Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 17 (1913)
- Issue
- 3 (17.1.1913)
- Date
- 1913-01-17
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 88 DIES^KELT Hebräische Sprachkurse in Westdeutschland Zu Beginn der diesjährigen Winterkampagne sind, dank der Initiative unserer rührigen Elberfeider Gesinnungsgenossen, in sechs rheinisch-westfälischen Städten, nämlich: Köln, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Elberfeld und Essen, hebräische Kurse ins Leben gerufen worden, die teilweise bereits glänzende Erfolge aufzuweisen haben. Als Leiter sämtlicher Kurse wurde in Herrn cand. pliil. Adler, Düsseldorf, eine Persönlichkeit gewonnen, die durch ihre wissenschaftliche und pädagogische Qualifikation in gleichem Maße prädestiniert ist, das begonnene Werk — entgegen den Erfahrungen früherer Jahre — zu einem guten Ende zu führen. Die Kurse umfassen etwa 75 Teilnehmer — Akademiker, Kaufleute, junge und ältere Damen —, und das Interesse an der Sache nimmt von Stunde zu Stunde zu. Die Unterrichtsmethode des Kursleiters vereinigt in glücklicher Weise eine systematische Ausbildung in der Grammatik mit der Einführung in die moderne Literatur und Anleitung zur Konversation. In letzter Zeit zeigt sich das Bestreben, nach Möglichkeit tägliche Kurse bzw. Uebungen zu arrangieren. Ist auch die Zahl von 75 Kursteilnehmern nicht gerade überwältigend, so beweist doch die ganze Veranstaltung, daß nunmehr auch im assimilierten Westen der ernste Wille zu planmäßiger, positiv-jüdischer Arbeit sich Bahn gebrochen hat. So scheint die Pflege der hebräischen Sprache geradezu zum Schiboleth einer wahrhaft zionistischen Gesinnung zu werden. Möge das Beispiel der rheinischen Gesinnungsgenossen Ln anderen Gruppenverbänden Nachahmung finden! Erfahrung zu gewinnen, wandte sich das Präsidium an das K. Z. V. und den B. J. C. in Berlin und an die zionistische akademische Organisation Hollands, um von ihnen Informationen einzuholen und mit diesen Verbänden auch weiterhin im Verkehr zu stehen. Der Bericht des Präsidiums wurde mit großer Genugtuung von den Delegierten zur Kenntnis genommen. Dann wurde das Statut beraten. Die Organisation trägt den Namen „Histadruth Agudath Haakadem i m H a z i j o n i m“ (H. A. Z.) und verfolgt den Zweck, die nationale Erziehung der akademischen Jugend Galiziens in richtige Bahnen zu lenken, um endlich das kulturelle Niveau und den jüdischen Geist in der Studentenschaft auf eine würdige Höhe zu hingen. Den Weg dazu zeigte das Präsidium in dem von Dr. Knopf vorgelegten Arbeitsprogramm, das von den Delegierten vollständig akzeptiert wurde. Dasselbe geht von dem Standpunkt aus, daß eine wahre nationale Erziehung ohne Kenntnis der hebräischen Sprache unmöglich sei. Das Präsidium w ird daher mit Fachmännern in Fühlung treten und einen für die Studenten Verhältnisse geeigneten Lehrplan hörausgeben, um das Hebräische zum Gemeingut unserer Studentenschaft zu machen. Auch gedenkt die Leitung Jahrbücher, in denen die wertvollsten Arbeiten der Mitglieder der Organisation veröffentlicht werden sollen, und die grundlegendsten Werke der hebräischen Literatur in Uebersetzung herauszugeben sowie Konkurse für wissenschaftliche Werke jüdischen Inhalts zu veranstalten. Nach dem Konvent wurde von einigen zionistischen Damen zu Ehren der Delegierten ein Teeabend veranstaltet, der in animierter Stimmung verlief. Persönliches Unser geschätzter Gesinnungsgenosse, Dr. Alexander Hausmann in Lemberg, Mitglied des Aktionskomitees, hat sich mit Fräulein Lola Silberstein in Lemberg verlobt. Wir sprechen dem Brautpaare unsere herzlichsten Glückwünsche aus. Oesterreich Ein Wiener Misrachiverein Wien. Vor kurzem hat sich in Wien eine Ortsgruppe des „Misrachi*' gebildet. Zum Obmann wurde Herr Isidor Austerlitz gewählt. Dem Ausschüsse gehören die Herren K o h n , Leit n er, März und Spiel mann an. Jüngst hielt die Ortsgruppe eine gut besuchte Versammlung im Saale des Hotel Central ab, in welcher Herr Austerlitz ein Referat erstattete. Die Jubiläumsfeier der Verbindung Kadimah Die Verbindung Kadimah in Wien teilt mit: Der Begrüßungsabend im Restaurant Riedhof (VIII. Schlösselgasse) findet am 27. d. M., 8 Uhr, im großen, weißen Saaie statt. Der Ball im Beethovensaale beginnt um y»10 Uhr. Der Festkonvent steigt am 29. um 8 Uhr auf der Bude (I. Wiesinger Str. 3). Die Teilnehmer an der Herzl-Feier versammeln sich um 11 Uhr vorm, in der Zeremonienhalle des Döblinger Friedhofes. An diesem Tage findet abends um V-'IO Uhr der Festkommers im Beethovensaale statt. Am 31. d. M. veranstalten wir um 9 Uhr im Hotel Post ein zionistisches Meeting, bei dem Herr Blumenfeld sprechen wird Zum Frühschoppen kommen wir am 1. 2. um 10 Uhr vorm, beim „Oberen Gillv“, IX., Berggasse, im Saale des 1. Stockes zusammen. Organisierung der zionistischen Studentenschaft Galiziens Kürzlich wurde auf einer Konferenz in Drohobycz eine Gesamtorganisation der zionistischen Studentenschaft Galiziens gegründet und die Leitung einem Präsidium mit dem Sitze in Przemysl übertragen. Diesem gelang es nach kurzer Zeit, fast sämtliche zionistische Studentenverbindungen und Vereine zu einer Organisation zusammenzufügen. Am 5. und 6. d. M. fand in Przemysl ein Seniorenkonvent der Korporationen statt, der sich mit dem Statut und dem vom Präsidium vorgelegten Arbeitsprogramm befassen sollte. Das Mitglied des Präsidiums Dr Kupfer erstattete einen Bericht der bisherigen Tätigkeit der Leitung. Trotz vieler Hindernisse, die ihr von Seiten einiger Korporationen in den Weg gelegt wurden, gelang es ihr, die Grundlagen der Organisation zu schaffen. Dieselbe umfaßt IS Verbindungen und Vereine mit einer Gesamtzahl von ca. 8 0 0 Mitgliedern. Um eine gewisse Bulgarien Zionistisches vom Kriegsschauplatz Rustschuk. Ein Mitglied des zionistischen Landeskomitees von Bulgarien bekam von einem im Felde stehenden Freunde einen Brief, dem wir folgende Zeilen entnehmen: „Donnerstagabend hatte ich zusammen mit einigen jüdischen Soldaten und Gesinnungsgenossen eine Zusammenkunft im Hause des Herrn Josef Pinchos in Tschorlu (Thrazien). Wir sammelten bei dieser Gelegenheit 2 Francs für den Nationalfonds, die ich in unserer Zeitschrift auszuweisen bitte; diese Nummer wäre Herrn Pinchos in Tschorlu einzuschicken. Derselbe wünscht auch 20 Aktien von unserer zionistischen Bank auf Ratenzahlung zu übernehmen. Ueberhaupt gibt es hier viele Leute, welche Aktien kaufen wollen, so daß man einen großen Absatz finden könnte. Neun jüdische Gefangene aus dem türkischen Heere wurden im Städtchen S e v 1 i e v o interniert, das sonst gar keine jüdische Bevölkerung besitzt. In ihrer Vereinsamung wandten sie sich kollektiv an das zionistische Landeskomitee in Rustschuk um Unterstützung, welche ihnen auch gleich gewährt wurde. Das zeigt, daß in der Türkei in erster Reihe die zionistische Organisation als weltumspannendes Bindeglied allen Juden wohlbekannt ist." Frankreich Athereth Zion (Von unserem Berichterstatter.) Unter den zionistischen Vereinen nicht nur in Frankreich, sondern vielleicht in allen Ländern repräsentiert der Verein „Athereth Zion" einen eigenen Typus. Der junge Verein — er wurde vor etwas mehr als einem Jahre begründet — bezweckt nämlich neben der allgemeinen zionistischen Tätigkeit, für die er eifrig und mit Erfolg wirksam ist, seinen Mitgliedern die Dienste einer gegenseitigen Hilfskasse für Krankheit, Alter und Todesfall zu leisten. Es war dies sicherlich ein guter Gedanke des Begründers, Gg. S e g a 11, die Arbeit für unser Ideal mit den Aufgaben des Alltags zu verbinden. Beweis der Erfolg: in der kurzen Zeit seines Bestehens ist es dem Verein gelungen, zahlreiche Anhänger zu werben und ein Vermögen von über 2000 Francs zu sammeln; gewiß ein ermutigender Anfang. Der Verein gibt auch ein Monatsblatt im Jargon: „Der Jid in Paris“ heraus. Der Erfolg des jungen Vereins veranlaßte dessen Vorstand, einen Schritt weiterzugehen und die von ihm verfolgten Ziele in weiteren Kreisen zu propagieren. Herr Segall berief daher eine Konferenz aller Vereine, die für solche Ideen in Frage kommen. Etwa zwanzig folgten dem Rufe und beschickten eine Delegiertentagung, die unlängst unter dem Vorsitz unseres Gg. Dr. Marmorekin den Räumen der Volksuniversität stattfand und über einen eventuellen Zusammenschluß der Vereine beraten sollte. So gut die Idee an sich auch war, so konnte dieselbe noch keine feste Form annehmen, Programm und