Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 8 (21.2.1913)
- Date
- 1913-02-21
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 8 247 dje^elt meinde zum Zwecke von Versammlungen und Vorträgen errichten ließ, neu eröffnet. Die sehr rührigen Führer der „Toyndeehalle" dieser Saison, die Herren: Dr. med. D. Frühling, Nathan Schwartz und L. Scharaga haben sich besondere Mühe gegeben, junge Kräfte heranzuziehen, die mit ihren Produktionen, sei es im Jargon, sei es in rumänischer Sprache, das Publikum sehr befriedigen. Jeden Samstag abend ist der mehrere hundert Personen fassende Saal von verschiedenen Schichten der hiesigen jüdischen Gesellschaft gefüllt. S. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Meier Thenen wurde auf Bemühung der Veranstalter der „Toynbeehalle“ für einen Kursus der jüdischen Geschichte gewonnen. Italien Pro-Cultura und Zionismus (Von unserem Berichterstatter.) In der letzten Zeit ist in allen Schichten des Judentums ein Erwachen des jüdischen Bewußtseins zu bemerken; dies ist, um so interessanter, als viele Juden, und besonders im Aus-’ fand, am italienischen Judentum verzweifelten. Besonders in den letzten Jahren ist ein merkwürdiger Umschwung eingetreten, der großenteils der unermüdlichen Propaganda der jüdisch-italienischen Presse und der zionistischen Jugend zu verdanken ist. Die letzten zwei Kongresse — des jüdischen Gemeindebundes und der jüdischen Jugend — waren historische Ereignisse, denn sie bedeuten einen radikalen Wandel des italienischen Judentums. Nun könnte man glauben — und gewisse unverbesserliche Schwarzseher haben es auch offen ausgesprochen — daß es sich hier nur um große Worte handle. Eine der Hauptkrankheiten der Italiener sei ihre übertriebene Rhetorik und die empfänglichen Juden hätten sich durch den langen Kontakt mit den Italienern diese Eigenschaft ihrer Landsleute angeeignet. Daß diese Nörgler — an denen es auch unter den italienischen Glaubensgenossen nicht fehlt — Unrecht gehabt haben, beweist uns die rege Tätigkeit, die die wenigen bereits früher begründeten Zionsvereine und „Pro Cultura“-V ereine — die im Grunde genommen in nationaler Richtung wirksam sind — in den letzten Wochen an den Tag legen. Außerdem sind in einigen Städten die alten zionistischen Vereine — die während des Kriegsjahres, mit Ausnahme der regen Mailänder Gruppe, ihre Arbeit ganz eingestellt hatten — wieder belebt und auch neue gegründet worden. Auch die „Pro Cultura Ebra i ca“-Vereine haben ihre Säle wieder geselligen Veranstaltungen geöffnet und Vorträge geboten, die von jüdisch-nationalem Geist getragen waren. Am erfreulichsten an dieser Bewegung ist aber, daß die italienischen Rabbiner, besonders die jüngeren, ihre Hilfe an diesem Werke nicht versagen (oder die Bewegung gar bekämpfen wie mancher deutsche Kollege!). In einigen Gemeinden stehen sie sogar an der Spitze! So ist in Casal Monferrato auf Initiative des jungen Gemeinderabbiners Dr. Guiseppe Levi, und mit Hilfe des Präsidenten der Gemeinde, ein „C i r c o 1 o di Cultura“ entstanden, der große Arbeitslust an den Tag legt. In Bologna ist der zionistische Verein wieder zusammengetreten und hat ein reiches Programm für diesen Winter entworfen. In Mailand veranstaltet die arbeitsfrohe Gruppo sionistico milanese fast jede Woche Abende (musikalische, literarische, Bälle) und sammelt eifrig für den jüdischen Nationalfonds und für die Jemenitensiedlung. Unlängst hat der Verein Dr. Krinkin aus Rom, der auf dem Jugendkongreß einen so großen Erfolg mit seinem Referat über Palästina erzielte, eingeladen, um in Mailand seinen Vortrag zu wiederholen. Der Vortrag, begleitet von kinematographischen Projektionen über das Leben in den jüdischen Kolonien, hat auch in Mailand großen Erfolg gehabt. Denselben Vortrag hat Dr. Krinkin auch in Ferrara auf Einladung des Präsidenten der zionistischen Federation, Dr. F e - lice Ravenna, mit Erfolg wiederholt. In Turin, wo unsere Sache in den Herren Adv. M. Foä, Prof. S. Foä, Emilio Bachi, Graziadio Foä und Amar große Förderer hat, wird tüchtig gearbeitet. Unter Mitwirkung dieser unserer Gesinnungsgenossen ist dort ein Circolo Ricreativo entstanden, der den Zweck hat, der Jugend jüdische Festlichkeiten darzubieten: Es soll eine Art jüdischer Turn- und Vergnügungsverein für die Jugend sein, ln L1 v o r n o ist unter Leitung des Oberrabbiners der Gemeinde, Drflombo, das Rosch-Haschana Leilanoth feierlichst begangen worden und auf Anregung des Rabbiners wurden Oelbaumspenden gesammelt. Wie man aus diesem kurzen Bericht sehen kann, ist das italienische Judentum jetzt wieder zu neuem Leben erwacnt. Seitdem die jüdische Jugend angefangen hat, tur oas Wohl des Judentums zu arbeiten, ist hier in vielen Dingen Wandel geschaffen worden. Diese Tatsache kann nicht genug hervorgehoben werden. Nächstens wird die „Federation der italienischen Zionisten“ unter Leitung des Herrn Dr. F e 1 i c e Ravenna- Ferrara ihre Jahreskonferenz in Mailand abhalten. Schweiz Neuordnung der Landesorganisation (Von unserem Berichterstatter.) Den großen zionistischen Landsmannschaften, die ihre Organisation durch die Errichtung eigener Sekretariate ausgebaut und gefestigt haben, ist die kleine Schweiz nachgefolgt. Wie bereits an dieser Stelle berichtet, haben wir seit Ende Dezember ein ständiges Bureau in Zürich und in der Person des Herrn W. W o 1 f s o h n einen eigenen Parteisekretär. — Bedenkt man die eng gesteckten Grenzen schweizerischer zionistischer Arbeit — 16 Gemeinden mit etwa 20000 jüdischen Seelen bilden das Arbeitsfeld — so scheint es nur natürlich, daß es sich für den Schweizerischen Zionistenverband bei dieser organisatorischen Neuerung zunächst nur um einen Versuch handeln konnte. Es ist erfreulich, daß die bisherigen Erfolge das Gelingen dieses Versuches verbürgen. Woran die schweizerische Zionistenorganisation bisher krankte, war in erster Linie der Umstand, daß die gesamte organisatorisch-technische Arbeit von ganz wenigen beruflich überlasteten Zionisten im Nebenamt geleistet werden mußte, so daß die doch ebenso notwendige propagandistische Tätigkeit darunter notwendig litt. Der ständig und intensiv arbeitende Parteisekretär entlastet die in der Organisation tätigen Gesinnungsgenossen von den technischen Arbeiten und macht ihre Arbeitskraft für die Propaganda frei. Im ferneren — und hierin liegt der Vorteil der engen Grenzen unseres Arbeitsfeldes — vermag der Verbandssekretär unsere Ortsgruppen, wie die einzelnen tätigen Zionisten durch persönliche Fühlungnahme zu ständiger, intensiver zionistischer Tätigkeit anzuregen. Es ist daher zu hoffen, daß die bisherigen Erfolge des Sekretariates, — die sich in den wenigen Wochen seines Bestehens u. a. in den wesentlich erhöhten Eingängen für den Nationalfonds äußerlich zeigen — anhalten und sich noch erheblich steigern werden. In das Landeskomitee sind kooptiert worden: die Herren W. Simon und Dr. Hermann Dukas, beide in Zürich. Bern. In einer vom Akademischen Zionistenverein am 8. Februar veranstalteten Versammlung sprach der Präsident des Schweizerischen Zionistenverbandes, Herr Dr. Felix P i n - kus-Zürich, über die gegenwärtige Lage im Zionismus und legte dar, daß die gegenwärtigen Vorgänge im Orient eine besonders intensive Tätigkeit der Zionisten aller Länder verlange. — Im Anschluß an diese Versammlung wurde ein Komitee bestellt, das die Kartellierung aller akademischen Zionistenvereine der Schweiz in die Wege leiten soll. Basel. Am 25. Januar hielt in einer Mitgliederversammlung der Zionistischen Vereinigung Basel unser neuer Sekretär," Herr Wolf sohn, einen beifällig aufgenommenen Vortrag über die Aufgaben des schweizerischen Zionismus in der zionistischen Gesamtorganisation. Basel. Vor überfülltem Saale sprach Sonntag, den 16. Februar, Herr Prof. Drevfus aus Straßburg über „Die jüdische Gegenwartsfrage“. Zahlreiche Beitritte zur Zionistischen Vereinigung Basel waren der Erfolg des Abends, der sich auch in einer ertragreichen Sammlung für den Nationalfonds äußerte. Winterthur. Herr Dr. Felix Pin kus aus Zürich sprach in der zionistischen Sektion des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur am 2. Februar über: Die politische Zukunft der Juden. Zürich. In der zionistischen Ortsgruppe Zürich sprach am 2. Februar Herr W. W o 1 f s o h n über die Einwanderung der Jemeniten nach Palästina. Frankreich Zionistische Nachrichten (Von unserem Berichterstatter.) Paris. Tunis. Hier bestehen jetzt zwei zionistische Vereine, in Tunis und in Djemah, sowie mehrere Schekelzahlergruppen. Dieselben haben im vergangenen Jahr über 500 Schekel, also mehr als die Hälfte des Gesamteinganges der französischen Landsmannschaft, abgeführt. Die Eingänge für den N.-F. beliefen sich auf 1 160,60 Frs. Der Verein „Agudath Zion“ in Tunis unterhält ein eigenes Vereinslokal mit Lesehalle, die sich guten Zuspruchs erfreut. Auch die von den Gg. M.