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Die Welt · 1913-02-21 · 8 (21.2.1913) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
8 (21.2.1913)
Date
1913-02-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. W" ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVII. JAHRO. BERLIN, 21. Februar 1913 Un'W’? T'önn 'X ‘prx'l "HX T'1 /j^na IXT U AI T, R. L-: Die grosse Lüge — WELTCHRONIK — L. WECHSLER: Die Burnett Bill — J. LIN: Dr. Chajim I1N I 1/A.L I . Schitlowsky — PALÄSTINA-RUNDSCHAU — REVUE DER PRESSE — AUS DER BEWEGUNG - FEUILLETON: N. GOLDMANN: David Frischmann — Geschäftliches; — Mitteilungen des Hauptbureaus des J. N.-F. DIE GROSSE LÜGE In der „Allgemeinen Zeitung des Judentums“ vom 31. Januar v. J. hat Herr Professor Ludwig Geiger im Anschluß an die bekannte Erörterung der Judenfrage im „Kunstwart“ folgendes Bekenntnis abgelegt: „Seit einem Jahrhundert und länger kämpfen die aufgeklärten deutschen Juden und die Juden anderer Länder dafür, nicht als ein Volk, sondern als eine Glaubensgemeinschaft angesehen zu werden. Für uns hatte der Volksgedanke nur eine Berechtigung, solange wir von den Völkern, unter denen wir wohnten, nicht als vollberechtigt, wenigstens in der Theorie aufgenommen wurden. Deshalb halten wir den Zionismus für so unheilvoll und bekämpfen ihn auf das entschiedenste, weil er diesen Volksgedanken, von dem wir absolut nichts wissen wollen, diese nationale Idee, von der wir glücklich erlöst zu sein wähnten, wieder aufgebracht hat. Damit beantwortet sich zugleich die Frage des Herrn Avenarius. Diese Frage lautet: „Mit welchem Recht hält der Verein zur Abwehr des Antisemitismus die Meinung der ihres Volkstums bewußten Juden für gleichgültig?“ Wir — ich spreche nicht im Namen des Abwehrvereins, sondern im Namen vieler Gesinnungsgenossen — halten diese Gesinnung nicht für gleichgültig, sondern wir betrachten diese Anschauung als einen entsetzlichen Schädling. Wir, die wir nur eine Glaubensgemeinschaft sind und sein wollen, wir, die wir mit allen Kräften nach dem Deutschtum verlangen (ebenso wie die jüdischen Einwohner Frankreichs, Englands und Italiens nach der Zugehörigkeit zu ihrem Volke), wir müssen solche Meinungen nationalbewußter Juden als Auswüchse bis aufs Messer bekämpfen, weil wir in ihnen die Vernichtung des Judentums erblicken und in ihr (? Die Red.) eine Ausschließung aus der Volksgemeinschaft sehen, die wir allein für die berechtigte (!! Die Red.) halten. Das Ersuchen des Herausgebers des „Kunstwart" bezieht sich auf die Kampfesweise des Abwehrvereins und geht uns daher nichts an. Aber meine dringende Bitte an Herrn Avenarius und an die Edeldenkenden unter den Christen geht dahin, die Judenfrage von unserem Standpunkte zu betrachten und als Deutsche mit uns gemeinsam gegen den Zionismus zu fechten. (!! Die Red.) Herr Avenarius und die Seinen, die ich für durchaus wohlmeinend halte, von denen ich weiß, daß sie das deutsche Nationalbewußtsein hochhalten, mögen sich nicht düpieren lassen durch das Schlagwort der Zionisten von jüdischer Nationalität. Es gibt keine jüdische Nation und soll keine geben. (!! Die Red.) Das jüdische Volk hat vor Jahrtausenden bestanden, es ist seit der Zerstörung des jüdischen Staates zu Ende und soll nicht wieder aufleben. Wir verehren Palästina und Zion als heilige Stätten von ehedem, aber wir wollen nicht dahin zurückkehren und wünschen kein Aufleben eines jüdischen Staates. Was uns Juden aller Länder eint, ist nicht das Nationale, nicht die angebliche Rassenzusammengehörigkeit, nicht das Stammesbewußtsein, sondern einzig und allein der Glaube. Dieser Glaube hindert uns nicht, voll und ganz der Nation anzugehören, unter der wir wohnen. Wir begehren nichts eifriger, als in voller Anhänglichkeit an unseren Glauben die Söhne des Vaterlandes zu sein, dem wir entstammen, dem wir unsere geistige Eigenart verdanken und dem wir Gut und Blut zu opfern bereit sind." Also sprach Ludwig der Deutsche. Die Zeiten sind eigentlich vorbei, da uns ein solches Bekenntnis noch erregen und empören konnte. Doch erklären wir — nicht, wie Herr Geiger, im Namen einiger Gesinnungsgenossen, sondern im Namen unserer Organisation, die mehr Anhänger hat, als in ganz Deutschland Juden wohnen, und im Namen des jüdischen Volkes, dessen Lebensrecht wir vertreten — die Behauptung des Herrn Ludwig Geiger, daß es keine jüdische Nation gebe, für eine Ungeheuerlichkeit, und wir überantworten diesen Herrn, den Unwissenheit und Verbohrtheit dazu treiben, handgreifliche Tatsachen der Geschichte zu leugnen, dem Fluch der Lächerlichkeit, indem wir sein neuestes Bekenntnis, das bisher nur in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums“ abgedruckt war, hiermit der Oeffentlichkeit übergeben. Es handelt sich jedoch nicht nur um Herrn Geiger, sondern die Sache hat auch eine sehr ernste Seite. Herr Geiger stellt zwar den bis zur Grimasse verzerrten Typ des „Assimilanten“ dar, aber schließlich doch einen Typ. Die anderen „Assimilanten“ tragen freilich ihre Meinungen nicht mit so naiver Dreistigkeit vor, wie dieser Literaturprofessor, der sich hinsetzt und seelenruhig schreibt, „es soll keine jüdische Nation geben“ — aber im Grunde denken viele Assimilanten doch wie er: sie wollen die Judenfrage

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