Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1913-01-24 · 4 (24.1.1913) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
4 (24.1.1913)
Date
1913-01-24
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316567-3316575--57002-3375473
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 4 nebelt J. D. Jacobs, London. Dr. Victor Jacobson, Konstantinopel (erster stellvertretender Vorsitzender). Ingenieur Johann Kremenezky, Wien. Dr. Arthur Ruppin, Jaffa (Managing Director). H. Sacher, London. 115 Rechtsanwalt und Notar Jacob Schachtel, Berlin. Ingenieur M. Ussischkin, Odessa. Professor Dr. O. Warburg, Berlin (Vorsitzender). Der bisherige Leiter des Berliner Bureaus, Herr A. Awadio w i t z, wurde zum Manager der Gesellschaft ernannt. jf PALÄSTINA-RUNDSCHAU —^ rj SJ (Von unserem Berichterstatter.) Rückschau Seit einem halben Jahre hat die „Welt" einen regelmäßigen wöchentlichen Nachrichtendienst aus Palästina eingeführt, durch den der zionistischen und jüdischen Oeffent- 1 ich heit ein getreues Spiegelbild von den Bestrebungen und Erlebnissen, von der Arbeit und den Erfolgen unserer palästinensischen Pioniere dargeboten wird. Diese Einrichtung hat allgemein lebhaften Anklang gefunden und zur Belebung des Interesses für unser Kolonisationswerk sicherlich ihr gut Teil beigetragen. Je mehr der Palästinismus in den Mittelpunkt aller zionistischen Arbeit vordringt, desto mehr macht sich auch das Bedürfnis geltend, praktische Palästinakunde zu treiben, unsere Palästinaarbeit in ihren mannigfachen Verzweigungen kennen zu lernen und mit den unser noch harrenden großen Aufgaben auf dem Gebiete der Kolonisation und der kulturellen Wiedergeburt vertraut zu werden. Für das Gedeihen unserer Palästinaarbeit ist die stete Teilnahme der großen jüdischen Öffentlichkeit ebenso notwendig, wie der warme Sonnenschein für das Gedeihen der Pflanzen. Unter diesem Gesichtswinkel sei uns, ehe wir uns wieder der Registrierung der täglichen Begebenheiten zuwenden, ein kurzer Rückblick auf die Geschehnisse der letzten sechs Monate gestattet. Die äußere Lage des türkischen Reiches spiegelte sich auch in den inneren Stimmungen der palästinensischen Bevölkerung ab. Daß trotz des tripolitanischen und des Balkankrieges sowohl das öffentliche wie das wirtschaftliche Leben keinen tieferen Erschütterungen unterworfen war, ist gewiß geeignet, das Vertrauen in die Zukunft unseres Palästinawerks zu befestigen. In Judäa ging die fünfmonatliche Amtszeit des Jerusalemer Gouverneurs Muhaddi Bey nicht ohne gewisse Erregungen vorüber. Mit Feuereifer nahm der gewesene Gouverneur seine neue Aufgabe in Angriff, und im Volkshause zu R i s c h o n L e - Z i o n hat er bezüglich der großen Bedeutung unserer Kolonisation Worte gesprochen, die durch ihre wohltuende frische Ursprünglichkeit es verdienten, weit draußen in türkischen maßgebenden Kreisen, aber auch in den Beratungssälen der großen jüdischen Organisationen gehört zu werden. Wir wollen deshalb mit ihm auch nicht rechten, daß er nachher glaubte, auch toten, vergilbten Bestimmungen seine Reverenz erweisen zu müssen. Wieder einmal behielt das pulsierende Leben recht und Muhaddi Bey, der sich ihm für kurze Zeit entgegenstemmte, mußte weichen. Wir aber wollen hier ohne Groll und mit Anerkennung seines ehrlichen Strebens gedenken. Wenn auch nur einige seiner in Fluß gebrachten Projekte, wie beispielsweise die Aufforstung der Dünen in Rischon, realisiert werden sollten, dann hat er nicht vergebens gewirkt. Weit ungünstiger als die äußere politische Lage wirkte die schlechte Ernte dieses Jahres. Dies ist ja in einem Lande, dessen hauptsächliche Erwerbsquelle der Getreidebau bildet, ganz natürlich. Der Mangel an einem langfristigen und gering verzinsten Agrarkredit macht sich immer mehr fühlbar. Immerhin haben unsere Kolonien an der Anglo-Palestine Company, die immer mehr ihren Pflichten gegenüber der Kolonisation gerecht wird, einen gewissen Rückhalt. Die arabischen Großgrundbesitzer, die den weitaus größten Teil des palästinensischen Bodens inne haben, und die ebenfalls durch die Verhältnisse des letzten Jahres an Geldmangel litten, wußten sich durch die Veräußerung eines Bruchteils ihres Besitzes die nötigen Mittel sowohl zur Tilgung ihrer Schulden als auch zur Intensivierung ihrer landwirtschaftlichen Betriebe zu verschaffen. Auch die Fellachen haben durch die Erlernung der besseren europäischen Arbeitsmethoden, die die jüdischen Kolonisten einführen, den Ertrag ihres Bodens gesteigert. Im großen und ganzen kann man das letzte Jahr als eine Zeit reger Schaffensfreude bezeichnen. Das Bestehende wurde nach Möglichkeit konsolidiert und manches Neue reihte sich an. Die Siedlungsgenossenschaft in Merchawja unter der Leitung des Agr. Dyk hatte zum erstenmal ein von äußeren Vorfällen ungestörtes Wirtschaftsjahr. Die Herzl- Waldungen und die Versuchsstation wurden planmäßig weiter ausgebaut. Die Nationalfonds - Farm Dagania zeigte im dritten Wirtschaftsjahr, in welchem der N.-F. die nötigen Wirtschaftsgebäude für ca. 60000 Frcs. errichtete, eine vielversprechende Entwicklung. Die Farm Kinereth, die den Ausgangspunkt für die gesamte moderne landwirtschaftliche Kolonisation in Galiläa, ja vielleicht in Palästina überhaupt bildete, wurde einer freien Arbeitergenossenschaft, deren Stärke auf den in Amerika gründlich ausgebildeten Genossen beruht, in Pacht übergeben. Ein Novum im palästinensischen landwirtschaftlichen Leben war in diesem Jahre die landwirtschaftliche Ausstellung in Kinereth, die auch die Gründung des landwirtschaftlichen Verbandes in Galiläa zur Folge hatte. Dank der unermüdlichen Arbeit des Palästina-Amtes ist es auch gelungen, landwirtschaftliche Betriebe an einigen neuen Orten zu begründen, und dies ist ja, nicht bloß nach dem bekannten letzten Aufsatze Achad Haams, das wichtigste, das wir zu tun vermögen. Nicht minder erfreulich sind die kolonisatorischen Versuche des Odessaer Komitees, welches besonders in Ein Gannim mit relativ geringen Mitteln eine lebensfähige Arbeitersiedlung geschaffen hat. Ja, in gewissem Sinne ist Ein Gannim eine Musterkolonie auf dem Gebiete des Pflanzungsbaues, in welcher die Ideale der palästinensischen Renaissance unseres Volkes am reinsten zum Ausdruck kommen: Eigene produktive Arbeit und Einfachheit der Lebenshaltung. Zugleich ist Ein Gannim ein Zeugnis für die ganz besonders von Warburg stark betonte Ueberzeugung, daß Palästina noch große Volksmassen aufnehmen kann, ohne der jetzigen Bevölkerung irgendwie Abbruch zu tun. Der Boden von Ein Gannim hat früher kümmerlich einige Familien ernährt und jetzt faßt er Dutzende von Familien! Ja, die erfahrenen Kolonisten von Ein Gannim behaupten, daß ein halber Hektar, für Gemüsebau verwendet, eine Familie ernähren könne. Es ist kein Wunder, daß nun die Chowewe- Zion mit der Gründung solcher Siedlungen fortfahren wollen. Bei Rischon Le-Zion soll der Versuch fortgesetzt werden. Ins letzte Jahr fällt bekanntlich die neue Einwanderung der Jemeniten. Man hatte geglaubt, daß die aschkenasischen Arbeiter in dem Jemeniten einen gefährlichen Konkurrenten erblicken würden. Jedoch bewährte sich auch in dieser Beziehung die idealistische Gesinnung des aschkenasischen Arbeiters. Weit entfernt, im neuen Einwanderer einen ökonomischen Gegner zu sehen, hielten es die Führer der aschkenasischen Arbeiter für ihre Pflicht, in der Arbeiter-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.