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Die Welt · 1913-01-24 · 4 (24.1.1913) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 4 121 D!E3§KELT Kampfes zieht an uns eine ganze Galerie scharf umrissener Typen vorüber: Gelehrte, Aerzte, Minister, Hofräte, Journalisten. Diese ganze Gesellschaft dient mit Ausnahme einiger weniger treuer Anhänger des Professors Bernhardi lediglich dem Augenblickserfolg und zeigt naturgemäß dem Professor den Rücken. So ist Bernhardi -gewissermaßen physisch besiegt. Schnitzler benutzt freilich das Ganze, um im allgemeinen eine gesellschaftliche Satire zu formen, und man muß gestehen, daß sie ihm soweit gelungen ist. Allerdings: es ist etwas faul im Staate Dänemark, wenn alles, was in Schnitzlers Drama vorgeht, wirklich möglich ist. Dennoch: für uns und die Entwicklung des Autors ist das zweite Problem das interessanteste: die Judenfrage, der wir in der Komödie begegnen. Professor Bernhardi ist Jude — ein Umstand von überragender Tragweite. Sein Freund, Dr. Löwenstein, erklärt offen, daß der Vorfall mit dem Seelsorger niemals so viel Lärm und Aufruhr verursacht haben würde, wenn der Anstaltsdirektor zufällig kein Jude gewesen wäre. Dagegen versichert der liberale Professor Filitz, Löwenstein leide unter Verfolgungswahnsinn, er sehe überall Feinde der Judenheit. Er würde über Bernhardis Handlungsweise ebenso geurteilt haben, wenn dieser ein Christ gewesen wäre: Löwenstein: Gut. Möglich. Aber dann wären hinter diesem Christen Tausende oder Hunderttausende gestanden, die sich jetzt nicht rühren oder sich sogar gegen ihn stellen werden. Filitz: Wer? Löwenstein: Die Deutschnationalen und natürlich die Juden, — eine gewisse Sorte mein' ich, die keine Gelegenheit vorübergehen läßt, sich in den Schutz der herrschenden Mächte zu begeben. Wir sehen eine ganze Reihe von solchen Reptilien, die vor der herrschenden Partei kriechen, die ihre Abstammung vergessen, und man muß es Schnitzler lassen: er spart weder Worte noch Farben, um mit dem schonungslosesten Spott diese bewußten und halbbewußten Verräter zu stigmatisieren. Da sind auch großzügige Wohltäter, die indessen ihre Zuwendungen jenen Anstalten zugute kommen lassen, an deren Spitze Prinzen, Fürsten und Grafen stehen, da ist auch eine neue Abart der Assimilation, ein Dr. Schreimann, der den schwierigeren Teil erwählt zu haben behauptet, indem er sich für einen edlen Deutschen ausgibt. Schreimann: „Und ich versichere dich, wenn sich einer von meiner Abstammung heutzutage als Deutscher und Christ bekennt, so gehört dazu ein größerer Mut, als wenn er das bleibt, als was er auf die Welt gekommen ist. Als Zionist hätt’ ich's leichter gehabt." Dieser Schreimann ist natürlich gegen Bernhardi, er ist in Wahrheit ein Märtyrer seines neuen Glaubens, denn er muß seinen Katholizismus um so nachdrücklicher betonen, je mehr er von andern in Zweifel gezogen wird. Pflugfelder: „Aber Sie Schreimann? Sie schweigen? Auch gegen Bernhardi? Auch empört, daß er den Herrn Pfarrer gebeten hat, ein armes krankes Menschenkind ungestört sterben zu lassen . . . Begreiflich, begreiflich. So ganz frische religiöse Gefühle, die müssen besonders geschont werden." Hier sehen wir auch den Rechtsanwalt Goldenthal, einen getauften Juden, dessen Frau ein riesiges Kreuz am Busen trägt, dessen Kinder in einer katholischen Anstalt erzogen werden und wir sehen noch eine Reihe solcher Proselyten, die nicht nur die Empörung des in allen Fragen des Judentums empfindsamen Dr. Löwenstein, sondern auch Arthur Schnitzlers Empörung hervorrufen. Diese Entwicklung Schnitzlers ist interessant Ob auf dem Wege der aesthetischen Anregung oder auf irgendeinem anderen psychologischen Wege, nähert er sich immer mehr dem Judentum. Der Künstler in Schnitzler wendet sich voll Verachtung von der Assimilation. Jedenfalls fühlt man jedesmal, wenn Löwenstein das Wort ergreift, wie ihn des Verfassers Sympathie begleitet, und manchmal ist es, als nicke Schnitzler mit dem Haupte und als spräche er: „Sehr richtig" . . . Schluß des redaktionellen Teiles Bei dem Jewish Colonial Trust, London sind •eingegangen: Für den Bezalel: per South Africa Zionist Federation Johannesburg £ 15.10.6 per Federation of Zionist Societies of Canada, Montreal .S 53.90 per J. N. F. for America.„ 1.— per J. N. F. for Amerika.Doll. 66.70 Für die Tachkemoni-Schule: per Max Wolisteiner.71.50 Für das Hebräische Gymnasium in Jaffa: per Max Wolisteiner.M. 69.20 Für das Hebräische Gymnasium in Jerusalem: per Max Wollsteiner.M. 7.30 Für das Mikrobiologische Institut: per Max Wollsteiner.Ji 6.— Salem Aleikum imf Hohlraundsfück SolemGcJd Goldm\mdsfnck Cfgareffen «e/ 3&3% 4- S&S 6 ö 70 3& 4- 5 6 ö 70&cLät}& ZfönsuTTi&üuodüZzäenu 5tuj^(5ipucüz£aj£. V(ar62m7xm&<$6&k. OnenäadSabateu. Jh&7Gugo'2ze£z, ■m&zc&sen.

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