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Die Welt · 1913-01-31 · 5 (31.1.1913) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
5 (31.1.1913)
Date
1913-01-31
Page
– (sequence 18)
Language
German
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154 DIE LT Nr. 5 Möge diese auch äußerlich vornehm ausgestattete Ausgabe, die mit Hilfe der vorhandenen hebräischen und aramäischen Wörterbücher von jedem Theologen benutzt werden kann, die wohlverdiente Verbreitung finden. Gardone-Riviera. Dr. A. Sarsowsky. Max Brod: Die Höhe des Gefühls. Szenen, Verse, Tröstungen. Leipzig 1913. Ernst Rowohlt Verlag. Die Judenromane des Prager jüdischen Dichters Max Brod („Jüdinnen“ und „Arnold B e e r“, beide von Axel Juncker verlegt) haben in letzter Zeit eine lebhafte Diskussion in der jüdischen Presse hervorgerufen. Man hat Brod vorgeworfen, daß er nur als ein — allerdings sehr feiner — Beobachter die Zerrissenheit und Haltlosigkeit des jüdischen Galuthlebens zeichnet, aber nicht in großer synthetischer Schöpfung eine Lösung konzipiert, die aus der unerquicklichen psychischen Konstellation eine Befreiung wiese. Wenn man darum diese Werke Brods immer mit einem gewissen Unbehagen aus der Hand gelegt hat, so scheint mir die Bedeutung seines neuesten Werkes vor allem darin zu liegen, daß es zeigt, wie es aus der ganzen Kompliziertheit unseres Lebens, die uns zu erdrücken droht, eine Befreiung gibt durch grenzenlose Hingabe an ein Gefühl, wie ein Lebensinhalt uns erfüllen und über uns hinausheben kann. Dies zeigt sich namentlich an Orosmin, dem Helden der ersten Szene „D i e Höhe des Gefühl s“, die dem ganzen Buch den Namen gegeben hat. Orosmin ist nach einem anfänglich unruhvollen, verwirrenden Leben von einem ganz großen Gefühl der Liebe erfaßt worden, und nun fällt auf alle Dinge ein Strahl von dem Glanz dieser Liebe. Er braucht gar nicht mehr den Gegenstand seiner Liebe, sondern an ihre Stelle ist die ganze Welt getreten, die Orosmin umfassen will. Deutliche Anknüpfung an die Romantik wird auch aus den anderen Szenen offenbar, deren letzte, „D i e Arche Noachs“, etwas vom Geiste und der Urkraft des jüdischen Mythos trägt. Eine jüdische Romantik, die, wie einst die deutsche, den Mythenschatz wieder zum Eigentum des Volkes macht, wird die Vorbedingung jedes wahrhaft schöpferischen jüdischen Nationalismus sein müssen. Deshalb dürfen wir auch dieses Werk, als ein Anzeichen solchen Strebens, begrüßen. Brod schildert die dumpfe Stimmung innerhalb der Arche, wo die Söhne Noachs in öder Tatenlosigkeit hindämmern, stets nur den kleinen Kreis der Geretteten und die Tierpaare vor sich sehend, verzweifelnd und sich auflehnend, bis endlich der alte, kluge, mild-freundliche und gottvertrauende Vater Noach ihnen den Weg zur neuerstandenen, geläuterten Erde weist. Mit starker Wortgewalt und kraftvoller Farbe hat der Dichter dies gestaltet. Vielleicht wird er auf dieser neu beschrittenen Bahn in besserem Sinne jüdische Werke schaffen als es seine Judenromane waren. Prag. Robert Weltsch. S. Schaclinowitz: Luftmenschen. Roman aus der Gegenwart. Frankfurt a. M. Verlag des „Israelit“, G. m. b. H. 1912. Die Wirkung dieses Romans liegt nicht auf dem künstlerischen Gebiete. Dies muß vorweg gesagt werden, um die Bedeutung des Werkes zu erkennen. Aber gleichzeitig muß hinzugefügt werden, daß keine künstlerische Gestaltung ein deutlicheres Bild der geschilderten Zustände geben könnte. Wie im „Germinal“ trotz der Wucht der Sprache und der Klarheit des Aufbaus der Inhalt alles ist, so reißt auch hier der Stoff das ganze Interesse an sich. Die Kraft der Vorgänge liegt in ihrer Wahrhaftigkeit. Dadurch ist es dem Verfasser auch gelungen, den Leser hinwegsehen zu lassen über manche Aeußerlichkeiten des Stils, die wohl durch den Umstand zu erklären sind, daß dem Autor die deutsche Sprache nicht seit frühester Kindheit vertraut ist. In gedrängtester Form sehen wir eine Entwicklung, die ein Symbol der zeitgenössischen Judenheit ist: Ein junger Jude aus Rußland kommt nach Deutschland, um dort die Bildung zu erringen, die sein Heimatsstaat ihm vorenthält. Unter großen Entbehrungen und schweren Kämpfen gelingt es ihm, dieses Ziel zu erreichen. Gleichzeitig macht er die für die heutigen Juden typische Entwicklung von der gläubigen Gesetzestreue zur Entfremdung von der Religion durch. In ernstem Ringen sucht er andere Ideale an die Stelle der verworfenen zu setzen. Wohl stehen ihm Freunde zur Seite, die eine gefestete Lebensanschauung gewonnen haben: der revolutionäre Schwärmer, der in der Hebung der unterdrückten Massen, in der Erringung der allgemeinen Freiheit das Ziel erblickt, der Zionist, der das Heil des jüdischen Volkes als nächste und höchste Aufgabe vor sich sieht, und der „praktische“ Egoist, der nur seinen Vorteil im Auge hat, auch im Hause seines Gönners, der traditionelle Gläubigkeit mit weltmännischem Behagen vereint, findet er viele Anregungen, doch den Anstoß zur Regelung seiner Lebensbahn gibt ihm ein Aufenthalt in der russischen Heimat. Zunächst erlebt er einen engeren Anschluß an das traditionelle Fühlen seines Volkes, dann aber wird er in furchtbarstem äußerem Erleben gereift und geklärt. Während eines blutigen Pogroms in Kiew erfährt er die wahre Tragik des jüdischen Exils, die Heimatlosigkeit. Er sieht, daß der revolutionäre Ideologe ebenso wie der praktische Eigensüchtige scheitern, scheitern mußten, weil sie die jüdische Eigenart außerhalb ihres Denkbereichs gestellt hatten. Besonders das Ende des „kalten Praktikers“, der um des nackten Vorteils willen dem Judentum den Rücken gekehrt hatte und der in der Todesstunde seinen Irrtum bekennt, ist für ihn von ausschlaggebender Bedeutung. So kehrt er gefestigt nach Deutschland zurück, wo er erkennen muß, daß auch die anscheinend so gesicherten Existenzen seiner Freunde von dem inneren Zwiespalt des Diasporabewußtseins angegriffen sind. Mit einer gleichstretenden Freundin aus deutsch-jüdischer Familie rieht er nach Palästina, um auf neuer Grundlage das jüdische Leben der Zukunft vorbereiten zu helfen. Enpverschlungen mit dem stets anziehend geschilderten Geschick des Helden werden Episoden und Lebensläufe vor die Augen des Lesers geführt, die nicht allein eine Fülle von Geschehnissen enthalten, sondern auch durch ihre wesentliche Bedeutung die illustrierende Kraft des Buches erhöhen. Hier ist vor allem die ohne jedes Pathos des Zornes oder der Verachtung gezeichnete Gestalt des jüdischen Apostaten, Missionars und Mädchenhändlers, sowie die gleichfalls unparteiisch geschilderte Figur der zu den Höhen der Bildung emporstrebenden russisch-jüdischen Studentin hervorzuheben. Das Werk Schachnowitz’ stellt im ganzen eine abgerundete, kraftvolle Leistung dar, die im hohem Grade geeignet ist, Licht über das jüdische Leben unserer Zeit zu verbreiten. Berlin. Theo Harburger. Schluß des redaktionellen Teiles » '5' Deutsches Fabrikat „GOLD" KAKAO „GOLD" SCHOKOLADE

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