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Die Welt · 1913-01-10 · 2 (10.1.1913) · page 1

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Journal
Die Welt
Volume
17 (1913)
Issue
2 (10.1.1913)
Date
1913-01-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
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DIE WELT BERLIN W15, SÄCHSISCHE STR. 8. ERSCHEINT JEDEN FREITAG ------ ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XVII. JAHRQ. BERLIN, 10. Januar 1913 Urvto T'önn 'X V2V '2 Nr. 2.; TXT 1—1 AI T. H. G. HEYMANN: Der Streit ^um Sombart. —Weltchronik. —'S. BERNSTEIN: Biln IL — Palästina- 5 1 i > I lr\L I . Rundschau.—Ans der Bewegung.—Geschäftl.Nachrichten.—Mitteilungen desHanptbnreans des J. N P. Der Streit um Sombart Das Getöse der Meinungen für und wider Sombart ist gedämpfter geworden. Zwei Jahre sind über seine große, ein Jahr über seine beiden kleineren, die Judenfrage behandelnden Schriften verstrichen, die erste Aufregung hat sich gelegt, und es sind neue Schriften erschienen, die es ermöglichen, das, was Sombart will, objektiver zu würdigen. Uns, der zionistischen Organisation, ist vorgeworfen worden, wir hätten uns seinerzeit mit Sombart identifiziert; das ist ebenso falsch, wie die neueste Behauptung, wir hätten ihn abgeschüttelt. Wir haben von Anfang an in unserer offiziellen Presse erklärt, daß wir uns sehr zahlreichen Grundgedanken schon seines Hauptbuches, einschließlich der Kernidee, der Auffassung der Juden als des „heißen Wüstenvolkes", die ja der leitenden Anschauung unserer Bewegung, der Seßhaftmachung unseres Volkes im Lande der Väter, polar entgegengesetzt ist, nicht anschließem können. Wir, die wir genau so intensiv wie irgendeine andere Richtung im Judentum für die Erhaltung und Erweiterung der staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern der Diaspora eintreten, haben ausdrücklich gegen den Sombartschen Vorschlag, die Juden sollten sich mit dem Status ihrer jetzigen Zurücksetzung in Deutschland ruhig abfinden, Verwahrung eingelegt. Ich erinnere auch daran, daß unser Freund Feiwel schon vor zwei Jahren in feinem öffentlichen Vortrag dem ganzen Versuch Sombarts, die jüdische Geschichte einseitig kapitalistisch aufzufassen, prinzipiell entgegengetreten, ist, indem er die innigen Zusammenhänge der jüdischen Kultur mit der Geda.:kenwelt des Sozialismus hervorhob. Was wir getan haben und bei sich bietender Gelegenheit heute noch genau in der gleichen Weise von neuem tun würden, das war, daß wir rückhaltlos anerkannten, daß sowohl das wissenschaftliche als auch das politische Vorgehen Sombarts die Erörterung des Judenproblems fruchtbringend förderte, daß Sombart mit dazu beigetragen hat, die Frage aus den seichten Niederungen der antisemitischen und Abwehrpolemik vor ein kultiviertes und europäisches Forum zu tragen. Unser großer Führer Herzl hat uns gelehrt, daß die alte Notabienpolitik, die Juden im Osten wie im Westen in totem Schweigen verkommen zu lassen, ein schwerer Fehler war, daß wir unser Elend und unseren Jammer vor die breiteste Oeffentlichkeit tragen müßten, daß nur in gemeinsamer Arbeit mit den Wohlmeinenden aller Nationen und Religionen und bei Berücksichtigung der berechtigten Interessen auch der Nichtjuden für unser armes jüdisches Volk Hilfe und Rettung zu erhoffen sei. Jeder Kongreß, jede Nummer unserer Preßorgane, jede Versammlung hat diesem Zweck gedient, die Besten unserer Jugend — es sei nur unseres Dr. Ruppin gedacht — haben seit vielen Jahren wissenschaftlich die Judenfrage, im scharfen Gegensatz zur alten, sogenannt philosemitischen Literatur, objektiv bearbeitet, in Statistik, Geschichte, Soziologie und Oekonomik. Und hätte Sombart in jedem Worte unrecht gehabt, es wäre unsere Aufgabe gewesen, den Bann des Totschweigens, der uns und ihn umgab, zu brechen. Viele, die uns nahestehen, manche unserer eigenen Freunde haben uns unrecht gegeben, Sombart für eine neue Spezies von Antisemiten erklärt: Mathias Acher — trotz seiner proteischen Wandlungen seit Jahrzehnten einer der besten Vorkämpfer unserer nationalen Wiedergeburt — hat uns wegen der Unterstützung Sombarts öffentlich getadelt. Wir haben stets an der Auffassung festgehalten, daß diese Freunde die Sachlage irrtümlich beurteilten, wir glauben, daß sie anders gedacht hätten, wenn sie Sombarts wissenschaftliche Vergangenheit besser gekannt hätten, und wir hoffen, daß auch sie jetzt anfangen werden, uns Recht zu geben. Denn es sind in der letzten Zeit -drei Schriften erschienen, welche die Angelegenheit in ein anderes Licht setzen. Rabbiner Dr. M. Hoffmann, der sich durch eine sehr gründliche nationalökonomische Arbeit über den „Geldhandel der deutschen Juden während des Mittelalters" sowohl um die Geschichte der Volkswirtschaft wie des Judentums verdient gemacht hat und der sowohl durch die Art seiner ökonomischen Studien wie als gesetzestreuer Talmudist auf dem ganzen Gebiet der Sombartschen Arbeiten über die Judenfrage Spezialist und Fachkenner ist, hat eine Artikelserie aus der „Jüdischen Presse" unter dem Titel „Judentum und Kapitalismus, eine kritische Würdigung von Werner Sombarts ,Die

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