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Die Welt · 1913-02-07 · 6 (7.2.1913) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
6 (7.2.1913)
Date
1913-02-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. W ERSCHEINT JEDEN FREITAB ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVII. JAHRO. BERLIN, 7. Februar 1913 T'onn 'S 02® ’b IXJI—I Af T* ELIAS AUERB ACH: Eine Häuserbaugesellschaft für Palästina — WELTCHRONIK — O. EBERHARD: UNI 1AL I . Das Unterrichtswesen in der Türkei — J. FELD MANN: Pioniere der Arbeit — P AL^STIN A - RUND¬ SCHAU — AUS DER BEWEGUNG — SPRECHSAAL — FEUILLETON: A. Z. IDELSOHN: Ein hebräisches Volksliederbuch — LITERARISCHE RUNDSCHAU — Geschäft!. Nachrichten — Mitteilungen des Hauptbureaus des J. N.-F. Eine Häuserbau-Gesellschaft für Palästina Von Dr. Elias Auerbach, Haifa Tel Awiw, das moderne jüdische Viertel in Jaffa, wird für alle Zeiten einen* Ruhmestitel behalten, den ihm kein Nachfolger rauben kann: daß es das erste seiner Art war. Der über Erwarten glänzende Erfolg von Tel Awiw hat bewirkt, daß allenthalben Pläne zur Anlage ähnlicher Viertel ausgearbeitet werden, deren Vorbild die neue Jaffaer Judenstadt ist. So gewinnt die Frage eine große Bedeutung, ob man das Vorbild einfach nachbilden soll oder in bestimmten Richtungen neue Wege ein schlagen muß. Wir sind stolz auf Tel Awiw und freuen uns immer wieder, wenn wir es betreten oder es einem Gaste zeigen. Aber wir dürfen die Augen nicht Mißständen gegenüber verschließen, die sich schon im Lauf der wenigen Jahre herausgebildet haben und sich voraussichtlich noch weiter verschärfen werden, und die wir bei neuen Anlagen zu vermeiden haben. Die gemeinsame Wurzel dieser Mißstände ist das Außerachtlassen einiger allgemeiner Prinzipien, die für die Anlage solcher Stadtviertel zu gelten haben. Die leitenden Gedanken dieser Städte-Gründ ungen sind und müssen sein: 1. Schaffung hygienisch günstiger Bedingungen; 2. Förderung der Eigenwohnungen in möglichst großem Umfange, also möglichste Ausschaltung des Mietsverhältnisses; 3. Verbilligung des Wohnens. Das erste, die hygienische Anlage des Viertels im ganzen und die Ueberwachung der hygienischen Bedingungen der einzelnen Bauten, ist in Tel Awiw fast mustergültig durchgeführt und bildet das Imponierende der Anlage für jeden Besucher. Die zweite und dritte der aufgestellten Grundforderungen aber, die untereinander in engem Zusammenhang stehen, können nur zum kleinen Teile als erfüllt gelten, weil bei der Gründung von Tel Awiw einige wichtige Grundsätze moderner Wohnungs- und Bodenreform nicht genügend beachtet wurden. Auch in den alten, in jahrhundertealter Tradition eingerichteten Gemeinwesen Europas trachtet man jetzt überall, den Bewohnern den Erwerb eigener Häuschen für ihre Familie allein oder höchstens für zwei Familien zu ermöglichen. Denn erst dadurch, daß der Bürger im eigenen Haus wohnt, wird er wirklich seßhaft und mit Interesse für ein Gemeinwesen erfüllt; dadurch, daß er aus dem Mietsverhältnis mit seinen mannigfachen Widerwärtigkeiten und (vor allem!) seiner dauernden Tendenz zur Steigerung der Hausrente für den Wirt losgelöst wird, erfährt seine ganze soziale Position eine erhebliche Festigung. Er wohnt schließlich, da sein Boden und Haus ihn vom allgemeinen Wertzuwachs unabhängig machen, erheblich billiger als seine unselbständigen Mitbürger. Zur Erreichung dieser Ziele ist aber vor allem die möglichste Ausschaltung der Bodenspekulation notwendig. Wo das nicht geschieht, nehmen die Dinge einen typischen Verlauf, den wir auch in Tel Awiw vor uns sehen. Hier kostete vor drei Jahren, als die Parzellen an die Mitglieder der Gesellschaft „Achusath Bait" vergeben wurden, die türkische Quadratelle (= 0,58 qm) 2 bis höchstens 3 Frcs.; heute werden für Plätze an den Hauptstraßen 8—12 Frcs. verlangt und gezahlt. Was hat diese gewaltige Preissteigerung herbeigeführt? Eine Anzahl von Leuten zog vor, anstatt innerhalb der festgesetzten Frist von fünf Jahren zu bauen, ihr Land mit gutem Nutzen zu verkaufen. Andere kauften mehr, als sie selbst zum Bauen brauchten, und verkauften den Rest zu hohen Preisen, als die Nachfrage nach Bauland immer mehr wuchs. Wieder andere haben zweifellos überhaupt nur zu Spekulationszwecken gekauft. Der Anreiz zur Spekulation lag in der starken Nachfrage nach Bauplätzen. Die Folgen dieses Steigens der Bodenpreise sind klar. Jemand, der anfangs seinen Bauplatz für 2500 Frcs. kaufte und auf ihm ein Haus für 7500 Frcs. baute, wohnt, wenn wir eine Verzinsung des Kapitals mit 5 o/0 als landesüblich rechnen, für 500 Frcs. und hat dafür drei Zimmer, Küche und Bad, wohnt also recht preiswert. Kauft er den Boden jetzt, so hat er etwa 10—12 000 (!) Francs zu zahlen, und die gleiche Wohnung kostet ihn ca. 950 Frcs., er wohnt also recht teuer. Für die später

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