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Die Welt · 1900-09-14 · 37 (14.9.1900) · p. 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
37 (14.9.1900)
Article
Was soll er werden?
Date
1900-09-14
Page
15 (sequence 4)
Language
German
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Nr. 37 „Die 2& Welt" Seite 15 „Dieser Thee ist -wirklich grossartig, solche Qualitäten kommen selten hier in den Handel; er ist auch theuer, aber gut, sehr fein, Herr Director. Wenn man sich in der guten Gesellschaft an den Thee gewöhnen wird, dann kann ich davon leben. — Aber kein Almosen, Herr Director, kein Almosen! Wenn er Ihnen nicht schmeckt, dann vergessen Sie daran, bitte." So schloss er seine Mittheilungen. Director Conty hatte zuletzt kaum mehr gehört, was der kleine Mann vor ihm sprach. Ihn beschäftigte eine sonderbare Frage. „Sagen Sie, werter Herr," begann er nach einer Pause, „Sie sind nur ausgewiesen worden, weil Sie Jude sind?" „Gewiss, Herr Director." „Wenn Sie Christ geworden wären, hätten Sie Ihre Stelle behalten können?" „Ich glaube schon." „Aber um Gotteswillen, Mensch, warum haben Sie sich nicht taufen lassen?" Das kleine Männchen sah ganz verständnislos zu dem stattlichen Herrn empor, der vor Erregung aufgesprungen war. »Taufen? Taufen?" sprach er fast automatisch. „Sie entschuldigen, Herr Director, wer lässt sich taufen?" Sein offenes, demüthiges Gesicht wurde verschlossen und abweisend, fast feindselig. „Aber Mensch," ereiferte sich Conty, „Sie ruiniren sich, sie verlieren eine glänzende Stelle, Ihre Frau wird krank, der Sohn ein Schuster, die Tochter eine armselige Näherin — warum haben Sie nicht wenigstens die Kinder getauft?" „Die Kinder taufen? Meine Kinder? Die Eltern Juden, die Kinder Christen? Was soll das für ein Leben sein? Ist das Judenthum was Schlechtes, warum bleib' ich Jud'? Ist es was Gutes, warum nehm' ich's dem Kind? So ein Riss in der Familie — lieber nochmals zugrunde gehen, als so was! Nicht wahr, Herr Director, Sie haben nur wissen wollen, ob ich ein anstündiger Mensch bin? Sie machen doch keinen Ernst? Conty stellte sich dicht vor den kleinen Mann, sah ihm fest in die ernsten Augen; dann fuhr er sich selbst über die Stirne. Ein neues Leben entstand in ihm, der Glaube an etwas, das ihm längst verloren gegangen war. Mit einem Ruck schob er eine grosse Last von sich. Aber noch hatte er nicht die volle Freiheit des Willens. „Nun, und die anderen, mein Herr, die anderen, die man davonjagt, die man zerstört —?" Der kleine Mann verstand. „Ich bin keine Ausnahme, Herr Director. Ich will mich nicht interessant machen vor Ihnen. So ein Gedanke kommt keinem von uns." Mit diesen Worten verabschiedete er sich. Conty gieng zu seiner Frau. Nach einer halben Stunde, als er sich von ihr verabschieden wollte, da kiisste sie ihn immer wieder und iiess ihn kaum von sich. ,.Du hast recht, Liebster. Es wird doch schöner sein. Es ist viel Einbildung dabei. Er soll nur einmal ein Weib so glücklich, so stolz machen, wie Du Deine Isolde. Du hast recht, man darf solchen Leuten, wie Dein kleiner Russe, nicht davonlaufen. — Also schreibe Mama; schreib', dass ich es wünsche. Nein, kein Verstecken mehr! Wir wollen ganz wahr sein: Schreib', dass wir beide es wünschen. Er soll heissen wie Papa selig, hebräisch Abraham und deutsch Alfred." Ein reines Empfinden der höchsten Weihe leuchtete bei diesen Worten aus ihren Augen. Tiefer Ernst war über ihre Züge ausgebreitet; eine stille Feier vertiefte den Ausdruck ihres kleinen Ovals, Conty sah voll tiefer Bewegung auf ihr verklärtes Antlitz. Dann küsste er sie auf die schöne Stirne, während ein glückseliges Lächeln sein Gesicht umspielte. Spenden. Für die rumänischen Juden: Schalit L., Steinhaus K 1.—, Wohlth.-Akademie jüd.- akad. Jugend in Brody K 150.—, Hauser Osias, Graz Kl—, Agitat.-Commers der „Achiwah", Ung.-Hradisch K 50.—, Eingelaufen bei Isidor Kollisch, Wien, VII., Zieglergasse 38: Spende des Vereines „Zion", Mariahilf-Neubau K 100.—, Sammlung des Herrn Max Bernhardt K 32.—, Adolf Bergl und Co., Wien K 4.—, M. Knoepfelmacher. Wien K 5.—. Sammlung B. Fränkl, VIL, Neustiftgasse 20 : Bela Frank! K 2.—, J. Baumgarten K 4.— K fi.—, Sammlung Hermann Brust. Wien, VII.: J. Bermann K 10.—, M. Rosemann K 10.—, ür. Brust, Mödling K 10.—, Dr. Karpen K 2.—, Regine Tauber K 2.—, H. Rosenheck K 4.— K 3S.—. Mor. Birnbaum, Wien, V., Untere Bräuhausg. K 10.— M. Kraus, Wien. VIL, Schotten fei dg. K 6.—. Leopold Waller. VII., Kaiserstr. 42 K 10.—, F. Teltsch, Wien, VI., Gumpendorferstr. K 3.—, Rudolf Weil, Wien, VI., Webg. K 5.—, Hugo Spitzer, Wien, VII., Lindeng. K 20.—, Sammlung Ludwig Mahler: G. Löbl K 2.—, M. F. Abeles K 5.—. Ad. Kahane K 4.—, Butschowitz K 2.—, B. Goldschmied K 2.—, Diverse K 14.40, A. Böhm K 1.—, Mahler K 3.00 K 34.—, Sammlung M. Bernhardt: Cafe Mariahilf K 5.—, P. Friedmann K 2.—, L. Löwenberg K 5 —, St. Schlesinger K 2.—. Grosz S. aus Budapest K 2.—. S. E. Michelstädter K 15.— Dav. Langfelder K 12.— K 43.—. Sammlung L. Fried. VT., Stumperg. 13 : L. Fried K 4.—. M. Pick K 2.—. L. Deutsch K 1.—, S. Eisner K 1.—, O. Ranzenhofer K 1.—\ L. Ehrlich K 2.—, D. Löwy K 1.—, A . Schorn K 1.—, Weiss K 1.— K 14.—, Sammlung Zahnarzt Dr. S. Frankel, VI., Eszterhazyg.: J. Baumgartner K 5.—. Professor Bass K 2.- , H. Donath K 2.—, A. Redlich K 1.—, R. Fränkl K 1.—, J, Donath K 2.— K 13.—, S. Glück, VII., SiebeDsterng. 25 K 5.—, J. L. Pollak, XV. K 10.—, Joh. Weiss, Wien, VII., Zieglerg. K 14.(iu, J. Fischel, Wien, VIL, Sigmundg. K 10.20. Sammlung Dr. Sidonie Kahn, Marienbad: M. J. Eliasberg K 20.—, Dr. Hatschek K 4.—, Tartukower, Rostow K 6.—, Hellmann, Itzkany K 4.—, S. Hellman, Itzkany K it.—, N. N. K2. —, Lourie, Minsk K 10.—, Vogelsohn. Lodz K 4.—, Eine Christin, Rostow K 10.— K ftC—'. Sammlung I. Kollisch, VIL, Zieglerg. 3S: I. Kollisch K 4.—, H. Herzk'a K 4.—, Arthur Epstein K 3.—, D. Langfelder K 2.— K 13.—. (Fortsetzung folgt.) 4$»-»$*<-><$: ■ •: *■: -yt•:■ -:f: : : : prpm pÄ DTK* rs dj? -w töa t5?d- 8 *isn njjtaj;6^! -nvr ETNpä 70:^« & * ß&yz 25; byn so : rns f Mxp 1;byn i-t^i i2;f?nn | £ n bsn 1 n»£ \v&p?2 "ijrB>^ n pä ipryb n i h fjPäx-iJBJ^K ,j?ra-!xp y;j?a^jr? 4 D^liD&T! 1 4 : njwao'unpn Djmx -ijn 4- JDE. A. PaÖHHOBHiy, C.IIeTepöyprB, ToproBaa 17. $ L. Eabinowitz, St. Petersburg, Torgowaja 17. £*§*~9$l-*$*-»§*-*§*-)4^>§*-«3

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