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Die Welt · 1900-10-12 · 41 (12.10.1900) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
41 (12.10.1900)
Article
Dienstbotenzöglinge
Date
1900-10-12
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 41 „Die $t Welt" Seite 5 bilden wollen, ihre Namen in der „Welt" einreichten, dass auch die zionistischen Frauenvereine sich betheiligten, damit alle untereinander in Verbindung treten; dann nur ist ein einheitliches, erfolgreiches Vorgehen ermöglicht. Nicht umsonst soll an das Herz der jüdischen Frau appelliert werden. Wir wollen zeigen, dass wir es haben, das echte jüdische Herz, aber auch, dass wir gewillt sind, es zu bethätigen. Der Zionismus und die englischen Wahlen. Wir erwähnten bereits in unserer letzten Nummer, dass sieh eine grosse Anzahl englischer Parlaments- Candidaten zugunsten des Zionismus geäussert habe. Diese Antworten erfolgten über ein Circular, das die „English Zionist Federation" an sämmtliche Bewerber um ein Parlamentsmandat versandte. In diesem Rundschreiben werden die Bestrebungen des Zionismus erläutert, deren Realisierung allein imstande sei, das schwere Juden-Problem zu lösen. Zum Schlüsse heisst es: „Im Namen von Freiheit und Humanität, inUebereinsümmung mit den grossen, erhabenen Traditionen Englands trete ich an Sie mit der Bitte heran, Ihren Einfluss bei der Regierung dahin zu verwenden, dass sie dem Zionismus sympathische Beachtung widme und sich erforderlichenfalls für seine Bestrebungen einsetze bei denjenigen Mächten, welche Interessen in Palästina und Syrien vertreten." Die an die „English Zionist Federation" gelangten Antworten lauten überaus günstig für den Zionismus. So schreibt Sir Israel Hart, „dass die zionistische Bewegung seine volle Sympathie besitze, und dass er sich zu jeder Zeit für den Zionismus mit seinem ganzen Eiuflusse einsetzen wolle". Mr. B. S. Strauss schreibt: .Ich habe stets mit dem Zionismus sympathisiert und bin der Meinung, dass er die einzige Lösung der Armen-Einwanderungs-Frage darstellt, die für East London so grosse Wichtigkeit besitzt" In Portsmouth haben sich die Liberalen Sir John Baker und Thomas Bramsdon, in Bradford sämmtliche Candidaten für den Zionismus erklärt. * W. Theodor D o x f o r d, Candidat für Sunderland, schreibt: „Ich habe die grössten Sympathien für die zionistische Bewegung und bin entschlossen, im Falle meiner Wahl meinen ganzen Einfluss aufzubieten, um der Federation zur Erreichung ihres Zieles zu verhelfen." G. B. Hunter schreibt, er werde alles, was er vermöge, daransetzen, um in der von der Federation vorgezeichneten Richtung zu wirken und sich für die Erlangung eines Charters zum Zwecke der Begründung einer öffentlich-rechtlichen Heimstätte in Palästina mit aller Kraft einsetzen. * Wie unser Correspondent ferner berichtet, beträgt die Zahl der auf das Circular der „Federation-4 eingelaufenen Antworten bereits über hundert. Auch die Presse hat von der Action der „Federation" entsprechend Notiz genommen. Denselben Erfolg wie die „Federation" erzielten die Local-Organisationen, die in vielen Fällen Zustimmungs-Kundgebungen von Seiten der Candidaten erhielten. Eine bemerkenswerte Erscheinung verdient noch hervorgehoben zu werden, die nämlich, dass oft die Candidaten beider Parteien ihre Sympathie für die zionistische Bewegung bekundeten. Noch bemerkenswerter ist die Thatsachc, dass manche der Sympathie- Kundgebungen von Bezirken herrühren, in denen es kaum ein DutzendJuden gibt, so dass es lächerlich wäre, hier von einem Stimmenfang sprechen zu wollen. Einzelne Candidaten machten allerdings ihre Unterstützung davon abhängig, dass die Juden für sie stimmten, verpflichteten sich aber überdies, falls sie nicht gewählt würden, dem Zionismus den Weg ins Parlament zu bahnen. Ein Interview mit Sir Samuel Montagu. (Orig.-Corr. d. „Welt".) Eine aus den Herren A. Wiener, Rev. Monson und L. Fried bestehende Abordnung des Zionisten- Vereines in L e e d s (Leeds Zionist Association) hatte mit dem dortigen Parlaments-Candidaten Sir Samuel Montagu eine Unterredung über den Zionismus. „Sind Sie mit dem politischen Zionismus einverstanden?u fragte der Sprecher der Deputation. „Ich selbst" — entgegnete Sir Samuel Montagu — „kann mich an dem politischen Zionismus aus zwei Gründen nicht activ betheiligen. Erstens wegen meiner Stellung im öffentlichen Leben Englands, und zweitens, da ich immer ein praktischer Geschäftsmann gewesen bin, finde ich in der Bewegung vorläufig nichts zu thun, weil jetzt noch keine praktische Arbeit geleistet wird." „Werden Sie" — fragte der Sprecher — „die praktische Arheit des Zionismus unterstützei-f'?" „Ich werde der erste sein, der seine Unterstützung leihen wird, sobald es zu praktischer Arbeit kommt, wie ich ja auch an der Colonisation thätigen Antheil genommen habe, als etwas geleistet wurde." „Sind Sie gegen den Zionismus?" „Der Zionismus ist etwas sehr Gutes für die ausländischen Juden; er hält sie alle zusammen. Aber wir geborenen Engländer haben da nichts zu schaffen, so lauge es keine praktische Thätigkeit gibt. Ist dies einmal der Fall, so bin ich bereit, alles, was iu meinen Kräften steht, für die Juden zu thun." „Glauben Sie, dass der Zionismus Gutes bringen kann?" „Ich glaube, dass er mit der Zeit vieles schaffen und erreichen kann, und dann werde ich auch mithelfen, wie ich denn niemals gezögert habe, für die Juden zu thun, was mir möglich war. Die ausländischen Juden haben im Zionismus nichts zu verlieren und viel zu gewinnen." Nachdem die Mitglieder der Deputation mit Sir Samuel Montagu noch lange über die traurige Lage des jüdischen Volkes gesprochen hatten, sprach er beim Abschiede seine Ueberzeugung aus, dass die Judenfrage noch zu seinen Lebzeiten im "Rathe der Mächte aufs Tapet kommen und dass es dann ein Leichtes sein werde, unsere Ansprüche auf das Land unserer Ahnen geltend zu machen. Auch erzählte Sir Montagu, dass er zur Zeit seines Aufenthaltes in Palästina zwei Grundstücke zum Preise von 1000 Pfund erstanden, sie dann für 20UO Pfund verkauft und den Erlös den „Chovevi Zion" für palästinensische Colonisationszwecke zugewandt habe. L. Fried. Weltchronik. Die Wiedereröffnung des „Beth Hasepher" in Jaffa. Wie wir bereits in unserer vorigen Nummer berichtet haben, hat das Odessaer Centralcomite der russischen „Chowewei Zion" beschlossen, die hebräische Knaben- und Mädchenschule wieder zu eröffnen, und für deren finanzielle Sicherstellung Sorge zu tragen. Nun theilt „Hameliz" weitere Einzelheiten mit. Bekanntlich hat Herr Barbasch aus Odessa auf dem vierten Zionistencongress bekanntgegeben, dass er vom

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