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Die Welt · 1900-11-09 · 45 (9.11.1900) · p. 3

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
45 (9.11.1900)
Article
Die Consequenz
Date
1900-11-09
Page
3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 45 „Die 2$ Welt«* Seite 3 werden? ist sehr bald das Problem geworden: Wie kann der religiöse Gehalt des Judenthums gerettet werden, unter Ausmerzung des eignen Volksthums und der Einfügung in ein fremdes? Schon das erste Problem ist von vielen durch die Taufe beantwortet worden. Das zweite aber muss geradezu mit eiserner Consequenz die Taufe heraufführen. „Nicht völlig reif ist diejenige Schiebt — sagt Levita — die, wenn auch nicht strenggläubig, doch auf ihr Judenthum Werth legt, den Religionsunterschied für gleichgiltig erklärt, den Stammesgegensatz übersieht und demgemäss das Vorliegen einer Judenfrage bestreitet." (Das ist dasHeer der Indifferenten, der Pietätvollen, der Resignirten und der Naiven). »Reif dagegen, überreif sind diejenigen Schichten, die religiös wie national vom Judenthnm losgelöst, in ihm nur eine schwere, unnütze Last sehen und nichts wünschen als unterzusinken im Strome des deutschen Volksthums". (Das aber sind die Kii-chenjuden und die Jörn Kippur-Vormittags-Israeliten.) Es gibt eben nur zwei Lösungen in der Judenfrage: die Taufe — und den Zionismus, unseren Zionismus, der unser jüdisches Vol k sth um zu neuer Kraft und Blüte bringen will. Unser Volkslhum ist aber weit und gross genug, um alle Schattierungen religiöser Ueberzeugung aufzunehmen und der Cultur aller Völker bei uns eine Stätte zu geben. Was war die Geistesarbeit unserer Gelehrten im Mittelalter anderes, als den culturellen Gehalt der damaligen Welt dem Judenthum nutzbar zu machen! Und wie gross war die Differenz in den religiösen Anschauungen unserer Philosophen! Das Judenthum hat darunter nicht gelitten. Im Gegentheü: es wurde ausgebaut und neu gefestet Und diese Renaissance konnte gezeitigt werden, weil sie alle fest wurzelten in ihrem Volke und seiner Zionssehnsucht. Unser heutiger Zionismus ist nicht die Fortsetzung der letzthundertjährigen Entwicklung. Er knüpft noch einmal dort an, wo Mendelssohn mit unzulänglichen Mitteln und fremdnationalen Zielen begonnen hat. Die technische Erschliessung Palästinas.*) Aus der Bekanntmachung, die wir an leitender Stelle unseres Blattes bringen, kann man am besten ersehen, dass die Frage der technischen Erschliessung Palästinas für uns Zionisten heute schon actuell geworden ist. Umso freudiger ist es zu begrüssen, dass die gesinnungsgenössischen Techniker in den verschiedensten Ländern dieser Frage das grösste Interesse entgegenbringen. Insbesondere hat die in der vorletzten Nummer veröffentlichte Anregung, die zionistischen Techniker mögen sich zum Zwecke gemeinsamer systematischer und zielbewusster Arbeit zu einer Gesellschaft zusammenthun, die sympathischeste Aufnahme gefunden. Wir sind in der Lage, mitzutheilen, dass sich in Wien bereits dieser Tage ein Comite constituiert hat, aus Fachmännern zusammengesetzt, die dem Gegenstande bereits längere und eingehende Studien gewidmet haben. Das Comite ist zur Zeit mit der Ausarbeitung der Statuten und des Arbeitsprogrammes für die zu gründende „Gesellschaft der zionistischenTechniker" beschäftigt. Wir werden darüber nächstens ausführlich berichten. Nachstehend veröffentlichen wir die weiters eingelangten Zuschriften: V Lublin, den 29. Oclober 1900. Löbliche Redaction! Mit der grössten Begeisterung habe ich den Artikel „Die technische Erschliessung Palästinas" gelesen und bin mit Freuden bereit, mich *) Vgl. Nummer 43, 44. der neuzugründenden Gesellschaft anzuschliessen. Ich war sechs Jahre in Palästina, wo ich bereits im Jahre 1S93 in ähnlicher Richtung arbeiten..wollte. Ich erlaube mir, Ihnen die Nummer 6 der „Selbst-Emancipation" vom Jahre 1893 beizulegen.**) Mit Zionsgruss Dr. Max Spiro. VI Paris, am 30. October 1900. Sehr geehrte Redaction! Voller Freude las ich den Artikel „Die technische Erschliessung Palästina su, den Sie in Ihrer Nummer 43 brachten, und ich bin überzeugt, dass der Vorschlag unseres anonymen Gesinnungsgenossen volle Würdigung und Beherzigung bei allen zionistischen Fachleuten finden wird. Ich will gerne meine Fachkenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiete der pharmaceutischen Industrie — deren Producte sich in Palästina leicht und billig herstellen Hessen und sicherlich ein grosses Absatzgebiet fänden — in den Dienst unserer zionistischen Bestrebungen" stellen. Wollen Sie also mich gefälligst als Dienstbereiten betrachten und meine völlige Zustimmung zu den Ausführungen des oben erwähnten Artikels entgegennehmen. Hochachtungsvoll und mit Zionsgruss Ihr ergebener L. Klepper, Mag. Pharm., diplom. Apotheker, 143 Bd Menilmontant. VII Pinsk (Russland), 31. October 1900. Geehrte Redaction! Als diplomirter Chemiker und Fabrikant vonOelen und Chemikalien erkläre ich mich gerne bereit, der Gesellschaft zur industriellen Erforschung Palästinas beizutreten. Hochachtungsvoll Gregor Lourie. VIII Hamburg, 4. November 1900. Geehrte Redaction! Ich erkläre mich bereit, dem Verein zur technischen Erschliessung von Palästina beizutreten und bin gerne gewillt, meine Kenntnisse und Erfahrungen speciell in der Oelbranche zur Verfügung zu stellen. Hochachtungsvoll Dr. L. Allen, Inhaber eines chemisch-technischen Untersuchungs-Laboratoriums. IX Wilna, 1. November 1900. Geehrte Redaction! Mit inniger Herzensfreude las ich die wichtige Anregung des Artikels „Die technische Erschliessung Palästinas". Derselbe Gedanke beschäftigt mich schon seit langer Zeit. In der Nummer 79 vom 12. October d. J. veröffentlichte ich im „Woschud" einen Artikel: „Ueber die industrielle Entwickelung Palästinas". Ich endigte mit folgenden Schlussworten: „Der Zweck dieser Zeilen ist, die ernsteste Aufmerksamkeit der zionistischen Praktiker, Techniker und Unternehmer darauf zu lenken, *») In dieser Nummer regt Herr Dr. Spiro, welcher früher Leiter einer Zuckerfabrik in Deutschland war, die Gründung einer Rohzuckerfabrik in Palästina an.

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