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Die Welt · 1900-09-14 · 37 (14.9.1900) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
37 (14.9.1900)
Article
Ein publicistischer Erfolg
Date
1900-09-14
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite % ,Die 2$ Welt" Nr. 37 gefunden! Es ist überraschend, wie die denkenden Christen auf den ersten Blick erkannt haben, was wir Juden nach einer zweitausendjährigen Erfahrung noch immer nicht sehen wollen. „Die Lösung der Frage liegt ausschliesslich in den Händen der Juden selbst. Wenn der zionistische Gedanke die Mehrheit des jüdischen Volkes beherrscht, wird er zur Wirklichkeit werden." Das sagt „D aily New s". Merkt Euch das, Ihr Herren vom „Jewish Chronicle", die Ihr unsere Hoffnung ausschreit als einen gefährlichen Wahn! Doch es ist Zeit, die Blätter selbst sprechen zu lassen. Die Wahl wird uns schwer, denn es sind, wie gesagt, hunderte und hunderte von Stimmen: kaum die allerbedeutendsten können hier reproduciert werden. * „Daily New s". Es ist für einen Christen wahrhaftig nicht schwer, den zionistischen Gedanken, der unter den Juden immer mehr an Boden gewinnt, zu verstehen. Kein englischer Christ würde auch nur im Traume daran denken, der Rückkehr der Juden nach Palästina aus politischen Gründen Hindernisse in den Weg zu legen. Die Lösung der Frage hängt ausschliesslich von den Juden sebst ab. Wenn der Gedanke die Mehrheit des jüdischen Volkes beherrscht, wird er zur Wirklichkeit werden. „The Sun". Wenn die englischen Juden sich an die Spitze der zionistischen Bewegung stellten, so würde der Ruf „Palästina für die Juden!" leicht zur Wahrheit werden. „E c h o". Die Engländer sind sich nicht vollständig klar darüber, mit. welcher Schnelligkeit der zionistische Gedanke sich verbreitet hat und welche numerische Stärke er erreicht hat. Er hat entschieden die jüdische Volksseele ergriffen. „The G 1 o b e'\ Der hervorstechendste Charakterzug des vierten Zionisten-Congresses ist der, dass er die Vorurtheile der englischen Juden überwunden, die jetzt die zionistische Bewegung gerade so warm wie ihre Brüder auf dem Continente unterstützen. „Daily G r a p h i c". Es war eine Versammlung, wie die Welt ihresgleichen noch nicht gesehen hat. „St. James G a z e 11 e". Die Haute-Finance hält sich vom Zionismus noch fern, aber die jüdischen Leuchten in Wissenschaft und Literatur, die Männer, deren Namen einen Weltklang haben, widmen sich mit Leib und Seele dem grossen Gedanken. „Liverpool Ech o". Der Zionisten - Congress zeigte uns ein grosses, schönes, begeisterndes Ziel. Der jüdisch-nationale Gedanke hat die grossen Massen ergriffen. Wenn die zionistische Bewegung noch nicht alle Juden als Anhänger zählt, so gehören ihr doch die eifrigsten an . . . Ein solcher Gedanke lässt sich nicht im Handumdrehen ins Praktische übersetzen; aber der Umstand, dass die vornehmsten Geister des Judenthums Zionisten sind, ist allein eine Bürgschaft für die Zukunft der zionistischen Bewegung. „G lasgow Eveni n g New s". Eine Bewegung, die sich zum Ziele gesetzt hat, die armen Juden ihrem Elende zu entreissen und in Palästina anzusiedeln, bedarf nicht erst einer besonderen Empfehlung. Wenn es den Zionisten gelingt, Juden wieder zu Ackerbauern zu machen, so ist das allein Existenzberechtigung genug. „Glasgow Evening Citize n". Die zionistische Bewegung verdient, von welcher Seite man sie auch betrachten möge, die grösste Beachtung. Die zionistische Frage muss nicht nur die Juden, sondern alle Völker interessieren. „North British Daily Mai 1". Seit Menschengedenken bat man eine solche Versammlung nicht gesehen. .— Wir Christen wünschen der zionistischen Bewegung, die endlich einmal eine definitive Erlösung des verfolgten Stammes anstrebt, den besten Erfolg . . . Palästina, nach dem sich jedes jüdische Herz sehnt, könnte durch eine jüdische Besiedelung seinen alten Wohlstand wiedererlangen. „R e v i e w o f t h e W e e k". Warum wohl dieses homogene, geistesstarke, mächtige Volk nicht einen eigenen Staat bildet, um der Verfolgung zu entgehen? Die Frage ist oft genug gestellt worden. Jetzt, da sich die nöthigen Führer gefunden haben, gewinnt der Gedanke der Rückkehr nach Palästina tagtäglich an Boden. Ein jüdisches Palästina mit der Quintessenz der modernen Civilisation würde ein Mittelpunkt des Fortschrittes und der Aufklärung zwischen Europa und Asien werden — wahrlich ein herrliches Ideal! Ein nachahmenswertes Beispiel. Unsere Gegner sind so rührig und in der Wahl ihrer Kampfesmethoden so scrupellos, dass es grosser Wachsamkeit von unserer Seite braucht, um den von ihnen verbreiteten Märchen wirksam zu begegnen. Versucht da ein Protestrabbiner oder Londoner Gemeindeknecht unter" der Maske eines unparteiischen Londoner Gorrespondenten in einem Hamburger Blatte deutschen Lesern weiszumachen, der vierte Congress hätte, wie die Angaben des „Jewish Chronicle" beweisen, bei den englischen Juden wenig Beifall, die ganze zionistische Bewegung fast gar keinen Boden gefunden. Der angebliche Correspondent citiert mit wenig Witz und viel Behagen das Londoner Gemeindeblatt als unbestrittene Autorität, und da bekommen wir denn ein seltsames Bild von unserer Bewegung. Dass der neulich in London abgehaltene Congress in England keinen Boden für die Bestrebungen seiner Führer gefunden hat, steht ausser Zweifel. Freunde und Gegner des „Zionismus" sind darin einig. Scharfer Einspruch ist von mehreren Seiten gegen die ganze Bewegung in der Londoner Tagespresse, wie auch im „Je.wjsJxXiM'onicle'', dem wöchentlichen Organe der Juden Englands, erhoben worden, und zwar nicht bloss von einzelnen, sondern auch von der Redaction im Namen der grossen Gesammtheit der hiesigen Juden. Das „Jewish Chronicle" hat vor Beginn der Verhandlungen, um der Redefreiheit willen, zur freundlichen Anhörung der erwarteten Sprecher aufgefordert und die Aufrichtigkeit ihrer Gesinnung gern anerkannt. Es hat die Bildnisse der Hauptvertreter des „Zionismus", ebenso der Gruppen der als Bevollmächtigte Herübergekommenen gegeben und ausführlich über die Sitzungen berichtet. Aliein die von vornherein ausgesprochene Ansicht, dass die Bewegung als solche verfehlt sei, hat das Blatt seitdem entschieden wiederholt. Diese Ansicht drückt das genannte Blatt in den Worten aus : „Wir erachten die Bewegung für schlecht erwogen, rückschrittlich, unpraktisch und sogar gefährlich,'' und verlangt von den Führern eine „offene und unzweideutige Erklärung, ob der politische Zionismus, der Plan eines jüdischen Staates, über Bord geworfen sei oder nicht". Nach Beendigung des Congresses bezeichnete das Blatt den Zionismus als einen „Rath der Verzweiflung", als eine Autforderung zu „feiger Flucht" und erklärte: „Die jüdische Frage muss in jedem Lande nach den dort vorhandenen Verhältnissen gelöst werden." „Der allgemeine Lauf der Dinge", schrieb die Redaction weiter, „vollzieht sich doch in der Richtung nach mehr Freiheit und Duldsamkeit. Die Welt bewegt sich augenfällig vorwärts, nicht rückwärts. Wie drückend schienen doch die Aussichten für die Juden in Frankreich vor einem Jahre, und wie plötzlich verzogen sich die Sturmwolken! Hätte jemand den französischen Juden geratheu, ihr Vaterland zu verlassen zu einer Zeit, wo die Dreyfus-Angelegenheit auf ihren schlimmsten Gipfelpunkt gediehen war, so würde sich dieser Rath als verkehrt

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