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Die Welt · 1900-12-28 · 52 (28.12.1900) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
52 (28.12.1900)
Article
Die Feigheit der Juden
Date
1900-12-28
Page
5 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 52 „Die & Welt" Seite 5 bangen Sorge für den Tag, in der Anstrengung, nicht der Verzagtheit zu verfallen unter solchen Lebensbedingungen! Es sind die Reichen, die Cavaliere, die sich schlagen. Der Reichthum macht üppig und das Wohlleben schafft einen Ueberschuss an Säften, der sich in Muth und Uebermuth bethätigen will. Die Juden sind entsetzlich arm und die Armut macht demüthig, sie schafft — man blicke nur um sich — die rechte Hundedemuth. Den Juden verachten, weil er feig ist, heisst ihn verachten, weil er arm ist und leidet. Das ist es. was ich über die Legende von der Feigheit der Juden sagen wollte. Der Sieg der Kölner Zionisten. (Orig.-Corr. der „Welt".) Es war ein glücklicher Gedanke der Kölner Zionisten, sich diesesmal öffentlich an dem Kampfe um die Gemeindeinleressen zu betheiligen und den Zweiflern an unserer Sache zu zeigen, dass der Zionismus neben seinen fernerliegenden Zielen auch da einzutreten weiss, wo es sich um gegenwärtige Interessen des jüdischen Volkes handelt. Durch die wahrhalt glänzende Agitation der Zionisten in Köln ist es gelungen, bei den Repräsentanten- Wahlen einen Sieg zu erringen, der von weitreichender Bedeutung für unsere Bewegung und umso erfreulicher ist, als Köln den Stammsitz der «Zionistischen Vereinigung'' bildet. Die Zionisten haben si'-b bei dieser Wahl mit der conservativen Partei vereinigt, die ohne uns nicht stark genug jewesen wäre, um gegen die jüdischen Assimilanten, die s ogenannten Liberalen, einen entscheidenden Schlag auszuführen, ganz abgesehen davon, dass die Assimilation mit den unsaubersten Mitteln kämpfte; und alle Hebel in Bewegung setzte. Sowohl von unserer Seite, als auch von der conservaüven waren je zwei Candidaten aufgestellt worden, die wir gemeinschaftlich nach heissem, aber ehrlichem Kampfe in das Repräsentanten-Collegium hineinbrachten, Die Zionisten haben zur Wahl auch die ausländischen östlichen Juden herangezogen, und nur allein mit Hilfe dieser Zionisten erhielten wir die Stimmenmehrheit. Die Gegner suchten diese armen, von der Stadt geduldeten russischen Glaubensbrüder dadurch einzuschüchtern, dass sie zu dem brutalen Mittel griffen, diesen Armen mit Denuncierung bei derPolizei und mit Ausweisung zu drohen. Zu dieser antisemitischen Handlungsweise jener sogenannten Liberalen, die glücklicherweise ihren Zweck nicht erreichten, ist jeder Commentar überflüssig. Der Siegesjubel nach der Entscheidung am Abende des Wahltages ist umso begreiflicher, als die Zionisten durch die Wahl nicht nur unsere bewährten und tüchtigen Gesinnungsgenossen D. W o 1 f f s o h n und Van C 1 e e f ins Collegium brachten, sondern auch in beiden conservativen Candidaten Männer gewählt haben, die ebenfalls der zionistischen Bewegung sympathisch gegenüberstehen. Und nicht alleiu eine grosse Gefahr für den Gemeindefrieden wurde abgewendet, die Zionisten haben auch bewiesen, dass sie bereit sind, stets den Kampf gegen die Assimilation aufzunehmen und flammenden Protest gegen jene assimilatorische Gemeindereformiererei zu erheben, die dem jüdischen Volkswesen fremd ist. In den conservativen Kreisen ist man sich darüber klar, dass der bieg nur durch die Unterstützung der Zionisten erreicht worden ist. Der Dank für den grossen Wahlerfolg sollte auch unseren Gesinnungsgenossen seitens der conservativen Partei nicht vorenthalten bleiben: denn die zionistische Wählerversammlung, die unsere Vereinigung am selben Abende im Hotel „Rheinischen Hofveranstaltete, war so zahlreich besucht, wie nie eine zionistische Versammlung vorher. Herr Rechtsanwalt Dr. Bodenlieiiuer hielt eine glänzende Rede, in der er in besonders scharfen Worten das unwürdige Verhalten der Gegner rügte. Besonders hervorgehoben sei die mit unbeschreiblichem Beifalle aufgenommene Ansprache unseres verehrten Gesinnungsgenossen Herrn Dr. Klee, der uns auch während der Wahl mit Rath und That zur Seite stand. Der neugewählte Repräsentant Herr Wölfl'söhn dankte in längerer R.ecle auch im Namen seiner neugewählten Collegen für die Ehrungen der Versammlung, und erklärte, unerschütterlich für den Zionismus und das wahre Judenthum eintreten zu wollen. Ks traten an diesem Abende ausserdem noch die bereits dem C o 11 e g i u m angehören d e n R e p r ä s e n t a n t e n Herren Simon F r a n k und Moses G o 11 s c h a 1 k der zionistischen Vereinigung bei, neben verschiedenen anderen Gemeindemitgliedern. Wir haben somit im Repräsentanten-Collegium nebst den beiden Mandaten der Conservativen vier Sitze gewonnen. Unser Wahlerfolg reiht sich dem Wiener würdig an. Hoffentlich werden sich die zionistischen Siege mehren. S. D. In dem oben wiedergegebenen Wahlberichte wird erwähnt, mit welch traurigen Mitteln die Kölner Assimilanten arbeiteten, um sich vor einer Niederlage zu sichern. Die Kölner Zionisten haben nicht verfehlt, dieser Sorte von Gegnern die Antwort zu geben, die sie verdient. Eines der Circulare, welche die „Zionistische Vereinigung" in Köln versendete, hat folgenden Wortlaut: Zur Aufklärung! An die jüdischen Wähler! Welcher Wahlmanöver die Männer der „Toleranz" und des „Liberalismus" fähig sind, geht aus folgenden Thatsachen hervor, die wir nur zur allgemeinen Kenntnis zu bringen haben, um sie unschädlich zu machen. Man schickt zu den hier ansässigen ausländischen Glaubensgenossen Leute mit der Drohung, ihre Ausweisung herbeizuführen, falls sie von dem ihnen gesetzlich zustehenden Gemeindewahlrecht Gebrauch machen sollten. Einige der Führer dieser „Liberalenhaben bereits eine Anzahl dieser unserer ärmsten Brüder der Polizei denunciert, um ihre Streichung aus den Wählerlisten herbeizuführen. Das nennen unsere Gegner Toleranz und Freiheit der Ueberzeugung! Wehe der jüdischen Gemeinde, die sich einer solchen Führung anvertrauen wollte. Wehe aber auch denen, die herzlos ihre Stammesbrüder mit Weib und Kind dem Elend preisgeben wollen, weil sie nicht ihrer tragwürdigen Assimilation zu willen sind. Wir wissen wohl, dass viele unserer Gegner mit diesen Vorgängen keineswegs einverstanden sind und sie missbilligen. Warum protestieren sie nicht laut gegen solche Machenschaften? Warum geben sie solchen Elementen in ihrer Mitte Spielraum und lassen sie gewähren? Warum? Mit blutendem Herzen müssen wir denen unserer Freunde, welche sich durch diese Drohungen in ihr er Existenz bedroht glauben, den Rath geben, der Wahlurne ferne zu bleiben. Wir werden auch ohne sie den Sieg erringen können. Denen aber, die eine solche Taktik üben oder billigen, rufen wir zu : Herunter mit Euerer Maske, Ihr seid keine Reformer, Ihr seid Denuncianten und Verräther! Wer ein jüdisches Herz hat, wähle nur einen Candidaten der Wahlvereinigung für die jüdischen Gemeinde-Interessen, um zu zeigen, dass die grosse Masse unserer Brüder ein

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