Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 20 (16.5.1913)
- Date
- 1913-05-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 629 &1E3^ELT Es wurde die Diskussion über das Referat Pincherle fortgesetzt, besonders über den Punkt Reorganisation der Federation. Es wurden scharfe Kritiken laut; viele forderten eine genaue Präzision des Arbeitsprogramms der Federation. Schließlich gelang es dem Adv. Pacific! und dem Präsidenten Ravenna, die verschiedenen Tendenzen auszugleichen. Es wurde von der sofortigen Formulierung des Programms abgesehen und beschlossen, dem neuzuwählenden Vorstand der Federation diese Arbeit zu überlassen. Das Programm soll in möglichst kurzer Zeit ausgearbeitet werden und dem nächsten Delegiertentag zur Approbation vorgelegt werden. Nun wurde an die Wahl der neuen Leitung geschritten. Es wurde ein Komitee von Mitgliedern gewählt, bestehend aus den Herren Adv. Ravenna (Ferrara), Adv. Moise Foä (Turin), Prof. Bernhard Dessau (Perugia), Adv. Alfonso Pacific, (Florenz), Commendatore Giuseppe Musatti (Venedig), Ing. Pincherle (Mailand), Cavaliere Ravä (Bologna), Ing. Ajö (Rom) und Herrn Amedeo Donati (Modena). Präsident der Federation bleibt Adv. Ravenna (Ferrara), dem die Aufgabe zufällt, die Federation in allen Angelegenheiten bei der Zentralleitung der zionistischen Organisation zu vertreten. Außerdem wurde ein Sekretariat für Italien eingesetzt, das in Mailand seinen Sitz haben wird, da hier die tätigsten Zionisten sind. Dieses Amt soll aus zwei Sekretären bestehen und es wurden die Herren Nathan und B o 1 a f f i o gewählt. Nathan (Mailand) referierte nun über den Nationalfonds. Das Referat wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. In der Diskussion wurde zugegeben, daß bis jetzt sehr wenig von den italienischen Zionisten für den Nationalfonds getan wurde. Während der Diskussion wurde eine Schrift verteilt, die in sehr sachlicher Weise die Ziele und Leistungen des N.-F. auseinandersetzt. Es wurde nun beschlossen, ein besonderes Kommissariat für den Nationalfonds in Italien zu schaffen. Auf Vorschlag des Ing. Pincherle wurde einstimmig der Referent selbst, Herr Nathan, zum Kommissär gewählt. Die Sitzung wurde nun für kurze Zeit unterbrochen; während dieser Pause wurde den Delegierten vom G r u p p o sionistico milanese eine Erfrischung geboten. Frau Nathan sammelte bei dieser Gelegenheit für den Nationalfonds. Der Oberrabbiner von Mailand, Cav. Da F a n o, sprach einige Worte und drückte seine Sympathie für die Arbeit der Kongressisten aus. Adv. Alfonso Pacific! (Florenz) hielt nun das letzte Referat über „Die Tätigkeit der zionistischen Federation in Beziehung zu den jüdischen Gemeinden und zu dem Gemeindebund". Redner gab ein anschauliches Bild vom Verfall des jüdischen Gemeindelebens und wies auf viele Abnormalitäten desselben hin. Die Gemeinden müßten wieder das werden, was sie historisch und juridisch sind: Institute des öffentlichen Rechts. Was den öffentlichen Unterricht betrifft, erklärte der Referent, daß die heute in den jüdischen Schulen angewandte Methode lächerlich sei. Ist die Existenz besonderer jüdischer Schulen berechtigt, wenn in diesen kein Hebräisch unterrichtet wird? Kann man sagen, daß in unseren Schulen Hebräisch unterrichtet wird, wenn man sich darauf beschränkt, das Hebräisch - Lesen oder höchstens mechanisch einige hebräische Wörter zu lehren? Die jüdische Schule hat keine Existenzberechtigung, wenn sie nicht das Hebräische als nationale Sprache lehrt. Die Erfahrung hat in anderen Ländern gezeigt, was man in dieser Hinsicht erzielen könne. Die Gemeinden müßten beitragen zur Realisierung des Projektes, iür das Referent seit Jahren kämpft, unsere Lehrer nach Palästina zu senden, damit sie sich im Hebräischen vervollkommnen. Die Methode Ivrith B e ’ i v r i t h , die in vielen Ländern bereits gute Resultate gezeitigt hat, müßte man auch in unseren Schulen ein fuhren. Wenn besonders unsere Rabbiner etwas mehr Mut hätten, wäre diese Methode bereits eingeführt. Der Redner sprach dann sehr eingehend über die Reform der Verwaltungspraxis innerhalb der jüdischen Gemeinden Italiens und betonte zum Schluß nochmals die Notwendigkeit der Schaffung von Reise-Stipendien für jüdische Lehrer, damit diese in Palästina ihr hebräisches Wissen und Sprechen vervollkommnen können. Es sei eine heilige Pflicht der jüdischen Gemeinden, die Ausführung dieses Planes zu unterstützen, der vielleicht der Anfang unserer Rettung sein könnte. Hier hoffe er besonders auf die tätige Hilfe der Gesinnungsgenossen. Redner, der über zwei Stunden mit großem Temperament und Enthusiasmus gesprochen hatte, schloß unter dem stürmischen Beifall der Versammelten mit folgenden Worten: Theodor Herzl sagte: „Wenn ihr wollt, so ist es kein Märchen!“; aber „Wollen“ heiße nicht, in einem flüchtigen Augenblick der aufflammenden Begeisterung wollen, es bedeute vielmehr unaufhörlich, beständig, mit der ganzen Kraft des Gemüts wollen. Und dann kann man auch. Solcher Art sei auch unser Wollen! ln der Diskussion bekämpfte Adv. Felice Ravenna einige Ausführungen des Redners betreffend die Beziehungen der Zionisten zu den Gemeinden. Wenn einige Ausdrücke des Adv. Pacific! den Delegierten etwas zu hart und impulsiv scheinen mochten, so müsse man bedenken, daß wir italienische Juden heute, nach einem halben Jahrhundert der Trägheit und des Indifferentismus, das Bedürfnis gerade nach solchen Temperamenten fühlen, die die Gewissen erschüttern und aus ihrem Schlafe aufpeitschen. Auf Vorschlag des Referenten selbst wurde keine Tagesordnung über den Punkt „Gemeinden und Zionismus“ votiert. Es wurde nur den Kongressisten das Studium der aufgeworfenen Fragen empfohlen. Der Referent verpflichtete sich dann, ein genaues Arbeitsprogramm in dieser Richtung auszuarbeiten, das er der nächsten Tagung vorlegen werde. Im Namen der Delegierten dankte Adv. Pacific! den Mailänder Gesinnungsgenossen für ihre echtjüdische Gastfreundschaft. Ing. Pincherle brachte im Namen des „G ruppo Sionistico Milanese“ den Abschiedsgruß dar und schloß damit die Sitzungen des VII. Delegiertentages. Der VII. Delegiertentag der italienischen Zionisten hat zwar keine sofortige Revolutionierung der bestehenden Verhältnisse gebracht, hat aber doch einiges erzielt, was alle guten Zionisten in Italien seit langem wünschten: eine vollständige Erneuerung der Leitung. Denn bis jetzt hatte die ganze Last der Präsident der Federation, Adv. Felice R a - venna, zu tragen, der, obwohl er ein tief überzeugter Zionist ist, doch bei allem guten Willen nichts Wertvolles leisten konnte, da er von keiner Seite Hilfe erhielt. Deshalb ist es mit großer Befriedigung zu begrüßen, daß die italienische Leitung nach Mailand verlegt wurde, wo sich eine stattliche Anzahl eifriger und arbeitsfreudiger Gesinnungsgenossen befindet. Wir können jetzt sicher sein, daß die Propaganda- Arbeit systematischer durchgeführt werden wird, und daß auch bald die materiellen Mittel flüssig werden. Diese Tagung bedeutet demnach einen erfreulichen Wandel. Was sie noch besonders gegen die vorhergehenden auszeichnet, ist, daß man ihr durch Vermittlung der italienischen allgemeinen Presse aller Schattierungen die breiteste Oeffentlichkeit gegeben hat. Alle Zeitungen haben ausführliche und wohlwollende Berichte über die Tagung gebracht, die ein vielbemerktes Ereignis im öffentlichen Leben des Landes bildete. Deutschland VII. Oberschlesischer Zionistentag Am Sonntag, den 18. Mai findet in Beuthen (Konzerthaus) der VII. Oberschlesische Zionistentag statt. Die interne Sitzung beginnt nachmittags 3V4 Uhr (im kleinen Saale). Dieselbe ist nur für Mitglieder national-jüdischer Organisationen zugänglich. Tagesordnung: 1. Eröffnungs- und Begrüßungs-