Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1900-10-19 · 42 (19.10.1900) · p. 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
42 (19.10.1900)
Article
Die Bibel im Lichte eines ägyptischen Archivs aus dem XIV. Jahrhundert v. Chr.
Date
1900-10-19
Page
12 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315850-3315894-3373317--22462-3373407
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 12 „Die x£ Welt" Nr. 42 Gemeinsamkeit des Cultus ausdrückte, dabei aber auf die Unterordnung unter Juda hinauslief, entgegengearbeitet hat, indem er bekanntlich zwei goldene Kälber in Dan und Bet-El aufstellte- Doch sind die psychologischen Analogien. dieWinckler herbeibringt, um die Lebensfähigkeit politischer Legenden nachzuweisen so allgemeiner und abstracter Natur, dass sie lange nicht hinreichen, um die noch abstractere Verum thung zu stützen. . to . Die Theorie Wincklers mag m ihrem ersten Theil, d. i in der Annahme einer allmählichen Einwanderung der Hebräer nach den Tell-Amarna-Tafeln und nicht einer einheitlichen Eroberung, viel Wahrscheinlichkeit für sich haben, in ihrer zweiten These: Micraim-Mucri, bleib* sie ein phantastisches Kunststückchen. Dieser extremen Anschauung soll nun eine andere folgen, die sich zwar der Identifizierung Habiri-Hebräer anschliesst, jedoch zu anderen Schlussfolgerungen bezüglich der Geschichtlichkeit des Auszuges aus Aegypten gelangt- Es ist ein Mittelweg, ein Compromiss gewisser massen zwischen den biblischen Nachrichten und den T. A. B., den Glaser vorschlägt, an Wincklers Grundgedanken (Habiri- Ibrim) anknüpfend. Glaser stimmt dieser Gleichsetzung schnell zu? erblickt aber im Namen a*H2JJ eine ganz andere Bedeutung als Winckler. Während nach Letzterem der Name in seiner appellativischen Bedeutung „den Gegensatz zwischen ländersuchenden, in der Einwanderung begriffenen Nomaden und bereits ansässiger Bevölkerung" zum Ausdruck bringt, also etymologisch von — wandern abgeleitet wird, bedeutet nach Glaser Ibrim - „Transpotamier, Leute vom Jenseits des Stromes (Euphrat)" (von -QP — das jenseitige Ufer), vom babylonischen Standpunkte gesehen all diejenigen Stämme umfassend,rwelche w e s 11 ic h vom Euphrat wohnten. Diese Stämme haben den ihnen von den Babyloniern beigelegten Namen „Ibrim"-Jenseitige überall, wohin sie wanderten, mitgenommen. Von dieser Bestimmung des Namens ausgehend, vermuthet Glaser, dass die Hebräer in den T. A. B. nicht identisch seien mit den damals noch in Aegypten wohnenden Hebräern der Bibel. ,.Die gemeinsame Bezeichnung drückt bloss den gemeinsamen Ursprung aus Ebir-Näri (Mesopotamien) aus, doch nicht die Identität. Die Tell-Amarna-Tafeln schildern den Einfall hebräischer Stämme aus Transpotamien in Süd-Palästina, begünstigt wahrscheinlich durch Babylonien, welches dem geschwächten Aegypten seine asiatischen Provinzen zu entreissen suchte. Diese Kämpfe, die noch lange andauern mussten. blieben nicht ohne Einfluss auf die in Aegypten sesshaften Transpotamier (Hebräer), die vielleicht gerade infolge der Einfälle ihrer euphratensischen Stammeseenossen seitens der Pharaonen hart behandelt wurden." Nach einiger Zeil versuchten auch sie endgiltig das ägyptische Joch abzuschütteln, und auch ihrerseits einen "Theil der bis dahin ägyptischen Provinzen zu besetzen. Hommel leitet den Namen: Habiri von ^211 Genosse ab. Die Einfälle der Habiri decken sich nach ihm; in keinem Falle mit der Besitznahme Kanaans durch die' Israeliten. „Die einzige Möglichkeit ist die, dass schon1 circa 1400 eine Abtheilung der Israeliten von Gosen her,1 den Versuch gemacht hätte, Palästina zu erobern, worauf dann erst unter Ramses III. die endgiltige Eroberung erfolgt wäre.'- In der That führt Max Müller in seinem „Asien und Europa" den Nachweis, dass der Stamm Asser sicher schon gegen 1350 unter Seti, dem Vetter Ramses II. in Westgaliläa ansässig war, also ein Vorläufer seiner Brüder gewesen ist. Stade, der bekannte Bibelkritiker, erblickt in denj Tell-Amarna-Tafeln nur eine Bestätigung für die von ihmj in seiner „Geschichte des Volkes Israel" ausgesprochenen1 Auffassung der Eroberung Palästinas durch die Israeliten.. Indem er die Gleichstellung Habiri-Ibrim völlig verwirft, meint er anderseits, dass die politische Situation in Kanaan, wie sie die Tell-Amarna-Briefe schildern, ganz identiseh sei mit dem Bilde, das wir aus den Büchern „Josua und Richter" gewinnen. Auch hier treten uns eine Menge Kleinstaaten ent-( gegen, die einander befehden, und so den eindringenden Israeliten die Eroberung erleichtern. j Nur in dieser Beziehung bieten uns die Tell-Amama- Urkunden eine wertvolle Ergänzung zu den biblischen Berichten. Im Uebrigen beweisen sie - weder für noch gegen die Geschichtlichkeit des Auszuges aus Aegypten, den die bibelkritische Auffassung aus ganz andern Gründen — wenn auch nicht leugnet, so doch bedeutend restringiert. Die Schwestern. Erzählung von S. Gordon. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Aber ich muss Bedenkzeit haben — nicht meinetwegen, sondern um Ihretwillen," sagte sie, ohne seine Worte zu beachten, „ich muss mich erst durch klares Denken und Ueberlegen stärken, um jetzt alle Hindernisse und — sollten mir in Zukunft welche bevorstehen — später alle Vorwürfe zu überwinden, denn nur dann werde ich mir sagen können, dass nicht Ihr ungestümes Drängen, sondern mein eigener freier Wille mein Leben so gestaltet hat. Glauben Sie mir, das wird für uns beide besser sein. Und noch eines: meiden Sie mich bis dahin, lassen Sie mich unbeeinflusst allein zu einem Entschlüsse kommen : wollen Sie mir diese Bitte gewähren?* Er warf ihr einen raschen Blick des Argwohns zu: aber als er ihr in die klaren Augen sah. schämte er sich. Er nickte mit dem Kopfe. „Gut, es sei, aber Du musst mir auch eine Bitte gewähren: Du has* mir noch nicht gesagt, was mein Herz von dem Deinen zu hören wünscht." „Hat mein Schweigen es nicht deutlicher gesagt, als es alle meine Worte vermöchten?" fragte sie. „Ich will auch Deine Worte hören. Sage mir nach : Otto, ich liebe Dich." Sie gehorchte. — auch als er es noch einmal hören wollte. „Weisst Du, weshalb ich Dich darum gebeten habe? Weil ich weiss, dass dieses Geständnis Dir nun in den Ohren klingen und Dich ermahnen wird, sollte Deine Umgebung zu laut zu Dir sprechen. Du wirst daran denken und nicht schwanken. Oder nennst Du das vielleicht auch einen ungebürlichen Einfluss?" fügte er mit einem leisen Anflug von Scherz hinzu. Sie lächelte matt. „Nein, weil Sie mich davor gewarnt haben." „Jawohl, das ist richtig," rief er rasch aus, während sein ganzes Gesicht vor Freude strahlte, „hüte Dich davor: Du machst die Erfahrung wahrscheinlich zum letztenmale." Sie blickte ihn verwirrt an. „Weil es," erklärte er. „nachher immer meine Aufgabe sein wird, Dich zu beschützen, über Dich zu wachen. Dein Schirm und Schild zu sein. Und deshalb bitte ich Dich, nur dieses einemal noch Dich selbst zu beschützen." „Mein Schirm und Schild," wiederholte sie leise, während sie ihn von Kopf bis Fuss betrachtete, „wie wohl einem dabei zumuthe sein muss — ich werde daran denken. Adieu!c Sie hielt ihm die Hand hin. „Ist das alles?" fragte er, indem er sie ergriff und festhielt. „Alles, bis — —" „Bis wir uns wieder haben, um uns nie wieder zu trennen," sagte er inbrünstig, „ich muss wohl zufrieden sein." Er musste wohl, denn im nächsten Augenblicke hatte sie ihn verlassen und gieng raschen und sicheren Schrittes durch das Gestrüpp, aber er hatte den Blick noch gesehen, mit dem sie von ihm gegangen war, und der war mehr als eine Liebkosung. Zillah trat leise in den Laden. Jeiteles wog Zucker ab in der Nähe des Fensters, diese Arbeit konnte man ihm ruhig überlassen, denn Rhadamanthus, der oberste Richter in der griechischen Unterwelt, war sicher nicht kritischer in seinen Urtheilssprüchen, als Jeiteles in der Handhabung der Wage. Er gab nie Uebergewicht: das betrachtete er als seinen Nebenverdienst Aus der Küche drangen Stimmen an ihr Ohr. Salka fuhr bei ihrem Eintreten zusammen und sah sie mit einem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.