Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 12 (21.3.1913)
- Date
- 1913-03-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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382 Nr. 12 DIE3§KELT Marko Baruch jagte wie ein Besessener aus einem Land in das andere, kometengleich überall eine Spur hinterlassend. Im Verlauf einiger weniger Monate finden wir in seinem Notizbuche folgende Etappen verzeichnet: Rom, Florenz, Port Said, Alexandria, Philippopel, Kapri, Sofia, Berlin, Genf und Antwerpen. Er besaß zwar Bewunderer, aber keine Parteigänger, die mit ihm durch dick und dünn gingen. So lange er seine bezaubernden, beredt-fordernden, siegesgewissen Blicke auf seinem Gegenüber ruhen ließ, schien man ihm zuzustimmen, seine Sache zu der eigenen machen zu wollen. Aber kaum aus den Augen, trat die Nüchternheit wieder in ihr Recht und man hatte für ihn nur noch das Wort „Phantast" übrig. Er konnte keine Jünger haben, denn er war gleichsam aus einer anderen Zeit, mutterseelenallein, von den Flammen unbefriedigter innerster Leidenschaft verzehrt, überflüssig, überzählig — eine komische Figur. Da pflegte er wohl — schon als ein Kranker — zu einfachen gewöhnlichen Menschen zu gehen und vor ihnen seine wirren, wie im Traum erzeugten Reden zu führen. Er war schon dankbar, wenn man ihm zuhörte, wenn man Absinth und eine Menge Zigaretten vor ihn hinstellte. Er aß sehr wenig. Krank war er und litt an Verfolgungswahn. Wollte es ihm nicht gelingen, seine Ideale zu verwirklichen, so mochte man ihn immerhin wie einen gefährlichen Menschen, wie einen Abruzzenhäuptling als vogelfrei verfolgen. Einer seiner Florentiner Bekannten hatte einmal den Einfall, ihm eine offene Postkarte mit folgender Adresse zu senden: II Comediante Marco Baruch Fiorenza. Dies Wort „il Comediante" machte auf den unsteten Wanderer einen besonders tiefen Eindruck; er photographierte diese Aufschrift und schickte sie einem Freunde nach Berlin. Dieser möge ihm, um Himmels willen, den gräßlichen Sinn der Worte deuten! Sogleich, sofort möge er ihm Bescheid geben. Und schon erscheint Marko Baruch eines schönen Morgens selbst in Berlin, um sich die Antwort zu holen. In diesen Tagen seines Niederganges bot er einen bejammernswürdigen Anblick. Er wurde zum Alkoholiker, irrte umher, büßte das für ihn besorgte Stipendium ein, da er schließlich unmöglich, das heißt: immer elender wurde. Von seiner einstigen Schönheit blieb kaum noch ein Schatten übrig. Er lebte nur noch von den Resten seines inneren Feuers. Er verbrannte, indem er zuletzt noch alles um sich idealisierte und mit dem Abglanz seines Lichtes erleuchtete. Die Schwester seines Freundes, des Sozialisten Pietro Rabbazani, ein harmlos simples Geschöpf, nennt er Mirjam. Ja, diese Mirjam ist seine Angebetete. Von Sehnsucht, Angst und Sorgen zerwühlt, macht er seinem Leben durch Selbstmord vor dem Hause seiner Königin ein Ende. In Wahrheit war sie eine arme Näherin, die ihren Anbeter vielleicht noch weniger, als alle anderen begreifen konnte. Wer war Marko Baruch? — Ein anachronistisches Mißverständnis? . . . Er huschte wie von ungefähr durch die ganze jüdische Welt und hinterließ überall — in Bern wie in Kairo, in Berlin wie in Sofia — das Gefühl der Verwirrung und Unruhe. Den einen schien er ein Abenteurer, den anderen vom Stamme des Propheten. Wer immer eines Tages in sein geistiges Erbe tiefer einzudringen versucht, der wird erkennen, daß in seiner Seele das heilige Feuer des Heldentums loderte. Marko Baruch war ein Held ohne Verwirklichung, ein Heros ohne heroische Tat. Menachem Birnbaum, der mit seinem Buchschmuck zum „Hohenlied" viel Anerkennung fand, hat in Gemeinschaft mit seinen Brüdern ein Atelier für künstlerische Reklame eröffnet, das sich mit der Herstellung von Original- Zeichnungen für Inserate, Plakate, Prospekte, Reklamemarken, Familienanzeigen,. Einladungen, Briefköpfen, Visitenkarten, Ex Libris usw. beschäftigt. Wir können unseren Lesern das junge Unternehmen empfehlen. Schluß des redaktionellen Teiles Für den „Verein zur Unterstützung des hebräischen Gymnasiums zu Jerusalem“ sind bei dem Unterzeichneten folgende Beträge eingelaufen: 1. Spenden: Gesammelt durch Herrn Adolf Böhm, Wien: Kaiserl. Rat Karl Hirsch, Wien Kr. 100.—, Dr. Alfred Lanzer, Wien 13.—, Dr. Emil Krasny, Wien 15.—.zus. Kr. 130.— — Jk 110.50 Julius Simon, Mannheim.„ 50.— I. B. M., Berlin.., 200.- Dr. Hans Gideon Heymann, Berlin.,, 200.-- Dr. A. Eliasberg, Berlin.,, 50.— Herr Naiditsch, Moskau.„ 100.— Leopold Lourie, Wien. ., 101.75 Dr. Alexander Lourie, Wien.„ 102.50 Saul Lourie, London.,, 50.— 2. Jahresbeiträge für 1913: Rechtsanwalt Dr. E. Straus, München.Jk 20.— Zahnarzt Hugo Schachtel, Breslau.„ 20. - Dr. Rueck, Eichstätten.„ 5. - Julius Simon, Mannheim.,, 20.— Dr. Sichel, Chemnitz.„ 10.— Boris Goldberg, Wilna.„ 40. ~ Leopold Lourie, Wien.„ 25.— Dr. Alexander Lourie, Wien.- ., 25. - Anton Lewin, Berlin. „ 40.— Dr. Sandler, z. Zt. Berlin.„ 10.— Dr. A. Eliasberg, Berlin.- „ 20.— Jk 1140.75 Dr. A. E 1 i a s b e r g. Eingegangen bei der Administration der „Welt": Für die Nationalbibliothek: durch Dr. Joseph Lew, Petersburg, von N. N. . . Jk 6.45 Die Dikörfabrik. Cognac-Brennerei B. Kasprowicz, Gnesen, deren Inserate in unserer Zeitschrift öfters erscheinen werden, gehört zu der kleinen Anzahl grösster Fabriken Baropas, welche das vorzüglichste auf diesem Gebiete in den Handel bringen. Die Firma erzeugt eine Ries-.nänzahl Original - Liköre, and der grössten Anerkennung erfreuen sich die polnischen Spezialitäten. Der Firma wurden auch die höchsten Anerkennungen gezollt, und unter andern auf der Gewerbe-Ausstellung in Pössneck (Thüringen) nahm Se. Hoheit der Erbprinz von Sachsen-Meiningen einen Ehrentrunk Rei'ectorium entgegen und äusserte sich sehr anerkennend über die Marken der Firma B. Kasprowicz. Auf der Ausstellung in Mannheim hat der Dandesförst, der Grossherzog von Baden, die zahlreichen Spezialitäten bewundert und sich überaus lobend ausgesprochen. Noch viele andere Anerkennungen hoher Persönlichkeiten vermehren den Ruhm der Weltfirma. "fr Deutsches Fabrikat SToüWERCK IlMl „GOLD” KAKAO „GOLD ” SCHOKOLADE