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Die Welt · 1900-08-31 · 35 (31.8.1900) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
35 (31.8.1900)
Article
Rede Dr. Max Mandelstamms
Date
1900-08-31
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Redaction und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag. Zuschritten sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, EX., Türkenstrasse Nr. 9. zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 20 Heller. Der Inseratentheil wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. > Kronen. Für das Ausland: Deutschland RP7IT6CnrPlCO* Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 12 Kronen, halbjährig UG/iligaUlGiaG. ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ________ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doli. 40 Ct. Nr. 35. Wien, 31. August 1900. 4. Jahrgang ber vierte Zionisten-Congress. Rede Dr. Max Mandelstßmms. Geehrte Versammlung! Wenn ich heute über die „körperliche Hebung der Juden" sprechen werde, so will ich selbstverständlich nur die „Ghettojuden" des Ostens, diejenigen, welche in Russland, Rumänien und Galizien wohnen und fast drei Viertel der gesammten Judenheit ausmachen, in Betracht ziehen. Indem ich nämlich nachzuweisen hoffe, dass die decrepide, erbärmlich schwache Leibesbeschaffenheit der Ghettojuden das ausschliessliche Product ihrer trostlosen social-ökonomischen Lage ist, so brauche ich die Juden der westlichen Länder nicht zu berücksichtigen, da doch letztere ökonomisch durchaus nicht schlimmer daran sind, als ihre arischen Landsleute, mithin keiner speciellen Besprechung bedürfen. Ich bin nun ganz glücklich, dass ich dieses ebenso wichtige wie traurige Thema in dem Weichbilde Londons, im Herzen Englands, ventilieren kann. Ein Volk, wie das englische, welches einerseits schon so früh zur Erkenntnis gekommen, dass nur in einem gesunden Leibe ein gesunder, entschlossener Mannesgeist hausen kann, und daher mit der seltensten Consequenz für die harmonische Entwicklung des Geistes und des Körpers seiner Bürger sorgt; dieses Volk wird sicherlich auch diesmal, wie es oft schon früher gethan, Verständnis und moralische Unterstützung dem Volke entgegenbringen, welches unter dem Hochdrucke socialen Elends körperlich so furchtbar verkommen ist und bloss noch ein in Haut und Knochen gehülltes, reges Gehirn besitzt, das in unermüdlicher Gedankenarbeit über die Mittel seiner Selbsterhaltung sinnt. Es versteht sich nun von selbst, dass ich die körperliche Hebung der Ghettojuden nicht eher besprechen kann, bevor ich nicht die hochverehrte Versammlung mit dem Milieu, dem Medium bekannt gemacht haben werde, innerhalb dessen diese Unglücklichen leben oder besser gesagt: vegetieren. Von diesem Milieu wird sich aber, trotz meiner Schilderung, derjenige schwer einen Begriff machen können, welcher nicht unter den Ghettojuden gelebt, oder der nicht, wenigstens flüchtig, das Ghetto angeschaut hat. Dennoch will ich die hechverehrte Versammlung auffordern, dass sie sich auf einen Augenblick im Geiste in das Judenviertel des East End versetze, etwa in das Whitechapel mit seinen dumpfen, schmutzigen Nebengässchen, seinem Elend und Jammer, und dass sie sich alsdann diesen Theil des East End in hunderttausendfacher Vergrösserung vorstelle, auf einen Flächenraum von über 20.000 Quadratmeilen ausgedehnt, gleichsam als East End ohne Ende, mit etwa 6—7 Millionen Insassen, und alsdann noch wird die hochverehrte Versammlung bloss ein abgeblasstes Bild von dem erlangen, was man das Ghetto des Ostens nennt. Diese nieine Behauptung könnte manchem allerdings als übertrieben erscheinen, indem ein Flächenraum von über 20.000 Quadratmeilen vollkommen genügen sollte, um nicht nur sieben Millionen, sondern die dreifache Zahl von Menschen sowohl reichlich zu ernäliren, als auch mit einem grenzenlosen Reservoir frischer, gesunder Luft zu versorgen. Das wäre allerdings ganz richtig, wenn die Juden nicht ausschliesslich in den Städten und Städtchen eingepfercht wären, und wenn, mit sehr winzigen Ausnahmen, das flache Land ihnen nicht unzugänglich gemacht worden wäre. Was einst in den Dörfern gelebt und die Vortheile, genoss, welche Wald, Wiese und Flur dem körperlichen Wohlbefinden des Menschen bieten, wurde von da vertrieben, in die Flecken und Städtchen gejagt und daselbst auf einen so engen, antihygienischen Raum zusammengedrängt, dass es diesen Elenden just so ergeht, wie jenem Thiere auf dürrer Heide, „von einem bösen Geist im Kreis heraumgeführt, und ringsumher ist frische, saft'ge Weide". Auf diese Weise ist die jüdische Be-

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