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Die Welt · 1913-04-18 · 16 (18.4.1913) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
16 (18.4.1913)
Date
1913-04-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 16 LT 505 Juden glauben, daß die Alliance eine in Paris wohnende Person sei, die hier Schulen unterhält. Der Zionismus ist ihnen aus Verleumdungen und Karikaturen judenfeindlicher Blätter bekannt. Von dem Kischinewer Pogrom erfuhren die hiesigen Juden einige Monate später, als eine arabische Zeitung zufällig darüber eine Notiz brachte. Noch schlimmer ist es natürlich um die Frauen bestellt, die außer ihren häuslichen Sorgen nur noch Putz und Schminke kennen. Hier wäre ein Arbeitsfeld für den „Frauenverband für Kulturarbeit in Palästina". Leider hat es dieser Verband auch im engeren Palästina bis heute nicht verstanden, die einheimischen Jüdinnen zur Mitarbeit heranzuziehen und so Kräfte zu wecken, die möglicherweise potentiell vorhanden sind. Almaliach sagt: „Man kann nicht ohne tiefen Schmerz über den geistigen Zustand der Juden in Damaskus reden. Diese Stadt, die von Palästina, beispielsweise von Haifa, nur eine Tagereise entfernt ist, wie weit steht sie in geistiger Beziehung zurück! Dort in Palästina fühlt der Jude sich sozusagen zu Hause. Am Sabbat und an den Feiertagen weht einem allenthalben der Hauch religiöser Weihe entgegen: Kein Handel, kein Wagenverkehr, alles Gewerbe ruht. Auf den Straßen gibt es Affichen in hebräischer Sprache über die verschiedensten Angelegenheiten. Selbst auf den Schildern der nichtjüdischen Geschäfte finden sich hebräische Worte, ln den Versammlungen erklingt die hebräische Sprache, die nicht bloß im Munde der Schuljugend lebt. Hier aber in Damaskus, wo noch vor nicht allzulanger Zeit das Talmudstudium in höchster Blüte stand, hier in einer Stadt, die mehr Juden als Jaffa, Haifa, Hebron und Tiberias zählt, hier fühlt der bewußte Jude sich fremd und vereinsamt, ln der ganzen Stadt ist kein hebräischer Buchstabe zu sehen. Selbst die Einladungen zu Hochzeiten usw. werden in arabischer Sprache gedruckt. Die Handelsbücher der Juden, die Familien- und Freundschaftsbriefe sind arabisch geschrieben. Die arabische Sprache herrscht selbst in der Synagoge und bei der Abfassung eines — Scheidebriefes vor. Gott sei Dank, daß die Gebete noch nicht arabisch sind.“ Ein eigenes, tieftrauriges und demütigendes Kapitel bildet die jüdische Prostitution in Damaskus. Dies ist eine lokale Spezialität, über deren Entstehung noch wenig bekannt geworden ist. Es fällt schwer, im Rahmen dieses Aufsatzes ausführlich über diese traurige Erscheinung zu sprechen. Nur soviel sei gesagt, daß der Chachambaschi in seinem energischen Kampfe gegen die Ausbreitung dieses Hebels die Hilfe der lokalen Behörden nicht gefunden hat . . . Trotzdem gelang es ihm, gewisse Erfolge zu erzielen. Wenn irgendwo, so wäre die Tätigkeit einer jüdischen Frauenorganisation hier am Platze. Freilich müßten alle Versuche zur Besserung bei der Erziehung der jungen Generation einsetzen. Vorläufig besuchen die Kinder der Wohlhabenden christliche, zum Teil reine Missionsschulen. Die Alliance unterhält hier seit 1SSQ eine Knaben- und seit 1883 auch eine Mädchenschule, die beide zusammen von etwa 350 Kindern besucht werden. Hebräisch wird pour la forme unterrichtet und demgemäß ist auch der Erfolg. Selbst die Mädchen werden in dieser rein arabischen Stadt französisch gedrillt, was für sie nicht einmal itfusbnschen Wert hat. ' " Für die männliche Jugend ist die französische Sprache ein Mittel zur Auswanderung. Nach Almaliach sind in den letzten drei Jahren ca. 1500" junge Leute nach Amerika ausgewandert, da sie mit dem bißchen Französisch in Damaskus ihr Fortkommen nicht finden können. Die französische Schule der Alliance versagt also sowohl in praktisch-materieller als auch in national-ideeller Hinsicht. So das-Bild, das Almaliach in seinem Büchlein „Die Juden in Damaskus" entwirft. Dieses Büchlein ist im Verlag „L Am (Fürs Volk) in Jaffa erschienen. Auf seine Lektüre seien alle diejenigen hingewiesen, die für das Schicksal unserer versprengten Volksteile Interesse haben. Kleine Nachrichten Der Vorstand, der deutschen. Palästina-Bank veröffentlicht einen Bericht über das Jahr 1912, aus welchem hervorgeht, daß trotz des Krieges die palästinensischen Niederlassungen befriedigend gearbeitet haben. Von irgendwelchen bedeutenden Verlusten sind sie ebenso wie die Anglo-Palestine Company verschönt geblieben.. Daß dies trotz des nun fast zwei Jahre anhaltenden krisenhaften Zustandes möglich war, ist wieder ein Beweis für die günstige wirtschaftliche Entwicklung Palästinas in den letzten Jahren. „Der Bruttogewinn des Jahres 1912 beläuft'sich . . : auf 3 264.342.01 Mark gegen 2 789 729.06 M. im Vorjahre. Nach Abzug von Gehältern, Mieten, Steuern usw. in Höhe von 823 493.24 M. verbleibt ein Reingewinn von 2 441 348.60 M., dessen Verteilung wir wie folgt beantragen: 7"/o Dividende, Rückstellung zum Reservefonds II 600 000 M. — Dotierung des Beamten- Unterstützungsfonds 25 000 M. — Abschreibung auf Mobilien 43 790 M. - Tantiemen an Aufsichtsrat, Vorstand und Beamte 224 118 M. — Vortrag auf neue Rechnung 148 440.54 M.“ Die Zweiglinie der Hedschasbahn Aphule (Merchawja) — Djenin ist dieser Tage in Betrieb gesetzt worden. Kürzlich sind in Haifa englische Ingenieure, die Bohrungen nach Erdöl im Jordantal ausführen sollen, mit ihren Apparaten eingetroffen. Mit Unterstützung der deutschen Palästinabank wurden in Haifa deutsche Sprachkurse für die Eingeborenen errichtet. Zirka 90 Personen haben sich als Teilnehmer gemeldet Für das kommende Pessachfest werden in Jerusalem viele ausländische Gäste erwartet, die am Chol-Hamoed zu den Festspielen nach der Kolonie Rechoboth reisen werden. Vom jüdischen Technikum in Haifa Im Aufträge des jüdischen Instituts für technische Erziehung in Palästina reist der Direktor dieses Instituts, Herr Dr. A. Finkeistein, am 15. April, nach Haifa, um dort an Ort und Stelle die nötigen Vorbereitungen zu treffen für die Fortführung der Bauten und für die etwa in einem Jahre zu erwartende Eröffnung des Instituts. Verein jüdischer Ingenieure (Ein Vorschlag.) ln der letzten Versammlung der „Gesellschaft zur Erforschung Palästinas“’ konnte ich mit Freude konstatieren, daß man von verschiedenen Seiten daran geht, der zionistischen Organisation durch Fachvereine hilfreich zur Seite zu stehen. So haben sich die jüdischen Aerzte und Naturforscher in einem Fachverein gefunden, der segensreich zur Sanierung des Landes wirken will. Es ist aber auch an der. 'Zeit, daß die jüdischen Techniker, die doch so zahlreich auf allen Gebieten der Industrie und des Bauwesens tätig sind, sofern sie es mit der zionistischen Bewegung ernst meinen, sich in einem Fachverein zusammenfinden. Wir. wissen ja alle, daß die Zukunft Palästinas nicht nur auf dem Gebiete der Landwirtschaft, sondern auch auf dem der Technik liegt, und schon der Bau des Technikums in Haifa zeigt uns, nach welcher Richtung man zu wirken bestrebt ist. Die zionistische Organisation und auch die Gesellschaft zur Erforschung Palästinas würde die Gründung eines solchen Fachvereins gewiß mit Freude begrüßen. Der Verein würde sich in erster Linie die Aufgabe stellen müssen, zu untersuchen, welche technischen und industriellen Möglichkeiten in Palästina vorhanden sind. Gerade jetzt, da der Häuserbau in Palästina aktuell geworden ist, wären jüdische Techniker dazu berufen, zu dieser Frage Stellung zu nehmen. Ich bitte daher alle Gesinnungsgenossen, die für die Angelegenheit Interesse haben» mir ihre Adresse einzusenden. . Diplom-Ingenieur. S. Mat es,.. - Berlin W 50, Augsburger Straße 74.

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