Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1913-02-21 · 8 (21.2.1913) · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316567-3316582--57140-3375588
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

250 Nr. 8 beruhte? So gelangt er dazu, überall das Negative zu sehen. Sein Empfinden für das Lächerliche an jeder Sache ist so fein, daß er darüber das Große, Schöne oft schlechthin übersieht. Niemand aber leidet darunter mehr als — eingestandenermaßen — er selbst. Dieser starke Haß gegen alles Posenhafte, Pathetische scheint mir das innere Motiv zu sein, das. ihn zum Feuilleton geführt hat. Auf dem Gebiete des Feuilletons ist er unbestritten der Größte in der hebräischen Literatur, ist er ein Künstler, der auch in westeuropäischen Literaturen als Meister gelten würde. Man würde aber seine Bedeutung wiederum arg verkennen, wollte man ihn schlechthin einen Feuilletonisten nennen. Für Frischmann ist das Feuilleton nicht eine kleine anspruchslose Plauderei, etwas, das man zum Zeitvertreib liest, um es gleich wieder zu vergessen. Sein Feuilleton verfolgt höhere Zwecke. Es gibt kein Problem, das er vom Gebiete des Feuilletons ausschließen würde. „Der Feuilletonist", schreibt er, „ist der Schriftsteller, der das besondere Talent besitzt, in leichter Form über jedes schwere Problem zu sprechen." Sein reifer Geschmack verbietet ihm, selbst ein schwieriges Problem mit jener Schwere, jenem Ernst, jener Feierlichkeit zu behandeln, die manche „ernsten" Schriftsteller so oft — lächerlich macht. Er wittert darin das unnatürliche Pathos, die ewige Pose, die uns abstößt. Die bedeutendsten Gedanken von ungefähr in einem Nebensatz aussprechen — das ist Frischmanns Art. Und darin ist er unübertrefflich. Frischmanns Feuilletons muß man trotz ihrer scheinbaren „Leichtigkeit" studieren; man muß ein wenig Philosoph sein, um sie ganz zu erfassen. Doch auch dann hat man sie noch nicht in ihrem innersten Wesen erfaßt. Denn ihr Tiefstes ist nicht ihr Geist, nicht ihr philosophischer, sondern ihr dichterischer Gehalt. Der Dichter Frischmann! Solange man diesen nicht kennt, hat man den Schlüssel zu seinem Schaffen nicht gefunden. So seltsam es klingt: letzten Endes ist dieser gallige Satiriker, dieser ewig Hohnlachende, ein Dichter. Nur muß man sich gegenwärtig halten, daß von den zwei Elementen, die den wahren Dichter konstituieren: der poetischen Rezeptionsfähigkeit und der dichterischen Darstellungskraft, dem künstlerischen Ausdrucksvermögen, Frischmann nur das erste, die passive Seite, besitzt. Frischmann ist zu wenig unmittelbar, um ein „reiner" Dichter sein zu können. Sein inneres Erleben muß, bevor es seinen Ausdruck findet, erst den Weg durch den Intellekt nehmen; nur durch das Prisma seines Geistes gebrochen, gelangen die farbenprächtigen Lichtstrahlen seiner Seele an die Außenwelt. Die Charakteristik, die er einmal vom jüdischen Volke gibt, es paare sich in ihm die Schärfe des Geistes mit der Naivetät des Herzens, gilt vor allem von ihm selbst. So findet seine Dichterseele ihren Ausdruck im Feuilleton. „Das Feuilleton", sagt er, „ist nur eine neue Form der Poesie und aus ihm spricht zu uns vor allem ein Dichter." (Bd. III, S. 6.) Nur in seltenen Momenten seines Lebens wird er unmittelbar, streift er alles Intellektuelle ab und wird ganz Dichter. Aber was er dann schafft, sind wiederum nicht Gedichte, sondern — Sagen. Die Motive entlehnt er teils der Sagenwelt des Volkes, teils erfindet er sie selbst. Und an der wunderbaren Diktion, an der in ihrer Treuherzigkeit und Einfalt unübertrefflich schönen Sprache dieser Sagen kann man den Dichter Frischmann ganz erkennen. Hier offenbart er, der feingebildete Europäer, der geistsprühende Intellektuelle, der rücksichtslose Kämpfer und Kritiker, seine naive Kinderseele. Und zu der Bewunderung, die ihm sonst entgegengebracht wird, tritt eine neue Beziehung zwischen ihm und seinem Leser hinzu: die Liebe. Es wäre noch sehr viel über Frischmann zu sagen. Frischmann der Lyriker, Frischmann der Erzähler, Frischmann der Denker, Frischmann der Publizist, Frischmann der Uebersetzer wären noch zu behandeln. Doch gegenüber der Vielgestaltigkeit seiner Persönlichkeit wird jede Abhandlung über ihn nur Skizze bleiben müssen, und die unsere soll nur den Zweck haben, einen vagen Umriß seiner Gestalt zu zeichnen. Nun feiert er also sein Jubiläum. Er, der grimmige Hasser jeder Pose, läßt den Rummel, den ganzen Klimbim eines Jubiläums über sich ergehen! Sollte diese Konzession an das Publikum den Ausdruck einer gewissen Müdigkeit, eines gewissen Verzichtes auf Kampf und Streit bedeuten? Wir möchten es nicht glauben. Wie dem aber auch sei, das Anrecht auf ein Jubiläum besitzt Frischmann wie kein anderer. Hoffen wir, daß diese Jubelfeier, keinen Abschluß, sondern nur einen Ruhepunkt in der Laufbahn David Frischmanns darstellt, und daß er die Freunde des modernen hebräischen Schrifttums noch mit einer Fülle erlesener Gaben aus der reichen Schatzkammer seiner Dichterseele beschenken wird._ Schluß des redaktionellen Teiles Bei dem stetig wachsenden Konsum von mit Kohlensäure gesättigten alkoholfreien Getränken, wie Selterswasser und Brauselimonaden, die namentlich auch für die Tropen von ganz besonderer Bedeutung sind, düftte es unsere Leser interessieren, über neue Maschinen unterrichtet zu werden, welche eine rationelle Fabrikation und gleichzeitig eine Verbesserung der Getränke bezwecken. Vor uns liegt ein Prospekt der Firma Hugo Mosblech, Köln-Ehrenfeld. die den Bau solcher Apparate als '.langjährige Spezialität betreibt und _ > eine neue Imprägnieranlage laut nebenstehender Abbildung auf den Markt bringt. Bei dieser Anlage, <i ie «um Patent gemeldet ist, findet ein neues Verfahren Anwendung, indem eine doppelt wirkende Pompe das zu sättigende Wasser wiederholt durch einen sogenannten Strahlsättiger treibt, in welchem es mit der zutretenden Kohlensäure in die innigste Be- *. rEÜmxng gebracht; wird. In einem, besonders dafür ■$y eingerichteten Mischcylinder wiederholt sich alsdann nochmals der Sättigungsprozeß, so daß ein Getränk von nicht zu übertreffendem Kohlensäuregehalt erzielt wird. Es findet ferner eine luftfreie Imprägnierung statt, was die Qualität der Getränke wesentlich verbessert. Eine sinnreiche Vorrichtung, die sogenannte automatische >iveau- Beguliernng ermöglicht ferner, daß der Apparat ununterbrochen in Betrieb bleiben kann und keinerlei Beaufsichtigung und Bedienung erfordert. Reichhaltiges Drucksachenmaterial über moderne Sättigungsapprcato, Abfüllmaschinen und sonstige Kellereiartikel stellt die genannte .Firma. Interessenten gern kostenfrei zur Verfügung. Außer in deutscher sind die Kataloge in englischer, französischer, spanischer und russischer Spracne erschienen. ■■■■•" Deutsches Fabrikat Stoü=wercH •IVj»; ..GOLD" KAKAO I „GOLD" I SCHOKOLADE

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.