei welcher In Nummer 5/6 der Zeitschrift des Zentralvereins „Im deutschen Reich" wird, aus dem Zusammenhänge gerissen, ein Satz von mir über deutsches und jüdisches Nationalgefühl gebracht, der durch die Art der Wiedergabe in hohem Grade geeignet ist, Mißverständnisse sowohl über meine eigenen Anschauungen als die zahlreicher zionistischer und nationaljüdischer Gesinnungsgenossen, für die er typisch sein soll, zu erregen. Dies veranlaßt mich zu folgender Richtigstellung: Ich fasse den Ausdruck Nationalgefühl — man kann darüber natürlich verschiedener Meinung sein — ziemlich eng auf (wesentlich enger als die bekannte Zentralvereinsresolution). Nach meiner Ansicht ist Nationalgefühl nur das Gefühl, das in der Anschauung wurzelt, daß man durch Abstammung Angehöriger einer Volksgemeinschaft sei. Faßt man den Begriff so, so können Juden nur ganz ausnahmsweise deutsches Nationalgefühl haben. Das hindert aber nicht, daß sie — ganz abgesehen von der selbstverständlichen Erfüllung ihrer Staatsbürgerpflichten — ihr Vaterland und ihren Herrscher lieben und sich, wie ich, als vollgültige deutsche Patrioten fühlen können. Wer so denkt wie ich, brauchte also an sich wegen seiner Stellung zum deutschen Vaterland nicht auf die bekannte Resolution hin aus dem Zentralverein auszutreten; denn er fühlt sich ganz gewiß nicht als „Gast im fremden Wirtsvolke" und er ist unter Umständen viel patriotischer, als mancher von denen, die deutsches Nationalgefühl gepachtet zu haben glauben. Mein Austritt aus dem Zentralverein und der vieler Zionisten ist ein Protest; ein Protest, der sich gegen die Verdächtigung richtet, der Zionismus und der jüdische Nationalismus beeinträchtige unsere treudeutschen, staatsbürgerlichen Gesinnungen. Ich bin Nationaljude, aber ich lasse mich von niemandem in deutsch-vaterländischer Gesinnung übertreffen. FEUILLETON Ein Besuch bei den Karäem . auf der Halbinsel Krim Von Dr. Meier Thenen, Jassy (Rumänien). Ueber die Karäer habe ich so viel gehört und gelesen, daß ich immer den Wunsch hegte, sie, ihr Leben und Treiben einmal persönlich kennen zu lernen. Einmal ergriff es mich so sehr, daß ich beschloß, nach der Halbinsel Krim im südlichen Rußland zu gehen, wo die Karäer ihre Eigenart am besten bewahrt haben. Denn in der Krim besitzen sie nicht nur in der Hafenstadt am Schwarzen Meere, Sewastopol, ihre Rabbinatsschule, sondern die ganze karäische Kultur wurzelte bis in neuerer Zeit in der Kultur der Tataren, die mit dem Liebergang der Halbinsel vom türkischen in russischen Besitz russische Untertanen wurden und dort überall in Dörfern und Städten ansässig sind. Als ich mich entschloß, nach der Halbinsel Krim zu reisen — es ist über ein Jahr her —, war ich in Berlin und sollte nach Rumänien zurückkehren. Aber statt den gewöhnlichen Zug zu nehmen, machte ich den Umweg über ein Stück des Zarenreiches. Eine Eisenbahnstrecke von über 50 Stunden durchquert man von Berlin bis Simferopol mit dem raschesten Schnellzug direkt, indem man nur einmal an der von Berlin nicht mehr als sechs Stunden entfernten russisch-polnischen Grenze, in K a 1 i s c h , umsteigt. Städte wie Lodz, Warschau, Brest-Lit o w s k , K o w e 1, Berditschew u. v. a. sind Namen, die anhaltend in den Ohren eines vorbeireisenden Juden nachklingen, wenn der Zug die Station bereits längst verlassen hat. In Simferopol angelangt, war ich überrascht von dem schönen, milden Frühlingswetter, das dort bis tief in den Januar hinein anhält. Während der Zug unaufhaltsam weiter nach Sewastopol rollte, saß ich in einer bequemen

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