Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 9 (28.2.1913)
- Date
- 1913-02-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3315709-3316567-3316583--57148-3375597- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WELT BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT 1EDEN FREITAG ZENTRALORGÄN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVII. JAHRO. BERLIN, 28. Februar 1913 um?:? T'Dnn 'X pt^O 11X X"2 ,p?*u Nr. 9. INHAI T* B* LOCKER ßnthenen; und Juden - WELTCHRONIK — PALÄSTINA - RUNDSCHAU (mit IINI IrtLI . Abbildungen) — REVUE DER PRESSE — AUS DER BEWEGUNG — GESCHÄFTLICHE NACH¬ RICHTEN — MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONAL-FONDS — INSERATE — Wir bringen hiermit unseren Lesern zur Kenntnis, dass wir unsere Vertretung für Russland der Firma X. «tz €*. Jtfetzl * Xodz *piotrkowska 102 übertragen haben. — Abonnementsbestellungen aus Russland können von jetzt ab an diese Adresse aufgegeben werden, ferner an die Zentrale der Firma in Moskau, Mjassnitzkajä, Haus Ssytow und an deren Filialen in 3t. PetersburgMorskaja 11 * Warschau, Marschaistrasse 130 * Wilna, ßolschaja 38. Verlag „Die W/elt“ Berlin W15, Sächsische Strasse 8. llllllillllllulillllllllllliMlllililllilllllliliilillllllilUlülliüHiiHiliilllliHl'HIHUHiiiisüiliiii.l. I' .nf.i!H!IK iilllH RUTHENEN UND JUDEN Von B. Locker. Als im Jahre 1905 die Wahlreformfrage auf die Tagesordnung des österreichischen Parlamentes kam, geschah etwas Unerwartetes und Ueberraschendes. Es erhob sich der ruthenisclie Abgeordnete Romanczuk und verlangte allen Ernstes, die Juden sollten sich als politische Nation konstituieren, sollten in Oesterreich als Volk anerkannt werden und bei der Wahlreform eine entsprechende Anzahl von Mandaten erhalten. Herr Romanczuk hatte eine glänzende historische Orientierungsgabe gezeigt. Der große Gedanke, den er ausgesprochen, war schon früher in Tausenden von Herzen lebendig und es vergingen kaum einige Tage, da verdichtete er sich zu einer spontanen, mächtigen Volksbewegung, die den Beginn einer neuen Epoche in der Geschichte der österreichischen — insbesondere der ga- 1 irischen und bukowinischen — Juden bedeutete. Die Stimme des Abgeordneten Romanczuk blieb nicht vereinsamt im' ruthenischen Lager. Während der nun folgenden Wahlreformdebatte des Jahres 1906 ergriffen die ruthenischen Redner mehrmals die Gelegenheit, um ihren Sympathien für die nationale Bewegung unter den Juden Ausdruck zu verleihen. Und die Ruthenen wußten wohl, warum sie die nationalpolitischen Bestrebungen des jüdischen Volkes von allem Anfang an mit solcher Wärme unterstützten. Es waf dies nicht nur die natürliche Sympathie eines jahrhundertelang geknechteten Volkes für das nationale Erwachen einer um ihre Existenz ringenden Volksgemeinschaft. Nein, es war das wohlverstandene und klare Interesse des ruthenischen Volkes selber, das seinen Wortführern dieses Verhalten der jüdischen Bewegung gegenüber diktierte. Handelte es sich doch um nichts weniger, als um die Ueberwindung der polnischen Vorherrschaft im Lande, und da konnte es doch für die Erreichung dieses Zieles gar nicht gleichgültig sein, ob die Juden — die schon im Jahre 1900 mehr als 800000 Seelen ausmachten — noch weiterhin als politisches Anhängsel der polnischen Schlachta erschienen oder nicht. Die Ruthenen sahen ein, daß es ihre Situation sehr erschweren müßte, wenn die chauvinistischen polnischen Parteien die ganze