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Die Welt · 1913-05-16 · 20 (16.5.1913) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
20 (16.5.1913)
Date
1913-05-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE WELT BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT JEDEN FREITAG ----- ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVII. JAHRG. BERLIN, 16. Mai 1913 T'Dnn 'X T’N 'b na f f_l A I T. Opposition — WELTCHRONIK. — C,: Antisemitische Sophisten — PALÄSTINA-RUNDSCHAU lINn/VLl . _ AUS DER BEWEGUNG — SPRECHSAAL — FEUILLETON: M. THENEN: Ein Besuch hei den Karäern anf der Halbinsel Krim — Geschäftl. Nachrichten — Mitteilungen des Hauptbureaus des Jüd. National-Fonds DIE OPPOSITION Es ist eine natürliche Erscheinung, daß in einer Bewegung wie der unseren sich gegen die jeweilige Leitung Opposition erhebt, daß diese oder jene Gruppe in ihren Ansichten über die Tätigkeit der zionistischen Organisation von den Ansichten des Actions-Comites abweicht. Herzl stieß zeitweilig auf sehr energische Opposition, die folgende Leitung unter Wolffsohn fand heftige Gegnerschaft, und niemand wird sich darüber wundern, daß auch das jetzige E. A. C. nicht nur Freunde und Anhänger hat. Immerhin darf man von jeder Opposition verlangen, daß sie sachlich ist, daß sie nicht auf persönlicher Abneigung, auf der Mißgunst von Cliquen beruht, sondern schließlich und endlich doch durch sachliche Gründe bestimmt wird und mit logischen Argumenten operiert. Solche Opposition ist gesund, ist nützlich, denn sie beschränkt sich nicht darauf, Vorwürfe zu erheben, sie weist vielmehr darauf hin, was der Besserung bedarf und sucht den richtigen Weg zu zeigen, wenn die Leitung ihn — scheinbar oder in Wahrheit — nicht zu finden vermochte. Es ist beinahe selbstverständlich, daß die an der Spitze unserer Organisation stehenden Männer solcher Kritik ausgesetzt sind, und nichts liegt ihnen ferner, als in sachlich halbwegs berechtigten Vorwürfen einen Grund zur Entrüstung oder Gereiztheit zu erblicken. Wir könnten auch in diesem Blatte über die Führung unserer Geschäfte manches sagen, was mehr nach Tadel als nach Lob schmeckt, doch sind uns auch die Schwierigkeiten bekannt, mit denen die Leitung zu kämpfen hatte, der Mangel an Mitteln und Kräften, der manche guten Vorsätze nicht zur Tat werden ließ. In jedem Fall ist es begreiflich und nützlich, wenn die Leitung nicht allgemeiner Zustimmung begegnet, sondern wenn diejenigen, welche Schäden oder Mängel zu bemerken glauben, ihre Stimme erheben. Solche Kritik ist anregend, sie treibt die leitenden Männer zur Selbstprüfung und zwingt sie, ihr Bestes zu geben, um den großen Anforderungen zu entsprechen, die unsere Gesinnungsgenossen mit vollem Recht an ihre Führer stellen. .; i Es gibt aber auch eine andere Opposition gegen die Leitung. Sie erklärt sich nicht aus sachlichen Motiven, sondern aus gewissen persönlichen Zusammenhängen, aus gewissermaßen historisch gewordenen Sympathien und Antipathien, und diese Opposition fühlt sich leider nicht verpflichtet, mit dem nötigen Ernst zu prüfen, ob ihre Haltung sachlich gerechtfertigt ist und ob sie verantworten kann, was sie in eine größere oder kleinere Öffentlichkeit trägt. Das Kennzeichen dieser Opposition ist, daß sie nicht zu sagen vermag, was verfehlt wurde und was gebessert werden soll. Sie kritisiert nicht — sie nörgelt. Sie begründet nicht und macht keine Vorschläge — sie ergeht sich in Redensarten. Solche Opposition hat die gegenwärtige Leitung der zionistischen Organisation in den letzten \\U Jahren häufig auf ihren Wegen gefunden. Bald suchte man der Leitung die Schuld in die Schuhe zu schieben, wenn manche palästinensischen Institute sich nicht so rasch und günstig entwickelten, wie wir alle es wünschten. Dabei vergaß man, daß diese Institute nicht von dieser Leitung geschaffen wurden, und übersah die Schwierigkeiten, die in der Arbeit selbst liegen. Statt positiver Ratschläge und aufrichtiger Mitarbeit fand die Leitung bei dieser, zum Glück auf wenige Personen beschränkten Opposition nur Mißtrauen und Vorwürfe. Insbesondere auf dem Gebiet der politischen Arbeit zeigte sich diese feindselige Kritik. Es ereigneten sich disziplinwidrige Versuche, über den Kopf der Leitung hinweg Politik auf eigene Faust zu treiben. Zur Entschuldigung wurde erklärt, die Leitung höre nicht auf die guten Ratschläge, die man ihr erteilte. In Wahrheit suchte das Engere Actions-Comite gerade diese Kritiker zur Mitarbeit heranzuziehen, erfuhr jedoch ständige Ablehnung und konnte mit aller Kunst nicht erreichen, daß diese „politische Opposition“ endlich einmal deutlich erklärte, was sie eigentlich wolle. Nur ein Vorschlag kehrte von dieser Seite immer wieder: das E. A C. solle die Führung der Politik einem „politischen Komitee“ übertragen). Darauf konnte die Leitung natürlich nicht eingehen. Es wäre ja der Ruin unserer Organisation, wenn die vom Kongreß gewählte und ihm verantwortliche Leitung die Führung der Politik einer Körperschaft übertragen würde,

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