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Die Welt · 1900-09-14 · 37 (14.9.1900) · p. 5

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
37 (14.9.1900)
Article
Die General-Versammlung der jüdischen Colonialbank
Date
1900-09-14
Page
5 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 37 ,Die j& Welt" Seite 5 ehrten Führers anlässlich der Gründung der jüdischen Colonialbank: „Es wäre das erstemal, dass wir Juden nicht verstünden, eine Bank zu gründen und gewinnbringend zu gestalten." Die Ziele und der Zwrck der jüdischen Colonialbank sind bekannt. Sie soll dem Zionismus helfen, für unsere armen heimatlosen Brüder ein Heim zu schaffen, und zwar eine Heimstätte, die auf öftentlieh umi rechtlich gesicherter Grundlage basiert. Und dennoch glaube ich mit vollem Rechte sagen zu dürfen und mich dadurch keiner Uebertreibung schuldig zu machen, dass die jüdische Colonialbank neben ihrer humanen Arbeit in absehbarer Zett auch einen guten pecuniären Gewinn für ihre Actionäre abwerfen wird. Indem ich mich hiermit der mir gestellten Aufgabe entledige, hoffe ich Sie mit dem Resultate zufrieden und stelle Ihnen daher formell den Antrag, diesen Bericht der Directoren, sowie die Bilanz zu acceptieren und zu Protokoll zu geben." Nachdem der Vorsitzende seinen Bericht beendet hatte, entspann sich eine Debatte über verschiedene Fragen, und es wurde der Wunsch geäussert, eine Conferenz zwischen einem aus der Mitte der Actionäre zu wählenden Ausschusse und dem Directorium abzuhalten. Zu diesem Zwecke wurde eine Delegation von 21 Actionären gewählt. Ueber den Verlauf dieser Conferenz ist weiter unten berichtet. Sodann erstattete die Versammlung dem Directorium Decharge und acceptierte die vorgelesene Bilanz, zusammen mit dem darauf bezüglichen Berichte der Rechnungs- Revisoren, und ein dahingehender Beschluss wurde gefasst und zu Protokoll gegeben. Statutengemäss hatte in diesem Jahre ein Mitglied des Directoriums auszuscheiden, und fiel das Los auf Herrn S. J. Sachs von Dwinsk, welcher sich statutengemäss zur Wiederwahl offerierte. Auf den statutengemäss gestellten Antrag des Vorsitzenden, welcher von Herrn Josef C o w e n unterstützt wurde, wurde das gesamnue Directorium, sowie Herr S. J. Sachs einstimmig wiedergewählt. . Auf Antrag des Herrn Josef Cowen, unterstützt durch Herrn Ritter, wurden die Rechnungs-Revisoren Herren Jackson, P i x 1 e y & Co., unter Bewilligung des bisherigen Gehaltes, ebenfalls wiedergewählt. Hierauf wurde auf Antrag des Herrn G o i t e i n, unterstützt durch Herrn Josef Cowen, ein enthusiastisches Vertrauensvotum dem Directorium, dem Aufsichtsrathe, den Governors, sowie dem Governor-Vertreter in London, Herrn Julius Rabinovitch, einstimmig ausgesprochen, während die Leistungen des Personales und des General-Secretärs lobende Anerkennung fanden. Sodann wurde die Versammlung gegen 2 Uhr geschlossen, der Saal geräumt, und die oben erwähnte Commission zusammenberufen. Den Vorsitz bei dieser Versammlung führte Herr J. Goldberg aus Wilna, und es waren ausserdem zugegen die Herren S. Bettelheim, Potlichewski, Vogelsohn, Dr. Rosenbaum, Sachs, Taubes, Potschochefsky, Dessler, Temkin, Auerbach, S o k o 1 o w, G o i t e i n, Dr. Willinski, Aschkenasi, May, Ritter, Golnielo witsch, Manilo ff, Dr.A winowitzki, und andererseits die Herren D. Wolffsöhn, Vorsitzender des Directoriums, Heinrich Rosenbaum, Samuel Barbasch, Dr. Katzenelsohn, S. J. Sachs und der General-Secretär. Der Vorsitzende Herr Goldberg eröffnete die Sitzung und erkärte, dass der Zweck derselben sei, die Wünsche und Beschwerden der Actionäre dem Directorium zur Information mitzutheilen. Es wurden Anträge gestellt über folgende Punkte: 1. Der Verkauf von Inhaber-Actien, 2. Die Placierung der Gelder, 3. Die Reduction der Spesen, 4. Expedition der Actien, 5. Verzögerung in der Versendung der Allotment-Briefe, 6. Verzögerung und andere Beschwerden bezüglich der Allotment-Briefe, 7. Reduction der Anzahl der Sprachen, in welchen die Bank die Correspondenz führt, 8. Die weitere Subscription, 9. Die Vornahme von Subscriptions-Reisen in Russland, 10. Die Nichterhebung von Zinsen auf Raten, in gewissen Fällen, 11. Andere ähnliche Anträge. Die Beantwortung aller gestellten Anfragen und die Entgegnung auf alle obigen Reclamationen wurde von dem Vorsitzenden des Directoriums, Herrn D. Wolffsohn, in der ausführlichsten Weise vorgenommen, zu welchem Zwecke der General-Secretär die nöthigen Verifications- Documente, Belege und Bücher der Bank zur Stelle schaffte. Der Vorsitzende ergriff die Gelegenheit, der Commission die Versicherung zu geben, dass er alle von den Actionären durch die Commission ausgesprochenen Wünsche dem Directorium zur möglichsten Berücksichtigung vorlegen würde, während die verschiedenen Beschwerden jedem einzelnen in so einleuchtender Weise erklärt wurden, dass die Commission nach di eistündiger Berathung einstimmig den Beschluss zu protokollieren imstande war, dahingehend, „dass die Mitglieder der Commission mit den Ausführungen des Directoriums im vollsten Masse zufrieden seien und ihr fortgesetztes Vertrauen in die Bankleitung hierdurch zu documentieren wünschten, während dem Directorium und dem General-Secretär der Dank der Commission für ihre Verwaltung und Leistungen nochmals ausgesprochen wurde". Das Banklocal wurde an den Tagen vor und nach der Versammlung massenweise von den Actionären besucht, wobei sie Gelegenheit hatten, die grosse Organisation und Einrichtung bis in die kleinsten Details kennen zu lernen und einen Begriff zu bekommen von den vielfachen Arbeiten, die die Geschäfte unseres Institutes erfordern. Der Mord in Könitz. Wien, 8. September 1900. Vor der Strafkammer des Landgerichtes zu Könitz beginnt heute ein Process, der im Zusammenhange mit dem Morde an dem Gymnasiasten Ernst Winter steht. Der frühere Abdecker Israelski ist nämlich der Vorschubleistung an diesem Morde, der Begünstigung des zur Stunde noch unbekannten Mörders angeklagt. Die furchtbare Affaire sei aus Anlass dieser Verhandlung hier recapituliert. Der ermordete Obertertianer Ernst Winter war IS'/, Jahre alt und ein für sein Alter grosser, kräftig gebauter, hübscher junger Mann. Er war der Sohn des Bauunternehmers Johannes Win t e r aus Prechlau und wollte sich dem Baufache widmen. Er hatte deshalb praktisch das Zimmererhandwerk erlernt und besuchte dann, um sich das Zeugnis für den Einjährig-Freiwilligen-Dienst zu erwerben, nochmals das Gymnasium. Sonntag den 11. März wanderte der junge Mann, der auf dem Marktplatze bei dem Bäckermeister Lange in Pension war, nach eingenommenem Mittagmahle im Festtagsanzuge, nachdem er sich in der Danzigerstrasse einige Cigarren gekauft hatte, zum Thore hinaus. Eine junge Dame, mit der Winter die Tanzstunde besucht hatte, will ihn nachmittags zwischen 4 und ö Uhr noch einmal in der Danzigerstrasse gesehen haben. Etwa eine Stunde später, zwischen 5 und 6 Uhr, soll Winter derselben jungen Dame auf der Chaussee, in der Nähe des Schützenhauses, begegnet sein und die junge Dame, die sich in Begleitung einer Freundin befand, gegrüsst haben. Winter soll sich dabei auf dem Wege nach der Stadt befunden haben. Sehr bald begann der Abend zu dämmern, die Nacht brach herein, allein Emst Winter Hess sich in der Wohnung seines Pensionsgebers nicht blicken. Da der junge Mann auch am folgenden Morgen nicht nachhause kam, benachrichtigte Bäckermeister Lange die Eltern in Prechlau telegraphisch von dem Verschwinden ihres Sohnes. Wenige Stunden später trafen auch Herr und Frau Winter aus Prechlau in Könitz ein. Da jedoch alle ihre Nachforschungen vergeblich waren, so nahmen sie die Hilfe der Polizei in Anspimch. Am Dienstag, 13. März, wurde der innerhalb der Stadt gelegene, nur durch einen Bretterzaun von der Synagoge getrennte Mönchsee, der noch mit Eis bedeckt war, abgesucht. Am Ufer dieses Sees, unter dem Eise, an der sogenannten Spüle, lag ein Paket, dessen Umhüllung aus Packleinwand bestand. Als die Polizeibeamten in Gegenwart des Vaters des vermissten jungen Mannes und des Bäckermeisters Lange das Paket öffneten, bot sich ihnen ein grauen-

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