Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 11 (14.3.1913)
- Date
- 1913-03-14
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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DJE2§BELT Nr. II 350 LITERARISCHE RUNDSCHAU Dr. B. Jacob (Dortmund): Die Tora Moses. I. Das Buch. 1912. Frankfurt a. M., J. Kauffmann. (Heft 3-4 der Volksschriften über die jüdische Religion, herausgegeben von Dt. J. Ziegler -Karlsbad). Vor wenigen Monaten hat Dr. J. Ziegler nach dem Muster eines großen deutschen Verlages seine Sammlung „Volksschriften über die jüdische Religion" ins Leben gerufen. Sie sollen nach seinem Plane der jüdischen Intelligenz die Kenntnis des Judentums vermitteln, sollen durch Wissen zur Treue führen. Der Gedanke ist ein überaus glücklicher, seine äußere Durchführung ist es nicht minder: für den Preis von 5 K. (4,23 M.) werden dem Abonnenten jährlich sieben Hefte geliefert. Wenn der Inhalt der Büchlein halten wird, was der Herausgeber verspricht, dann kann diese Sammlung für die deutsche Judenheit von großer Bedeutung werden. Das vorliegende Doppelheft ist denn in der Tat vorzüglich geeignet, diesen Zweck zu erfüllen: den gebildeten Juden in die Bibel einzuführen. Eine solche Einführung tut denn auch dringend not. Denn die Hypothesen der Bibelkritik beginnen mehr und mehr in das Bewußtsein auch der Laien einzudringen, wo sie, wie das nicht anders geht, als gesicherte Resultate und unumstößliche Wahrheiten hingenommen werden. So ist die „Kritik" auf dem besten Wege, zu einem neuen Dogmatismus zu führen; wer je mit der aus der Naturwissenschaft hervorgegangenen Kirche zu tun gehabt hat, wird wissen, daß das wissenschaftlich verbrämte Vorurteil noch verderblicher wirkt als das naive. Dem jüdischen Bibelleser zumal kann die kritiklose Hingabe an die Bibelkritik gefährlich werden. Denn — Jacob zeigt das — so manche Hypothese der Bibelwissenschaft ist vom Judenhaß diktiert. Im vorliegenden Büchlein wird der Leser trefflich über die Hypothesen der Bibelkritik informiert, zugleich aber an die Quelle selbst gewiesen und zu eigenem Urteilen auf gef ordert. Insbesondere werden die gangbaren Wellhausenschen Hypothesen dargelegt und — wie mir scheint — manches Zutreffende gegen sie vorgebracht. Daß Verfasser hierbei mit Temperament und Humor vorgeht, wird der Popularität des Buches nützen und schadet der Argumentation nicht. J. wirft der Bibelkritik insbesondere vor, daß sie die Schwierigkeiten des Textes nicht löst, sondern nur zurückschiebt, indem sie alle Unstimmigkeiten des Textes und — ihrer Hypothesen auf den Redaktor zurückführt; und zweitens ihre Abhängigkeit von einem entwicklungsgeschichtlichen Religionsschema, nach dem sich aus primitiveren Formen durch immanente Triebkräfte in gesetzmäßiger Stufenfolge immer Vollkommeneres entwickelt hat. Eine solche Ansicht muß — man vergleiche hierzu die treffenden Bemerkungen Schellings in der zehnten Vorlesung seiner „Einltg. in die Philos. der Mythologie" — das Verständnis alles Großen unmöglich machen. Jacob ist aber, trotz seinen Zweifeln an der Kritik, dennoch weit davon entfernt, die literarischen Probleme der Bibel zu übersehen. Er stellt selbst am Schlüsse die Einwände gegen die traditionelle Auffassung zusammen. Man darf wohl erwarten, daß er in den weiteren Kapiteln der Untersuchung seine eigene Lösung der schwierigen Probleme geben wird. Sehr instruktiv ist ein Anhang des Büchleins, darstellend die Analyse der vier ersten Bücher des Pentateuchs nach C. H. Prag. Dr. Hugo Bergmann. The Jewish Year Book 1913 (3673—5674). Herausgegeben von Isidore Harris, London 1913, Jewish Chronicle. (Preis 1 Sh.) Das Buch erfüllt für England den gleichen Zweck wie das vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde' herausgegebene Statistische Jahrbuch für Deutschland und der Union-Kalender für Oesterreich-Ungarn. Sämtliche Gemeinden Englands uiul der Kolonien mit ihren Beamten und Funktionären werden aufgeführt, ferner wird ein umfassendes Verzeichnis der in diesen Städten bestehenden Vereine und Organisationen gegeben. Merkwürdig mutete uns das Communal Directory an. in welchem eine große Anzahl von hervorragenden Personen des jüdischen öffentlichen Lebens mit ihren Titeln, Aemtem und Adressen genannt wird. Ein Verzeichnis von jüdiscliliterarischen Publikationen und geschichtlichen Daten beschlielit das Buch. Ein Kalendarium mit Notizen über Minhagim usw., bearbeitet von Rabbiner Dr. Friedlaender, ist dem Jahrbuch beigegeben. Zur Orientierung, auch für zionistische Zwecke, ist das Buch sehr geeignet. Hamburg. Dr. Tannenwald. Beim roten Halbmond vor Tripolis. Von Dr. Felix A. Theilhaber, Berlin. Mit Federzeichnungen von Hans von Hayek. 28. der grünen Bändchen, herausgegeben von Nicolaus Henningsen. Verlegt bei Hermann und Friedrich Schaffstein in Köln a. Rh. (Preis kartoniert 30 Pf., in Leinen 60 Pf.) Theilhaber schildert in der vorliegenden Schrift seine Reise ins Hauptgebiet des türkisch-italienischen Krieges, von dem er einen immerhin charakteristischen Teil als Arzt auf türkischer Seite miterlebt und erlitten hat. Er hat seinerzeit in diesem Blatte, wie unseren Lesern erinnerlich sein wird, seine Eindrücke von Juden und Judentum des Kriegslandes veröffentlicht. Diesmal denkt er ihrer nur sehr spärlich. Trotzdem kann das frisch, packend und mit einem gesunden Humor geschriebene Büchelchen allen Lesern aufs beste empfohlen werden. Berlin. C. K. Dr. Siegfried Wolff: Das Recht der israelitischen Religionsgemeinschaft des Großherzogtums Baden. Karlsruhe 1912. G. Braunsche Hofbuchdruckerei und Verlag. Erfreulicherweise mehrt sich die juristische Literatur über die Rechtsverhältnisse der Juden in den einzelnen Bundesstaaten und Landesteilen immer mehr. Die vorliegende Arbeit gibt auf Grund eingehender Literatur- und Gesetzesstudien und unter Benutzung der einschlägigen Gerichtsum! behördlichen Entscheidungen eine gute Uebersicht über die rechtlichen Verhältnisse der Juden in Baden. Hier möge vor allem darauf hingewiesen werden, daß das Großherzogtum Baden, was nicht allgemein bekannt sein dürfte, der einzige Bundesstaat in Deutschland ist, welcher eine systematisch durchgeführte Konsistorial- und Synodalverfassung besitzt. Wie diese Organisation sich in einer mehr als hundertjährigen Entwicklung herausgebildet hat, wird in dem ersten Kapitel des Buches eingehend dargelegt. Im zweiten Kapitel bespricht Wolff die Organisation der jüdischen Religionsgemeinschaft in Baden als ganzes, während die rechtlichen Grundlagen und Einzelheiten der Synagogenbezirke und einzelnen Religionsgemeinden im dritten Kapitel behandelt werden. Sogar die Versicherungspflicht der Angestellten nach der Reichsversicherungsordnung und dem Angestelltenversicherungsgesetz wird nicht übergangen. Aus statistischen Beilagen sieht man, da!! die jüdische Bevölkerung in Baden mit insgesamt 25 896 Personen in 139 jüdischen Gemeinden 1,20 °/o der Gesamtbevölkerung im Jahre 1910 (gegen 1,76<>/o im Jahre 1864, also vor 50 Jahren) ausmachte, und da£ für jüdische Zwecke, abgesehen von der allgemeinen Wohltätigkeit, für die Jahre 19i! bis 1913 je 304 300 M. veranschlagt sind, von denen S5 700M als allgemeine Kirchensteuern aufgebracht werden. Hamburg. Dr. Tannenwald.