Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 15 (11.4.1913)
- Date
- 1913-04-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 - DIEX&ELT: 475 Nach dem Vorwort finden wir eine Abhandlung über „Sinn und Zweck der jüdischen Familienforschung“ von Paul Josef Diamant, dem Begründer der Zeitschrift, die, auf die ältesten Ansätze einer jüdischen Genealogie zurückgehend, alle Mängel methodischer Art aufdeckt, unter denen diese bis ins letzte Viertel des 19. Jahrhunderts litt. Sehr interessant ist insbesondere, was Diamant über die Evidenzhaltung der Täuflinge ausführt. „Die Nachkommenschaft solcher (durch erzwungenen oder freiwilligen Abfall dem Judentum verlorener) Täuflinge — wenigstens für die letzten 200—300 Jahre — zu ermitteln und in Evidenz zu führen, ist trotz vielfacher Schwierigkeiten möglich . . „Wir versprechen uns von dieser Evidenzhaltung der Täuflinge auch einen heilsamen Einfluß auf diejenigen, die heute auf dem Sprunge zum Abfall stehen. Denn gar mancher wird erkennen, daß seine Absicht, für sich und seine Nachkommen dem Judentum zu entrinnen, vergeblich ist, da die genealogische Forschung diese Absicht vereiteln kann, wie sie es bei den Marannen früherer Zeiten getan hat." Ich selbst glaube, daß die Familienforschung auch in anderer Hinsicht von praktischem Nutzen sein kann. Sie wird uns belehren über die regen verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen Ost- und Westjuden, denn sie wird nicht umhin können, die zahlreichen Verbindungen, die gerade die vornehmsten jüdischen Familien des Ostens und Westens im 16. und 17. Jahrhundert miteinander eingegangen, aufzudecken. Aus dem reichen Inhalte der ersten Nummern seien folgende Artikel hervorgehoben: Grunwald: Zur Geschichte der Familie Teixeira — die Deszendententafel der Familie Isak Wertheimers, des Enkels des Oberhoffaktors Samson W. — Wie Kaiser Wilhelm II. und Bernhard Dernburg miteinander verwandt sind, von Dr. Stephan Kekule von Stradonitz. — Das Testament der Baronin Leonore Wetzlar, die Deszendenz des Karl Abraham Freiherrn Wetzlar von Plankenstem (mit Illustrationen und genealogischen Tafeln) von Dr. B. Wachstein. — Das Diplom eines jüdischen Arztes aus dem Jahre 1695, von Dr. Ign. Schwarz. — Die Memoiren des Simeon v. Geldern, Heinrich Heines Großoheim. — Ein Graf Palffysches Privilegium für einen Vorfahren der Leiderdorfs und der Freiherrn von Neuwall (mit 2 Porträts), von Diamant. — Jüdisches Museumswesen. Interessante Miszellen und Bücherbesprechungen beschließen das Heft. In der nächsten Nummer wird u. a. eine Würdigung des für die Genealogie hochbedeutsamen Werkes Wadisteins „Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wien" erscheinen. Die Zeitschrift sei in jeder Richtung der Förderung bestens empfohlen. Prag. S. H. Lieben. Vom Kriegsschauplätze der israelitischen Religionswissenschaft. Eine gemeinverständliche Schilderung der Kämpfe auf dem Gebiete der modernen Bibel Wissenschaft. Von Dr. Sigmund Jampel. Frankfurt a. M. Verlag J. Kauffmann. Teil I 1909, Teil II 1912. Es sind Volksschriften im besten Sinne, die hier angezeigt werden sollen. Jampel berichtet objektiv von den Resultaten der modernen Bibelwissenschaft und weist an der Hand dieser Resultate nach, wie wenig die zersetzende Bibelkritik bisher imstande war, die Fundamente unserer Bibel zu erschüttern. Die Methode, die Jampel dabei einschlägt, ist die, daß er eine Uebersicht über die verschiedenen Theorien der bibelkritischen Schulen gibt und die eine durch die andere widerlegen läßt. Die älteste bibelkritische Schule, zu der Wellhausen mit seinen zahlreichen Anhängern gehört, ist in starren Dogmatismus verfallen und sucht die Religion Israels, unbekümmert um die Ergebnisse der neueren vergleichenden Religionswissenschaft, einzig und allein aus dem Arabismus zu erklären; ihr ist die Religion Israels etwas allmählich durch Aufwärtsentwicklung Entstandenes. Gründlicher als durch eine Kritik ihrer höchst anfechtbaren Methoden wird diese Schule durch die Forschungen auf dem Gebiete der altbabylonischen Kultur widerlegt. Diese Forschungen riefen nun eine „panbabyIonische" Richtung hervor, der alles Heil von der alten babylonischen Ölkultur zu kommen scheint. Nur ist den Anhängern dieser Schule die babylonische Urkultur etwas so unfaßbar Großes, daß sie von der geschichtlichen Zeit an (ungefähr 3500 v. Chr.) nur einen Verfall konstatieren zu können glauben und darum in Israels Religion etwas nach abwärts Entwickeltes erblicken. Zwischen diesen beiden diametralen Gegensätzen sucht Bäntsch, ein Schüler Wellhausens, zu vermitteln und zwar hauptsächlich in der Erkenntnis, daß der Monotheismus Israels sich wesentlich von dem der Babylonier unterscheide, daß aber andererseits Anklänge an die babylonische Urkultur sich nicht von der Hand weisen lassen. Scharf bekämpft werden die Wellhausenschen Theorien von der jüngsten bibelkritischen Schule, von der positiven Richtung, die es vor allem nicht gelten lassen will, daß es jemals in Israel eine prinzipielle Scheidung zwischen Volks- und Prophetenreligion gegeben habe. Im zweiten Teile berichtet Jampel unter dem Titel „Die neuesten Aufstellungen über Moses und sein Werk" über das große Werk Eduard Meyers „Die Israeliten und ihre Nachbarstämme" und wendet sich dann im Aufsatze „Neueste exegetische Methoden“ den jüngsten Bibelexegesen zu. Vor allen anderen wird die astralmythologische Methode abgetan, die in ihrer ganzen Unzulänglichkeit von dem Jesuiten Kug- 1 e r aufgedeckt wurde, dann die sonderbare Gilgameschmanie. Harmloser als diese Methoden ist die arithmetische Methode, die von zwei Forschern angewendet wird, von Jacob in seiner Schrift „Die Abzählung in den Gesetzen der Bücher Levitfcus und Numeri" und von Goldberg in dem Buche „Der Pentateuch ein Zahlengebäude“. Außerordentlich aufschlußreich ist die letzte Abhandlung Jampels über die neuen Papyrusfunde in Elephantine. Hier konnte nicht viel mehr als eine Inhaltsangabe der Jampelschen Schriften gegeben werden; es sei aber jedem, der sich für Bibelwissenschaft interessiert, angelegentlich empfohlen, diese Schriften eingehend zu lesen. Prag. S. H. Lieben. Schloß des redaktionellen Teiles Eingegangen bei der Administration der „Welt“: Für das Mikrobiologische Institut: Johann Kremenezky, Wien „Vergesset nicht das Mikrobiologische Institut" Kr. 10.— M. 8.40 Für den Bezalel: Wilhelm Dubiner, Leipzig.JL 5.35 Bei dem Jewish Colonial Trust, London sind eingegangen: Für den Bezalel: per J. N.-F. - Bureau for Amerika N. Y.S 8.— „GOLD” SCHOKOLADE „GOLD ” KAKAO