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Die Welt · 1913-04-25 · 17 (25.4.1913) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
17 (25.4.1913)
Date
1913-04-25
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 17 541 DIESqEELT Amsterdam. Der Zionistische Studentenverein hielt Montag, den 14. April, eine interne Versammlung ab, in der Herr J. T a 11 einen Vortrag über „Rabbiner Samson Raphael Hirsch" hielt. Frankreich Eine Bllu-Feier in Paris (Von unserem Berichterstatter.) Paris. Der dreißigste Gedenktag der Bilu wurde seitens der Pariser Zionisten in festlicher Weise begangen. Die Versammlung, veranstaltet vom „Cercle des Etudiants Sion ist es" und geleitet von unserem Meister Dr. Nord au, war die größte zionistische und selbst jüdische Veranstaltung; die seit Jahren hier stattgefunden hat. Nahezu 1000 Personen drängten sich nach der „Salle Lanery". Als erster sprach Gg. Dr. Jacobson, der in schlichter, sachlicher Weise die Geschichte der Bilu-Pioniere vorführte: Den Anfang der Bewegung in Rußland, die hochfliegenden Pläne und Hoffnungen, die ersten Schwierigkeiten, die den Eifer nur anspornten, endlich die Uebersiedelung der kleinen Schar nach Palästina, wo sie statt des verheißenen Gartens nur Wüste und Sumpf antraf, wo sie jeden Fußbreit Landes mühsam erringen mußten. Ihr Mut und ihre Zähigkeit siegten über die Schwierigkeiten des Landes und die — Gleichgültigkeit ihrer Volksgenossen. Im kritischen Augenblick hatte Charles Netter sie am Werke gesehen, und von seinem Krankenbette, von dem er sich nicht mehr erheben sollte, sandte er einen Bericht nach Paris, der zur Folge hatte, daß Baron Edmund Rothschild die wackeren Pioniere unter seinen Schutz nahm, und so das große Werk der Bilu vor dem Untergang rettete. Nach diesen mit größter Spannung angehörten Ausführungen begrüßte Gg. Klauber im Namen der zionistischen Studentenschaft Deutschlands die französischen Kommilitonen. Aus den Reihen der hiesigen Studierenden sprach Gg. Jacobson in Jargon. Dr. Marmore k, der nun folgte, verglich die Fahrt der Bilu mit der der englischen Puritaner auf der „Mayflower", gleich denen sie die immerhin sichere und ruhige Heimat verließen, um einem ungewissen Schicksal entgegenzugehen. Unsere Hoffnung und unsere Aufgabe ist es, daß ihr Werk auch an Größe dem Werke jener Handvoll Leute gleiche, die den Grundstein des großen und mächtigen Staates von Nord- Amerika legten. Was die Bilu über die anderen Söhne des jüdischen Volkes, die sich mit Ruhm bedeckt haben, hinaushebt, ist der Umstand, daß sie für ihr eigenes Volk geschaffen und gelitten haben, daß sie endlich die seit Jahrhunderten einzige Tat der Geschichte des jüdischen Volkes geschaffen haben. Sie haben ihr Werk vollbracht, einfach, wie es Heroen geziemt; sie haben ihr Leben in den Dienst einer großen Idee gestellt, der Idee, die Herzl der Welt verkündet hat, nämlich: Palästina dem jüdischen Volke. Nach Dr. Marmorek sprach Gg. H o m e 1 s k i hebräisch, im Namen der zionistischen Studentenschaft, aus deren Reihen die Bilupioniere hervorgegangen sind. Als letzter ergriff Dr. Nordau das Wort, wie immer von stürmischem Beifall begrüßt. Auch er feierte den Heldenmut der kleinen Schar, die, klein an Zahl, den Vergleich mit der größten Expedition aufnehmen kann, wenn man die Summe des subjektiven Heroismus mißt. Er stellt die Bilu an die Seite der Größten unserer Geschichte, der um Esra, der um Bar - Kochba, die für die Besitzergreifung und Verteidigung des vaterländischen Bodens kämpften, weit über jochanan ben Sakkai, den gleichwohl großen, der „ein geistiges Zentrum“ in Jabne schaffen wollte. Das Werk der Bilu verdient besungen zu werden wie die großen Heldentaten im Anfänge der Geschichte der Völker, und wir erwarten noch den Homer, der die Iliade der Bilu in der rechten Weise besingt. Sie haben uns den Stolz gegeben, zu sehen, wie jüdische Männer im jüdischen Lande dank ihrer Ausdauer und ihres Idealismus die allergrößten Schwierigkeiten überwanden, um den Grundstein des Heimes des jüdischen Volkes zu legen. ,, „ , Mit dem Absingen der „Hatikwah" schloß die denkwürdige Versammlung. Paris. Im „College Libre des Sciences Sociales hielt im vergangenen Monat unser Gg. N. Slousch eine bene von Vorträgen über „Die Juden in Nordafrika". Im „Uercie des Etudiants Sionistes" hielt Herr Dr. Marmorek einen Vortrag über den „Ursprung des politischen Zionismus , der Gelegenheit zu einer angeregten Diskussion gab. Am Schlüsse der Sitzung übergab Frau Dr. Marmorek dem Verein einen Originalbrief H e r z 1 s, den dieser an sie richtete, als sie Vorsitzende der früher hier bestehenden zionistischen Studentenvereinigung war. — Seit einiger Zeit hat der „Cercle des Etudiants Sionistes" für seine Mitglieder auch einen Kursus für jüdische Geschichte eingerichtet, der vom Rabbinatskandidaten H. Algazi geleitet wird und sich einer zahlreichen Teilnehmerschaft erfreut. — Am 29. März veranstaltete derselbe Verein im Saale der „Societes Savantes" eine öffentliche Versammlung, in welcher Dr. Marmorek das Thema: „Politischer und praktischer Zionismus“ behandelte. Vor einem vollbesetzten Saale gab der Redner eine Geschichte der Zionsidee vor Herzl und seit Herzl; mit wenigen, charakteristischen Strichen schilderte er die Eigenart der einzelnen Epochen dieser Entwicklung, die ihren Höhepunkt in der Schaffung des modernen Zionismus als politische Bewegung erreichte. Die Unzulänglichkeit jedes anderen Programms sei nicht nur durch die geringen Erfolge der relativ mit großen Aufwendungen an Menschen wie an Geld arbeitenden Versuche vor dem Auftreten Herzls bewiesen, sondern offenbare sich ganz besonders heute, nachdem der offizielle Zionismus von den Ideen Herzls abgewichen sei, dadurch, daß der historische Moment, den wir soeben erlebten und der sich so schnell nicht wiederholen werde, für den Zionismus wie ein gewöhnliches Tagesereignis bedeutungslos vorübergegangen sei. An den Vortrag schloß sich eine heftige Diskussion. Dem sehr interessanten Abend wohnte auch Herr Dr. Nordau bei. Anmerkung der Redaktion: Es ist sehr bedauerlich, daß durch solche Reden, wie sie Herr Dr. Marmorek nach diesem Bericht gehalten hat, vollkommen irrige Ansichten über das Wesen der zionistischen Politik und die von der jetzigen Leitung inaugurierte politische Tätigkeit verbreitet werden. Herr Dr. Marmorek beschränkt sich seit längerer Zeit darauf, die Politik der Leitung zu befehden, ohne auch nur andeutungsweise zu verraten, was er selbst unter dem „politischen Zionismus" und dem „großen Moment“ versteht. Der Zionismus hat die Charteridee aufgegeben, nicht aber seine Ziele und seinen politischen Charakter. Wenn Herr Dr. Marmorek im einzelnen andere politische Wege empfiehlt als die jetzige Leitung einschlägt, so ist dies sein gutes Recht. Leider haben wir jedoch von ihm niemals einen konkreten Vorschlag vernommen. Am 5. April sprach im Verein „Mebassereth Zion" Gg. stud. Klauber (V. J. St.) über „Die Entwicklung der zionistischen Idee unter der jüdischen Studentenschaft in Deutschland". — Für denselben Abend hatte die hiesige Organisation der Poalei Zion eine große Versammlung einberufen, in der Gg. Zerubabel, Redakteur der „Haachduth" in Jerusalem, über „Die jüdische Arbeiterfrage in Europa, Amerika und Palästina" referierte. — Am 10. April veranstaltete die „Association des Jeunes Juifs" unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Melamed ein Protestmeeting gegen das Ritualmordmärchen im Beilisprozesse in Kiew, bereits das zweite, das in dieser Angelegenheit in Paris stattfand. Die Initiative, die gerade die „J. J." in dieser Frage entfalten, ist ein erfreuliches Zeichen für die Wendung in der Geistesrichtung der hiesigen jüdischen Jugend. Nizza. Hier hat sich seit kurzem eine zionistische Ortsgruppe gebildet, die eine eifrige Tätigkeit entfaltet. Die erste, der Propaganda gewidmete Versammlung fand unter dem Vorsitze von Mme. Bauer, M. Pallieres und M. Schwab, Konservator an der Nationalbibliothek, statt. Seitdem haben die rührigen Gesinnungsgenossen zwei weitere Versammlungen veranstaltet, in denen M. Pallieres, Dozent an der Universität in Lyon, über „Jehuda Halevy und der Zionismus" und die Frage: „Kann ein guter Franzose Zionist sein?"' zwei interessante Vorträge hielt. Auch für Schekel und Nationalfonds wird emsig geworben. England Manchester. Am 11. d. Mts. fand in der Junior Zionist Society unter dem Vorsitze von Mr. S. Wassi- 1 e v s k y eine " Diskussion über „Zionismus und Patriotismus" statt. Glasgow. Mr. J. Roussine hielt am 13. April für die Mitglieder der Young Ladies’ Zionist Society und der Young Men’s Zionist League einen sehr interessanten Vortrag über „Die zionistische Jugend und ihre Pflichten". Belfast. Die Jahresversammlung der Dorshei Zionist Society fand am 13. d. M. statt. Zum Präsidenten wurde Mr. J. B e r w i t z gewählt.

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