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Die Welt · 1913-03-07 · 10 (7.3.1913) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
10 (7.3.1913)
Date
1913-03-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE IMELT BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVII. JAHRO. BERLIN, 7. März 1913 Wl*&6 T'Onn 'X yitPXI 11X N"2 ,','>12 Nr. 10. j INHALT: | FEUILLETON: HEINRICH LOEWE: Palästina-Reisen — WELTCHRONIK - J.LIN: Die Histadrnth Ibrith — MORUS: : Der Nachbar — PALÄSTINA-RUNDSCHAU — REVUE DER PRESSE — AUS DER BEWEGUNG- — j S. M. MELAMED: Politik in Whitechapel — Geschäftliche Nachrichten — National-Fonds — Inserate PALÄSTINA -REISEN Wanderfahrten ins Heilige Land haben seit den Tagen der Zerstörung des Tempels nicht bloß Juden unternommen, sondern Wallfahrten nach Jerusalem und den heiligen Stätten wurden eine fromme Sitte bei allen Völkern, die sich die älteste hebräische Literatur zu ihren heiligen Schriften erwählt hatten. Daß den Juden Palästina stets mehr als ein heiliges Land war, weil es doch der Mutterboden ihrer Geschichte, das Vaterland des Volksganzen blieb, war selbstverständlich bei einem Volke, dessen sprunghafte Geschichte es als revolutionär erscheinen läßt, während es in Wahrheit seiner innersten Natur nach die konservativste aller Nationen ist. Aber lange, ehe der Hebräer Söhne ihrem Vaterland durch die römischen Legionäre mit Gewalt entrissen wurden, ja sogar lange bevor Assyrer und Babylonier hebräische Stämme und nahezu das ganze Volk gewaltsam in die Länder am Euphrat und Tigris verpflanzten, war es Zion, das die hebräische Laute zum Liede stimmte, war es Jeruschalajim, das den Grundakkord in der ganzen hebräischen Poesie abgab. Die Zionsliebe ist dem hebräischen Heldenstamme immanent gewesen von den Tagen an, wo an ihren Stammvater das Wort erging: „Gehe weg aus deinem Lande, aus deinem Vaterhause und aus deiner Geburtsstätte in ein Land, das ich dir zeigen werde." Seitdem damals das Land am Jordan dem Vater des Volkes ein Vaterland wurde, ist es der geliebteste Boden geblieben, den ein Stamm jemals als Vaterland besessen. Und jenes Heiligtum des Volkes, das sich auf ewig geweihter Stätte in reiner Schönheit erhob, wurde das Herz des hebräischen Volkes, von dem die Pulsschläge ausgingen, die das frische Lebensblut bis in die entferntesten Aederchen dieses Landes- und Volkskörpers strömen ließen. Zion ward der Mittelpunkt alles jüdischen Empfindens. Zu Tausenden und Abertausenden zogen die Pilger zu den festgesetzten Tagen hinauf, die dem Volke heilig waren, weil man an diesen Tagen an der Stätte von Davids Burg erschien, weil man auf Moriah die Stämme vereinigt sah. Unter den Klängen altgeweihter Pilgerlieder von uralten Dichtern, unter denen der Sängerkönig David obenan steht, zog man die Höhen hinauf, von Stufe zu Stufe im Gebirge, bis nach Jerusalem, und diese Schire ha-ma’alöt erklangen machtvoll von Berg zu Berg: „Ich freute mich stets, ich hört' es so gern, wenn Leute mir sagten, ins Haus des Herrn — auf —, wollen wir gehen, Jerusalem sehen!“ Freilich, bereits in den allerältesten Zeiten, in jenen Tagen, da die eben erst eingewanderten Israelstämme noch in schweren Kämpfen mit den Kenaanäern um den Besitz des gesegneten Landes rangen, in jenen schweren Kriegszeiten, aus denen die jüdischen Richter als mächtige Heroen emporragen, war das Volk gewöhnt, mit schallenden Liedern wandernd die Pfade zu ziehen, die nach Zion führten, und mit Wehmut erfüllt es die hebräische Dichterin bereits vor dreitausend Jahren, wenn die wilden Kampfesstürme die friedliche Pilgerfahrt unmöglich machten. Denn „in den Tagen Schamgars, des Sohnes Anath, in den Tagen Jaels feierten die Pfade, und die Wanderer der Straßen wanderten gewundene Pfade." Die Oie Regel, die Waller zu den Festen, die zumal zur Zeit des Pessachfestes an heiliger Stätte in Jeruschalajim zu erscheinen pflegten, sind so alt, wie das hebräische Volk im Lande Kenaan. Hatte es doch von seinen Vätern die Lust ererbt und sie seinen Söhnen bis auf diesen Tag hinterlassen, das Land zu durch wallen, das sie als Oie Regel im buchstäblichsten Sinne zu Fuß durchwanderten. Als späterhin das Volk aus seiner tausendfachen Bedrängnis in den Hexenkesseln europäischen Mittelalters emporschrie um Hilfe zum Ewigen, da war das glühende Gebet das Jammers von der Sehnsucht nach dem eigenen Lande erfüllt, und so oft Männer erstanden, die prophetengleich in die Nacht des Exils hinausriefen, sich zu sammeln und die Hilfe zu ergreifen, die ihnen sicher vom göttlichen Throne aus gereicht werden müßte, da war Zion der Leitstern, nach dem sie das gefährdete Schifflein Israels durch die Sturmfluten zu leiten sich anschickten. Aber neben und zwischen den romantischen Bewegungen des Volkes, die sich in allen Jahrhunderten wiederholten, in das Land der Zukunft zu gelangen, gingen jene Tausende und Zehntausende von Pilgern und Wallern

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