Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 14 (4.4.1913)
- Date
- 1913-04-04
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 14 438 _ _- _ ■*- DIE2§EELT REVUE DER PRESSE Gelegentlich eines Vortrages über die „Jüdische Kolonie in Elephantine im 5. Jahrhundert v. Chr.“, welchen Th. Reinach, der frühere Vizepräsident der A. I. U., unlängst hielt, richtet „L’Univers Israelite“ einen ziemlich heftigen Angriff gegen die Person des Vortragenden. Das Blatt schreibt: „Man sieht, wenn Reinach die Wahl zwischen zwei Hypothesen hat, so wählt er diejenige, welche den Juden ungünstig ist, und er übt die Kunst, zwischen den Zeilen zu lesen, wenn es zu ihrem Nachteile ist. Seine Interpretationen ermangeln der Billigkeit, sie sind sichtlich tendenziös. Man hatte den Eindruck, daß der ganze Vortrag in einem Tone „von oben herab“ gehalten wurde, notwendig jedenfalls, um sich vor Parisern ein Thema aus der jüdischen Geschichte erlauben zu dürfen. Es gab dies dem Vortragenden den Anschein der Ueberlegenheit, zugleich aber auch der — Gleichgültigkeit. Herr Reinadh, der ein großes Wissen und ein gutes Herz besitzt, ist imstande, mit Buddhisten, Babisten und Schamanisten zu sympathisieren, möchte aber beileibe keine Schwäche für die Juden bekunden oder eine Gelegenheit Vorbeigehen lassen, für ihre Gegner Partei zu nehmen.“ Vom April d. Js. ab wird in Paris die „Revue fiebraique“ unter Leitung unseres Gesinnungsgenossen Nahum Slousch wieder erscheinen. Diese Vierteljahresschrift wird in französischer resp. englischer Sprache Aufsätze über die neuhebräische Literatur, sowie Berichte und Notizen über alle Erscheinungen in hebräischer, jüdisch - deutscher und spaniolischer Sprache bringen. Eine spezielle Rubrik wird der jüdischen Folklore, eine andere der jüdischen Presse aller Sprachen gewidmet sein. Schließlich wird eine Beilage Originalbeiträge in hebräischer Sprache bringen. Das jüdische „Tagblatt“ in Lemberg enthält in Nr. 52 ein Interview mit Adolf Stand, in dem er seiner Zufriedenheit mit dem Verlauf der letzten A.-C.-Sitzung Ausdruck gibt. Die Nr. 54 bringt ein Gespräch mit M. M. Ussischkin über unser Kolonisationswerk in Palästina, das die Wichtigkeit der Bodenkäufe und der Aktion für Jerusalem hervorhebt. Dieselbe Nummer enthält die Fortsetzung der Geschichte des galizischen Chassidismus von Isak Eben. Diesmal wird die Czortkower Rabbi-„Dynastie“ behandelt. In Nr. 9 unseres polnischen Bruderblattes „Wschöd“ bespricht Dr. M. Schmorak den österreichischen Entwurf eines Auswanderungsgesetzes. — Nr. 10 enthält eine Beleuchtung des Projektes der Landtagswahlordnung von Moses Frostig und ein Interview mit Dr. Adolf Friedemann, in dem er sich über die Richtlinien der zionistischen Politik und die Tätigkeit des E. A. C. äußert. — Als monatliche Beilage des „Wschöd“ ist die erste Nummer der „Stimme der jüdischen Frau" erschienen. Geber das Programm schreibt Cecylie Kuhmerker, das Problem der nationalen Erziehung jüdischer Mädchen behandelt Betty Feuermann. Die polnische Monatsschrift für die Jugend „Moriah“ hat sich unter der Redaktion von Dr. Adolf Rotfeld zu einer ernsten Zeitschrift für jüdische Wissenschaft, Kunst und Literatur entwickelt. Nr. 3 bringt Abhandlungen von Dozent Dr. M. S c h o r r (über ein jüdisches Archiv in Aegypten vom V. vorchr. Jahrhundert) und von Dr. H. Sterner (über den jüdischen Scouting). Nr. 4 enthält u. a. folgende Aufsätze: Dr. M. Ehrenpreis: Der Zionismus nach dem Balkankriege; Dr. A. N o s s i g: Für Palästina; Dr. L. Reich: Moses Heß; Ing. J. Avin: Hermann Struck: Hermann Struck: Geber jüdische Kunst. In Nr. 5 finden wir u. a. Artikel von Dr. E. F. Waschitz (Inter arma), M. Jahrblum (Der Judenboykott und die Polen), A. Hartglas (Das Rassenproblem im Lichte der Zollschantheorie). Das Märzheft der in New York im VI. Jahrgang erscheinenden jiddischen Monatsschrift „Der Jüdische Farmer" enthält u. a. Abhandlungen über Erbeerpflanzungen, Geflügelzucht, chemische Stoffe zur Verbesserung des Bodens, Tabakkultur und Pferderassen sowie eine ausführliche landwirtschaftliche Chronik. Diese bringt bemerkenswerte Angaben aus dem letzten (dreizehnten) Jahresbericht der „J e w i s h Agricultural and Industrial Aid Society“, die den „Jüdischen Farmer“ herausgibt. Danach beschränkt sich die Tätigkeit der Gesellschaft nicht allein auf die materielle Gnterstützung der jüdischen Farmer in Amerika, sondern sie sucht auch für ihre Ausbildung und ihren organisatorischen Zusammenschluß zu wirken. Die Entwicklung ihrer Leistungsfähigkeit erhellt aus der Tatsache, daß die Gesellschaft im ersten Jahre ihrer Existenz nur 39 Darlehen im Betrage von zusammen 14 425 Doll, bewilligen konnte, während sie im Jahre 1912 390 Darlehen im Gesamtbeträge von 238 323 Doll, gewährt hat. Während ihres dreizehnjährigen Bestandes verausgabte die Society in Darlehen 1 494 437 Doll. Darauf wurden ihr zurückerstattet 369 532 Doll. Kapital und 109 098 Doll. Zinsen, wovon auf das Jahr 1912 86 590 Doll. Kapital und 23 884 Doll. Zinsen entfallen. Die Tätigkeit der Gesellschaft erstreckt sich auf 28 Staaten, außer Kanada. Die nationale Bewegung unter der ostjüdischen Studentenschaft in. Westeuropa hat zur Gründung einer neuen akademischen Zeitschrift in jüdischer Sprache geführt, die in Gent (Belgien) unter dem Namen „Der Jüdische Student" monatlich erscheint und von cand. ing. J. Lifschitz und J. Podruschnik redigiert wird. Das Doppelheft Nr. 2/3 dieses Organs enthält u. a. folgende Beiträge: J. Lifschitz: Die jüdische Studentenbewegung in Westeuropa; J. Aronsohn: Die Stellung der Judenfrage; J. Podruschnik: Dr. Chajim Schitlowsky; A. Popziewsky: Jüdische Studenten für das jüdische Volk; M. Schaschkes: Einige Worte über die Boykottbewegung in Polen; Gedichte und Skizzen von A. Cb. Scheps, Joli, A. Ch. Bielinsky, J. Prepliuk usw.. ferner Berichte über die jüdischen Studentenkolonien in Lüttich, Gent, Zürich und Bern und eine Studentenchronik. Die Beiträge sind zum Teil von allgemein-literarischem Werte. Das zweite Heft der gediegenen Monatsschrift „Die Jüdische Welt“ ist vornehmlich belletristisch-künstlerischen Inhalts. Es enthält den Schluß des Poems: „Die Zerstörung Jerusalems“ von Asch, den zweiten Akt des Schauspiels: „Die Familie“ von Nomberg, zwei Erzählungen von Berge I s o h n und Reubefii sowie Gedichte von Schwarzmann, Teitsch und S c h n e i u r. Einen Beitrag von köstlicher Ironie liefert Berdyczewski: „Das messianische Zeitalter.“ In vier Abschnitten werden darin die Vorstellungen verschiedener Gruppen des Judentums von der Glückseligkeit der messianischen Verheißungen gezeichnet. Außerdem enthält das Heft u. a. den Schluß von Nigers Essay über den Dichter David Einhorn, die Fortsetzung von Z i n - bergs Aufsatz: „Der Kol Mewasser und seine Zeit“ und Martin Bubers Vortrag: „Judentum und Menschentum."