Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 47 (23.11.1900)
- Article
- Die politische Gleichberechtigung der Juden
- Date
- 1900-11-23
- Page
- 7 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 47 „Die & Welt" Seite 7 Ich fasse das Gesagte zusammen. Geben Sie den Juden unverzüglich die bürgerlichen Rechte, denn indem Sie sie ihnen verweigern, können Sie wohl die Juden in Rumänien zu Parias machen, aber Sie machen zugleich die Rumänen zu den geistigen und sittlichen Parias der ganzen Menschheit. Geben Sie den Juden die politischen Rechte so lange nicht, als der Hass gegen sie bei Ihnen noch wild genug ist, dass Strolche hoffen können, eine fruchtbare Operation zu machen, wenn sie auf dieses Volksgefühl speculieren. Warten Sie mit der Emancipaüon, bis das rumänische Volk begriffen hat, dass Langfinger es unterjochen und ausplündern wollen, indem sie es gegen die Juden hetzen. Entschuldigen Sie die Offenheit meiner Sprache und empfangen Sie, Herr Director, den Ausdruck meiner Hochachtung." Das ist der Wortlaut meiner Antwort, die mir von einem Theile der Juden Rumäniens übelgenommen wurde. Sie haben sich in ihrem Aerger auch gegen den Zionismus aufgebäumt und ihn beschuldigt, sie in einem entscheidenden Augenblicke verrathen zu haben. Ueber diesen Punkt habe ich mich schon ausgesprochen, und darf es mir wohl ersparen, das einmal Gesagte zu wiederholen. Dagegen ist es nicht überflüssig, mich mit meinen rumänischen Brüdern, die ihr ganzes Heil von der politischen Gleichberechtigung erwarten, über die Emancipationsfrage auseinander zu setzen und ihnen an der Hand einer nunmehr hundertjährigen Geschichte zu zeigen, dass die politische Emancipaüon in all den Fällen, wo ihr nicht eine vollständige Ueberwindung des Judenhasses wenigstens bei der führenden Minderheit der geistig Vornehmen voraufgegangen war, den Juden zum schlimmsten Fluche wurde, da sie sie zur verbrecherisch leichtfertigen, thörichten Preisgebung ihres ganzen Besitzes an geistigen und sittlichen Erbgütern verleitete, ohne ihnen für dieses erschreckende Opfer auch nur den allergeringsten Ersatz zu bieten. Das nachzuweisen, sei die Aufgabe des folgenden Aufsatzes. (Fortsetzung in nächster Nummer.) ^^<WW^^«M*^«l^^^#aW^<>^^^^«l»l^<^^^^Wl»^^»^^^ll H Aufruf! Jüdische Mitbürger! Von altersher war es eine schöne und als Pflicht allgemein geübte jüdische Sitte, durch häufige Zusammenkünfte das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu stärken und lebendig zu erhalten, für Sammlung und Erhebung aller zu sorgen, in dem gemeinsamen geistigen Interesse die socialen Ungleichheiten vergessen zu machen und Einrichtungen, die nur den Wohlhabenden zugänglich, auch den Minderbegüterten zu öffnen. Aehnliehen Gedanken entstammte die seit mehreren Jahren in London eingerichtete sogenannte Toynbee- Halle, ein Volks haus im besten Sinne des Wortes; eine Stätte, an welcher die Reichen und Studierten mit den Armen und Unwissenden Fühlung suchen; ein Boden, auf dem alle Schichten der Gesellschaft sich zusammenfinden; wo die Kinder der Reichen für jene der Armen Spiele arrangieren und sich mit ihnen in kindlicher Weise ergötzen. Hier in der grossen österreichischen Metropole mit ihrer zahlreichen armen jüdischen Bevölkerung eine derartige segensreich wirkende Anstalt ins Leben zu rufen, ist unsere Absiebt. Vom 2. December angefangen ist die „Jüdische Toynbec-Halle" XX., Webergasse 13, Parterre (nahe der Brigittabrücke) von 7 bis YjlO Uhr abends geöffnet und jedermann zugänglich. Die geistige Anregung, die wir bieten, soll in Vorlesungen, Vorträgen, Discussionen — mit Ausschluss von Politik — Concerten etc. bestehen. Das Programm für die erste Woche ist wie folgt: Montag: Musik und Declamation. Dienstag: Discussion. Mittwoch; Jüdische Geschichte. Donnerstag: Vortrag. Freit a g: Bibelerklärung. Samstag: Leseabend. Sonntag: Vortrag. Wir laden hiermit zur Eröffnungsfeier der „Ersten jüdischen To y n bee-Halle in Wien" auf Sonntag den 2. December, abends6 Uhr, im Locale selbst ein, und bitten alle, die sich für die Einrichtung der Toynbec-Hallca interessieren, bestimmt zu erscheinen. Wien, 12. November 1900. Für das Gomite: Professor Dr. Leon Kellner XVIII., Gersthoferstr. 89. The Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited. Bekanntmachung. i. Es wird hierdurch die folgende wichtige Mittheilung zur Kenntnis der Actionäre gebracht: Die Gonsequenzen des Beschlusses des Directoriums vom 20. September 1900 betreffend Actionäre, welche mit ihren Zahlung im Rückstände und bis zum 1. November 1900 ihren Verpflichtungen nicht, nachgekommen sind, sind am heutigen Tage operativ 'geworden und demgemäss alle subscribierten Actien und die darauf angezahlten Beträge seitens rückständiger Actionäre nicht nur der Verwirkuug'ausgesetzt, sondern auch könnten nach § 44 unserer Statuten, trotz der eventuellen VerWirkung/, die Actionäre^ für^Zahlung" der restlichen Raten ''gesetzlich haftbar gemacht werden. Es könnte das Directorium daran schreiten, diein § 37