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Die Welt · 1900-09-21 · 38 (21.9.1900) · p. 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
38 (21.9.1900)
Article
Eine französische Zeitung über die Lage der Juden in Rumänien [Kommentar]
Date
1900-09-21
Page
5 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 38 ,Die j£ Weif Seite 5 In der öffentlichen Gemeindeschule von Podul-Turcul gibt es kein einziges jüdisches Kind. Noch mehr! Am Beginne des Schuljahres hatte man 16 jüdische Kinder in diese Schule aufgenommen. Vier Monate später hat man sie kurz, ohne Umstände, davongejagt. Der „Egyenlöseg" zum drittenmale. Mit einer Promptheit, als gälte es, einen Zionisten- Congress todtzuschweigen, quittiert Herr Max Szabolcsi die Bemerkungen, die wir in unserer jüngsten Nummer an die Haltung seines Blattes geknüpft haben. Er will seinen Lesern einreden, dass wir uns ärgern und beweist dies, indem e r unflätig schimpft. Nachdem er die alberne, hirnverbrannte Beschuldigung, die wir schon hundertmal mit \ erachtung von uns gewiesen hatten, nämlich die bösartige Ausstreuung, .dass die zionistische Propaganda an der rumänischen Judenauswanderung Schuld trage, zum tausendstenmale wiederholt hat, erdreistet er sich, den Zionismus als eine „Schlechtigkeit", als einen „grossen Schwindel" zu bezeichnen — diese unsere reine Bewegung, die den hochsinnigsten Leuten unserer Zeit, einer Bertha v. S u 11 n e r, einem Dunant, einem Bernard L a z a r e, einem Cesare Lombroso, Achtung und Sympathie eingeflösst hat. Nachdem Herr Max Szabolcsi sich solchergestalt ausgetobt hat, wirft er uns — Ungezogenheit vor. „Die Welt" hätte, „indem sie vorgab, für ein Princip zu kämpfen," seine — des Herrn Szabolcsi — Person herabgesetzt Da hört aber verschiedenes auf. Wir appellieren an jeden unbefangenen Menschen, der die Notizen über den „Egyenlöseg" in unserer vorigen Nummer gelesen hat, uns gefälligst zu sagen, wodurch wir die Person des Herrn Szabolcsi herabgesetzt haben. Wir haben die Ansicht geäussert, dass Herr Szabolcsi zur Belehrung über den Zionismus ganz unberufen ist. Liegt hierin etwas Ehrenrühriges, eine Herabsetzung? Richtig: wir haben auch von Herrn Szabolcsi und seinen Spiessgesellen aus der ehrsamen Zionistentödterzunft gesprochen. Das ist freilich etwas drastisch gesagt; eine ehrenbeleidigende „Herabsetzung" ist es nicht einmal für die — Spiessgesellen. Wir haben Herrn Szabolcsi und seinen antizionistischen Mitarbeitern weder „grossen Schwindel" (vilägcsaläs), noch „Schlechtigkeit" (hitvänysäg), noch auch die Urheberschaft an irgendeinem Massenunglück vorgeworfen .. . Du lieber Himmel, wer da weiss, mit welchem Uebelwollen, mit welcher masslosen Gehässigkeit in den Spalten des „Egyenlöseg" seit Jahr und Tag gegen den Zionismus gekämpft wird, was da alles an böswilligen Entstellungen und unqualificierbaren Verdächtigungen Woche für Woche abgelagert wird, der wird es wohl begreiflich finden, dass wir von der antizionistischen Garde des „Egyenlöseg" nicht gerade liebe- und respectvoll sprechen. Im übrigen rufen wir zum zweitenmale alle unbefangenen Leute zu Zeugen dafür an, dass unsere vorwöchentlichen Angriffe auf den „Egyenlöseg" die Grenzen einer anständigen, sachlichen Kritik nicht überschritten haben. Bei diesem Sachverhalte von „Ungezogenheit" und „Betyärenart" su sprechen, das bringt nur zuwege, wer über eine unbequeme Wahrheit sehr erbost ist. Herr Szabolcsi zieht aus dem Umstände, dass wir ihn nicht wegen seiner Angriffe auf den Zionismus, sondern wegen seines Schweigens über den Congress zur Rede gestellt haben, die Schlussfolgerurig, dass wir es gerne sähen, wenn er dem Zionismus Reclame machen wollte. Das ist grundfalsch. Wir sind nach der Reclame des Herrn Szabolcsi auch nicht ein bisschen lüstern. Wir wissen uns über seine Angriffe zu trösten und würden ebenso sein Stillschweigen verwinden. Wogegen wir uns im Namen der journalistischen Wohlanständigkeit verwahrt haben, ist nur die sinnreiche, aber keineswegs einwandfreie Combination beider Praktiken. Herrn Szabolcsi steht es frei, uns nach Belieben entwedertodtzuschlagen odertodtzuschweigen. Es geht aber nicht an, dass er einerseits all die Zeit her an unseren fleckenlosen Absichten in einer Weise herummäkle, die wir nicht näher bezeichnen können, ohne seine Person „herabzusetzen", und dass er andererseits plötzlich nichts von uns zu melden wisse, wenn wir auf unserem Congresse die Vernünftigkeit und Redlichkeit unserer Intentionen vor aller Welt documentiert haben. Gegen diese heimtückische Kampfart haben wir uns gewehrt, als wir Herrn Szabolcsi ein wenig auf die vor den Mund gehaltenen Finger klopften. Moritz Zobel. Weltchronik. Die Gross-Juden und die rumänische Regierung. Die „Neue Freie Presse* brachte in ihrem Abendblatte von Freitag, dem 14. September folgende Notiz: (Das rumänische Cigarettenpapier-Monopol.) Aus Bukarest wircf uns telegraphiert: Das Cigarettenpapier-Monopol wurde der Berliner Disconto-Gesellschaft um 15 Millionen Francs auf zwölf Jahre verpachtet Damit ist die Geldnoth Rumäniens behoben, der drohende Staatsbankerott beseitigt, und Rumänien kann die fälligen Zinsen seiner Schuld bezahlen. Auf diese Geldnoth setzte die Assimilations-Judenschaft ihre ganze Hoffnung. In den Blättern dieser Couleur konnte man es täglich lesen: Niemals werden Juden diesem Staate, der so gegen unsere Brüder handelt, niemals werden sie ihn aus seinen Nöthen befreien, höchstens, wenn die verfassungsmässigen Garantien für die bürgerliche Gleichstellung der Juden geboten sein werden. Nun, da die Gross - Judenschaft dem rumänischen Staate beigesprungen ist, ist doch wohl die Frage berechtigt: Haben die Bleichröder und Consorten an ihre jüdischen Brüder bei diesem Geschäfte gedacht? U. A. w. g. Grenzsperre gegen den Zionismus empfiehlt das Organ der ungarischen Assimilanten, der „Egyenlöseg", in einem Artikel, mit dem wir uns an anderer Stelle eingehend beschäftigen. Hier wollen wir bloss zur Erheiterung unserer Leser einige Stellen aus diesem Artikel in wörtlicher Uebersetzung wiedergeben: „Der Antisemitismus zeugt den Zionismus, dann aber zieht dieser seinen Erzeuger gross. Darum dürfen wir ihn nicht über die Grenze ziehen lassen, und wenn er sich dennoch einnisten sollte, lasst uns gegen ihn ankämpfen wie gegen ein e gef äh r Ii c he Seuche. Umsomehr, als ja auch in unserem Vaterlande der offene Antisemitismus das Haupt erhebt, dieser aber den Boden für den politischen Zionismus urbar macht . . „Gott bewahre uns davor, dass sich in uns auch nur für einen Augenblick das ungarisch-patriotische Gefühl lockere. Mit dem Antisemitismus werden wir schon fertig werden, den werden wir schon irgendwie niederringen, denn es werden ja in diesem Kampfe die Besten der Nation mit uns sein; jedoch der Zionismus, der frisst uns auf. Denn sein Sieg würde bedeuten, dass wir uns selbst, unserem traditionell gewordenen Uugarthume, untreu geworden sind; das wäre aber unser moralischer Tod." Wie die Judenfrage zu lösen wäre, darüber liess sich der bekannte Graf Pückler dieser Tage in einer Berliner Volksversammlung wie folgt vernehmen: „Wenn wir etwas er-

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