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Die Welt · 1900-09-14 · 37 (14.9.1900) · p. 4

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
37 (14.9.1900)
Article
Die General-Versammlung der jüdischen Colonialbank
Date
1900-09-14
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite 4 „Die fr Welt« Nr. 37 Abhaltung einer General-Versammlung eine genaue Liste sämmtlicher Actionäre mit Angabe von Name, Stand und Wohnung, Actienbesitz und etwaige Aenderungen im Actienbesitze verlangt. Stellen Sie sich vor, was das allein schon bei unseren 120.000 Actionären bedeutet! Was ich Ihnen hier berichtet habe, ist natürlich nur der kleinste Theil unserer Thätigkeit, ich will Sie aber mit den Details nicht aufhalten und werde zu der Bilanz und zu dem heutigen Stande der Bank übergehen. Der 31. December ist der Schluss unseres Geschäftsjahres, und deswegen haben wir eine officielle Bilanz von diesem Tage in der „Welt" veröffentlicht. Zur richtigen Beurtheilung derselben glaube ich jedoch, dass es Ihnen angenehm sein wird, wenn ich Ihnen dieselbe zuerst erläutere. Diese Erläuterung soll zugleich eine Antwort für unsere Gegner sein, die es für gut befunden haben, theils aus Unkenntnis, theils aber aus Böswilligkeit, uns nach der Veröffentlichung der Bilanz anzugreifen. Wir, die wir uns bewusst sind, treu und ehrlich der grossen jüdischen Sache, dem Zionismus, zu dienen, babeu es nicht für nöthig gehalten, auf diese ungerechten Angriffe zu antworten. Wir werden es auch für die Folge nicht thun. Unser jährlicher Bericht soll dem jüdischen V olke und der ganzen Welt zeigen, was wir gethan. Es ist uns der Vorwurf gemacht worden, dass unsere Spesen übertrieben hoch wären. Ein solcher Vorwurf kann nur der Unkenntnis oder der Böswilligkeit entspringen. Ich behaupte, dass noch nie ein ähnliches Unternehmen mit so geringen Spesen ins Leben gerufen worden ist. Wir haben weder Gründungs - Provisionen, noch überhaupt irgendwelchen Gewinn an Unternehmer oder Directoren gezahlt. Jeder von uns, der von der Gründung bis zum heutigen Tage mitgearbeitet hat, war sich voll und ganz der heiligen Aufgabe bewusst, das uns aavertraute Geld, die ersparten Pfennige unserer armen Brüder zu hüten und zu beschützen, bis es dereinst dem geweihten Zwecke dienen wird. Wir haben, wo es nur angieng, gespart. Die notwendigen Spesen mussten aber gedeckt werden. Wer nur einigermassen mit Gründungen vertraut ist, weiss, dass die zur Schaffung eines so grossen Unternehmens erforderlichen Spesen mit 10.000Pfd. St. nicht zu hoch veranschlagt sind. Und soviel ungefähr haben die Gründungskosten auch nur betragen. Unter diesen Spesen gibt es gewisse Posten, die von vorneherein fest auf den Pfennig berechnet sind, und uie selbst von jedem JLaien ausgerechnet werden können. Dies sind die Gerichtskosten, Advocatursspesen, Annoncen, Prospectporti und Drucksachen. 2050 Pfd. St. war allein der tarifmässige englische Stempel auf das Capital von 2,000.000 Pfd. St. Bei den Annoncen musste man in Betracht ziehen, dass in der ganzen civüisierten Welt Propaganda zu machen war. Die höheren Advocatursspesen sind ebenfalls in England wohl bekannt, und war es für uns im Interesse der grossen Verantwortung, die wir übernommen, absolut nothwendig, die grössten juristischen Autoritäten zur Berathung heranzuziehen. Der Rest der Aasgaben sind die laufenden Unkosten für beinahe zwei Jahre. Was Beamte anbelangt, so war die zu bewältigende Arbeit von Anfang bis zu Ende so enorm, dass selbst unser damaliges grosses Personal nicht genügt hätte, wenn wir nicht mit Diurnisten und Ueberstundeu gearbeitet hätten. Auch dürfte es wohl allgemein bekannt sein, dass die Gehälter in England höhere, wie die auf dem Continent sind. Was die Ausgaben für Pakete und Frachten anbetrifft, sowie Gerichtsstempei auf Allotment-Briefe, darüber ist weiter nichts zu bemerken, während die Bureau-Miete auf ein Minimum im Verhältnisse zu den gewöhnlichen Londoner Mieten beschränkt wurde. Die Reisespesen sehen sich für den ersten Augenblick etwas hoch an. in der That aber sind auch diese in Anbetracht, dass unsere Verwaltung und fast sämmtliche Actionäre auf dem Continent wohnen, sehr gering. Wir haben unsere Verwaltungsbeamten fast in allen Ländern im V erhältnisse zu den dortigen Actionären gewählt. Diese sind durchwegs, von der ersten Berathung der Statuten bis auf den heutigen Tag, bei jeder wichtigen Berathung persönlich anwesend gewesen, und wenn Sie die weiten Entfernungen in Betracht ziehen, so werden Sie auch diese Posten gewiss nicht hoch finden, zumal unter denselben sämmtliche Agitationsreisen und sämmtliche Ausgaben von der ersten Zeit der Subscription eingeschlossen sind. Für die Sicherheit des eingezahlten Capitals ist ausgiebig gesorgt. Unser Geld ist absolut sicher angelegt. Unsere Statuten verbieten uns, wie Sie wissen, jedes Speculations-Risico. Unsere 23 Aufsichtsräthe, 10 Directoren und Governors, sowie der Rechtsanwalt und Secretär wachen darüber, dass nichts gegen die Statuten unternommen wird. Ich habe nun die Ehre, Ihnen die Bilanz per 1899 vorzulegen, und bitte den Herrn Secretär, dieselbe mit der Begutachtung der vereideten ßuchrevisoren vorzulesen. (Hier verlas der Secretär die Bilanz.) (Der Vorsitzende setzte seine Rede fort.) „Wie Sie aus den soeben verlesenen Zahlen ersehen, betrug am 3i. Deceuaberdas eingezahlte Actien - Capital 91.27:2 Pfd. St. 13 s. 10 d., während am 31. Juli dieses Jahres dasselbe schon auf über 150.000 Pfd. St. gestiegen ist. Im December 1899 waren die Depots in London und bei den autorisierten Zahlstellen 7S.667 Pfd. St. 3 s. 10 d., am 31. Juli betrugen sie 132.000 Pfd. St. Die Anzahl der registrierten Actien betrug 28S.077, heute sind es deren über 317,610. Der Zuwachs ist zwar nicht sehr gross, und ist theils den vorangeführten Umständen zuzuscnreiben, theils aber auch der Thatsache, dass wir bis jetzt nicht iu der Lage waren, einen grossen Posten Inhaber-Shares zum Verkaufe abzugeben. Nach dem Gesetze kann unsere Bank nur gegen vorherige Vollzahlung Shares ausgeben; um dieses zu ermöglichen, müssen wir eine Mittelsperson schaffen, die uns einen grösseren Posten Shares abkauft, um dieselben an allen Orten der Weit zum Verkaufe aufzulegen. Eine derartige Gesellschaft ist von unseren Freunden in der Bildung begriffen, die den einzigen selbstlosen Zweck verfolgen wird, als Mittelsperson den Verkauf unserer Shares zu erleichtern. Die Anzahl der volleingezahlten Actien hat heute 65.893 erreicht, ein Beweis für uns, dass fast sämmtliche Subscribenten die weiteren Zahlungen leisten, sobald sie ihre provisorischen Certificate zugestellt erhalten. Ein Posten der im vorigen Jahre nicht figurierte, ist der Vorschuss für den Stempel auf inhaber-Actien. Es ist nämlich der Beschluss gefasst worden, zur Erleichterung der Zeichenbedinguugen und zur Hebung des Absatzes von Inhaber-Actien den Stempel auf mehr als eine Actie aus unserem Capital vorzuschiessen und von den betreffenden Inhaber-Actien bei Zahlung der Dividende von dem ersten, eventuell von dem zweiten Coupon in Abzug zu bringen. Was die Zinseneinnahme betrifft, so stehen wir jetzt in einer viel besseren Position als früher, indem uns der Zinsfuss auf die ganze Summe der Depots zugute kommt, während sich derselbe früher aus kleineu Bruchtheilen des eingegangenen Capitals zusammensetzte. Unser Capital ist bei einem variierenden Zinslüse von 3% bis 5'/a7o aut feste Termine untergebracht; in diesem Augenblicke ist der& Durchschnhts-Zinsi'uss 33/870 der aber bald ein höherer sein dürfte. Bei den Anlagen von Depots steht uns das Princip der Sicherneit höher, als das der Zinseneinnahme. Wenn Sie nun alle Umstände und alle Schwierigkeiten berücksichtigen werden, müssen Sie zugeben, dass wir uns der erzielten Resultate nicht zu schämen brauchen, und so bleibt mir nur noch übrig, Ihnen über unsere Aussichten die Meinung des Directonums mitzutheilen. Wir stellen uns die Zukunft als durchaus vertrauensvoll vor. Wenn wir uns das schnelle Tempo der Ratenzahlungen in den letzten 2—3 Monaten und das lebhafte und wiederholte Verlangen nach Actien vergegenwärtigen, wenn wir an die verschiedenen Pläne denken, aie uns von vielen Seiten behufs Actienverkauf proponiert werden, wenn wir selbst das allerdings noch ideine, aber verhältnismässig bedeutungsvolle Resultat betrachten, welches die jüngst ins Leben gerufenen „Share Clubs" nicht nur in England, sondern auch in Russiand schon erzielt haben, wenn wir die Gründung der vorhin erwähnten Gesellschaft zum Shareverkaufe in Betracht ziehen, dann ist es zweifellos, dass wir bald in den Besitz von weit mehr als der vorgeschriebeneu Summe von 25U.000 Pfd. St. sein werden, und dass wir in kurzer Zeit dazu übergehen können, mit der Verwirklichung der Ziele und Zwecke unserer Bank zu beginnen. Selbst ohne Geschäfte zu machen, werden wir eine Zinseneinnahme von circa 10.000 Pld. St. jährlich haben, wahrend unsere Ausgaben höchstens 6—7000 Pfd. St. betragen durften. Wir werden aber bald nutzbringende Geschäfte machen, und dadurch die Gewrinn-Einuahmen v«-grossem. Es wäre verfrüht, schon heute Betrachtungen über die späteren Geschäftsabsichten anzustellen. Diese bedürfen des allergenauesten und eingehendsten Studiums und dürfen unter keinen Umständen übereilt werden. jS'ur soviel kann ich Ihnen sagen, dass der Aufsichtsrath und die Verwaltung mit der grössten Umsicht und Vorsicnt zu Werke gehen werden, und dass, wenn die Zeit, Geschäfte zu machen, gekommen ist, sie uns vorbereitet und ausgerüstet finden wird. Sie entsinnen sich wohl noch der Worte unseres ver-

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