Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 15 (11.4.1913)
- Date
- 1913-04-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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472 Nr 15 DIESqKLT An die Freunde und Mitglieder des Vereins „Bezalel“! Die Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem hat sich in den 7 Jahren ihres Bestehens in außerordentlicher Weise entwickelt. Sie beschäftigt in zwei großen Häusern in Jerusalem sowie in einer kleinen ländlichen Kolonie etwa 400 jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen in Teppichknüpfen, in Filigran-, Damaskus-, Treib- und Batik-Arbeiten, sowie in Kunstschnitzerei und Tischlerei. Es konnten im vorigen Jahre für 135 000 Frcs. Arbeitslöhne ausgezahlt werden und es wurden für 250000 Frcs. Waren hergestellt, d. h. 100 000 Frcs. mehr als im Jahre vorher. Die Zeit ist jetzt gekommen, den fabrikatorischen Betrieb von der eigentlichen Schule zu trennen und selbständig zu einem wirtschaftlichen Unternehmen auszugestalten. Ein kürzlich zur Begutachtung nach Jerusalem entsandter erfahrener Kaufmann glaubt, falls die Fabrik mit genügenden Betriebsmitteln ausgestattet wird, ein reelles und rentables Geschäft verbürgen zu können. Er macht sich in diesem Falle anheischig, das Unternehmen auf eine gesunde kaufmännische Grundlage zu stellen. An die Uebemahme der kaufmännischen Leitung stellt er aber die ausdrückliche Bedingung, daß das bisher noch fehlende Betriebskapital von mindestens 150000 Francs baldigst aufgebracht wird. Daß es an Absatz für die in Jerusalem hergestellten Waren des Bezalel nicht fehlt, geht schon daraus hervor, daß der Leiter der russischen Vertriebsgesellschaft des Bezalel berichtet, er könne, wenn er nur genügend von den verlangten Waren bekommen würde, den Umsatz in der nächsten Zeit bis auf 500 000 Frcs. im Jahre bringen. Dazu kommen noch kleinere Vertriebsgesellschaften in Galizien und Rumänien, sowie die durchaus nicht mehr unbedeutenden Umsätze der größeren Verkaufsstellen, wie Wertheim, Berlin; Wronker, Frankfurt a. M.; Liberty, London; denen sich in der nächsten Zeit noch zahlreiche andere angliedern werden, mit denen schon Verhandlungen schweben. Außerdem sind fortgesetzt in den verschiedenen Ländern Ausstellungen mit guten finanziellen Resultaten im Gange. Die Zukunft der Betriebsgesellschaft erscheint auch schon dadurch hinreichend verbürgt, daß eventuelle Defizite der ersten Jahre durch die etwa 80000 M. betragenden Jahreseinnahmen des Vereins Bezalel gedeckt werden können, wie dies ja auch bisher geschehen ist. Von den benötigten 150000 Frcs. ist über die Hälfte schon fest zugesichert, den Rest suchen wir dadurch aufzubringen, daß etwa 200 der Mitglieder und Freunde des Bezalel ihre Jahresbeiträge kapitalisieren, indem sie durch einmalige Zahlung von 300 M. die immerwährende Mitgliedschaft des Vereins erwerben. Selbstverständlich steht es ihnen auch frei, durch Zeichnung von mindestens 500 M. einen Geschäftsanteil der zu gründenden Gesellschaft zu erwerben und dadurch ein Anrecht an die eventl. zu verteilenden Dividenden zu erlangen. Auch Spenden von beliebiger Höhe sind natürlich gleichfalls erwünscht. Wir erwarten von den vielen Freunden unseres Vereins, daß sie sich alle nach Kräften in der einen oder anderen Weise an dem gemeinnützigen Werke beteiligen, denn der Betrieb des Bezalel ist schon jetzt das bei weitem bedeutendste und größte wirtschaftliche Unternehmen Jerusalems und man kann sagen, auch das einzige, dem es gelungen ist, dadurch, daß es vielen Hunderten von Armen Brot und Verdienst gibt, einen großen Teil der Bevölkerung dem erniedrigenden Einfluß der Chalukah zu entziehen. Wir erwarten diese tatkräftige Unterstützung um so mehr, als sie eine Lebensfrage für die fabrikatorische Tätigkeit des Vereins ist, da die Mitgliedsbeiträge infolge der schnellen Ausdehnung des Betriebes bei weitem nicht mehr ausreichen, um mit den stark wachsenden pekuniären Erfordernissen desselben Schritt zu halten. Der Bezalel kann nur dadurch vor folgenschweren Stockungen bewahrt bleiben, daß jeder seine Schuldigkeit tut, damit die Betriebsgesellschaft möglichst bald gegründet und dadurch der Betrieb auf eine sichere kaufmännische Basis gestellt werden kann. Geldsendungen nimmt entgegen: der Schatzmeister des Vereins Herr Bertrand Hamburg, Berlin W. 15, Bleibtreustr. 34/35 (Deutsches Postscheck- Konto Nr. 4060, Oesterreichisches Postscheck-Konto Nr. 50 318). Bankkonto des Vereins: Direktion der Disconto-Gesellschaft, Depositenkasse Unter den Linden 11. Vorstand und Ausschuß des Vereins „Bezalel". Jüdischer Kulturfonds Kedem Das vorbereitende Komitee des Jüdischen Kulturfonds Kedem hielt in letzter Zeit mehrere Sitzungen ab, an denen auch der Stifter des Fonds, Herr Feldstein, teilnahm. Herr Feldstein beabsichtigt, eine Studienreise nach Palästina zu unternehmen, um die Bedingungen und Erfordernisse für eine gedeihliche Tätigkeit des Kulturfonds persönlich an Ort und Stelle kennen zu lernen. Leider hat ihn eine plötzliche Erkrankung verhindert, sein Vorhaben schon jetzt auszuführen. Herr Feldstein befindet sich gegenwärtig in einem Berliner Sanatorium und wird sogleich nach seiner Genesung die Reise nach Palästina antreten. Die Basler Lebensversicherungsgesellschaft und die zionistische Organisation Bekanntlich hat das Actions-Comite der zionistischen Organisation Ende 1011 mit der Basler Lebensversicherungsgesellschaft einen Vertrag abgeschlossen, demzufolge die genannte Gesellschaft eine jüdische Abteilung einrichtete und sich verpflichtete, der zionistischen Organisation aus den mit Juden aller Länder abgeschlossenen Versicherungsverträgen eine Reihe genau stipulierter Vergünstigungen zukommen zu Die erste Abrechnung mit dem A. C. auf Grund des „Zionistenvertrags“ hat nun am 1. April d. J. stattgefunden. Sie ergab, daß die Basler Lebensversicherungsgesellschaft der zionistischen Organisation für das erste Vertragsjahr 1012 den Betrag von 3788,05 M. schuldet. Dieser Betrag ist dem Actions- Comite ordnungsgemäß überwiesen worden. Es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß auch die in der jüdischen Abteilung der „Basler" versicherten Personen eine Reihe vertragsmäßiger Vergünstigungen genießen. Der zionistischen Organisation steht auch jederzeit das Kontrollrecht über den Stand der jüdischen Abteilung zu. Den Interessenten erteilt das Zionistische Zentralbureau sowohl als auch die Basler Lebensversicherungsgesellschaft auf Wunsch eingehende Auskunft. (Vgl. auch das Inserat der „Basler".) Deutschland Organisation für hebräische Sprache und Kultur Am Sonntag, den 13. April, 5 Uhr nachmittags, findet im Sitzungssaal des Zionistischen Zentralbureaus, Berlin, Sächsische Straße 8, eine Versammlung der „Organisation für hebräische Sprache und Kultur" statt. In Anbetracht dessen, daß die Zentrale der Histadruth der wachsenden hebräischen Bewegung in Deutschland nur durch eine entsprechende Reorganisation der deutschen Abteilung der Histadruth gerecht werden kann, wird die Versammlung eine konstituierende für Deutschland sein, in der diese Reorganisation vorgenommen und über die verschiedenen praktischen Möglichkeiten der hebräischen Arbeit in Deutschland (hebräische Kurse, Kindergärten, Sprachklubs: usw.) verhandelt werden soll. Organisationsmitglieder und alle, die aktives Interesse für die Förderung des modernen Hebräisch in Deutschland haben bzw; mit praktischen Einzelarbeiten sich befassen wollen, werdenhöfh gebeten, an der Versammlung teilzunehmen.