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Die Welt · 1900-08-24 · 34 (24.8.1900) · p. 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
34 (24.8.1900)
Article
Rede Dr. Nordaus
Date
1900-08-24
Page
6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „Die s£ Welt,** Nr. 34 gefährlich zu werden! (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Verdient Euch wieder das Vertrauen und die Liebe des jüdischen Volkes und die Achtung der christlichen Völker, die Euch nicht aus dem Auge verlieren. Arbeitet mit uns an der Erwerbung einer Heimstätte für das jüdische Volk. (Erneuerter lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ihr könnt es! Ihr müsst nur wollen. Ihr habt die Millionen, Ihr habt die Beziehungen, Ihr habt den Einfluss, Ihr habt die Gewohnheit grosser Unternehmungen. Thut für Euer eigenes Volk ein Hundertstel dessen, was Ihr für alle anderen Völker gethan habt (Stürmischer, sich immer erneuernder Beifall und Händeklatschen), denen jüdisches Capital und jüdische Geistesarbeit Eisenbahnuetze und Canäle gebaut, Bergwerke erschlossen, Golonial-Banken errichtet, weite Gebiete besiedelt und urbar gemacht, rettende oder fördernde Anleihen aufgebracht haben. Aber um Gottes Willen, thut etwas, was mehr ist, als die Vertheilung von Bettelpfennigen, was die Zukunft des jüdischen Volkes vor Noth und Verderben sichert. Wollt Ihr nicht mit uns arbeiten, so überlassen wir Euch ja gern die Führerschaft, denn wir haben keinen anderen Ehrgeiz als den, dem jüdischen Volke zu dienen. Und wenn die rumänische Katastrophe Euch überzeugen kann, dass nur die Erwerbung einer sicheren Heimstätte für das jüdische Volk — das heisst der Zionismus — das Heil ist, dann werden wir diese Katastrophe als ein rettendes Wunder segnen, dann werden wir unsere unglücklichen rumänischen Brüder, deren Elend uns den Schlaf der Nächte raubt, als heilige Sühnopfer preisen, die ausersehen sind, durch ihre Leiden das Heil des ganzen Volkes vorzubereiten." (Stürmischer, sich immer wieder erneuernder Beifall und Händeklatschen. Hüte- und Tücherschwenken im Saale und auf den Gallerien. tledner wird von allen Seiten beglückwünscht.) Nachmittags-Sitzung des I. Tages. Wahl der Ausschüsse. Kurz nach 4 Uhr betraten Dr. H e r z 1, Dr. N o r d a u, Prof. Mandelstamm und die anderen Herren des Bureaus unter grossem und anhaltendem Applaus die Tribüne. Nach einigen Miltheilungen geschäftlicher Natur schlug Dr. Bo dejah ei me r (Köln) im Namen des Permanenz-Ausschusses tblgemle Herren in die einzelnen Commissionen vor, die auch sämmtlich vom Plenum per acclamationem gewählt wurden. Cultur-Ausschuss: Dr. S. Bendersky (Bendery), Dr. Dawidsohn (Warschau). Rabb. Rosowski (Svenzian), S. Stanislawski (Ekaterinoslaw), Ish Kishor (England). S. Bettelheim (Pressburg), Dr. Friedemaiin (Berlin), Prof. Gottheil (New-York), Sir Fr. Montefiore (London). Dr. Lippe (Jassy), Dr. H. Weitzmann (Genf), Rabb. Dr. Lewin (Ekaterinoslaw), N. Sokolow (Warschau), Dr. J. L. Landau (Wien), M. Barnett (London), Dr. L. Kahn (Wien), Rabb. Landau (Botosani). Dr. Gaster (London), J. Kreppel (Krakau). Organisations-Ausschuss: Prof. Belkovsky (Petersburg), Dr. Bernstein-Kohan (Kischinew), Polski (Nikolajew), Dr. Freudenberg (Krementschug). A: H. Reich (Wien). Fr. Beer (Paris), J. Friedmann (Wien), D. Schachtel (Breslau), Dr. Bodenheimer (Köln), Mr. Greenberg (London ). Dr. Wahrhaftig (Galizien), W. Schur (Chicago), Dr. Gaster (London), Ing. Bruck (Ekaterinoslaw), Rosenbaum (Minsk), Dr. Thon (Riga), Ph. Lebenhart (Prag), L. Paperiii (Paris). Dr. Moskovitschi (Galatz), Dr. Kaufmann (Freiburg). J. de Haas (England), Dr. Herbst (Sofia), L. Taubes (Kolomea), Hofmann (Amerika). Agitations-Ausschuss: Rechtsanwalt B. Gissin (Mohilew), Dr. Isr. Motzkin (Ekaterinoslaw), Scheinkin (Odessa), Dr. W7ilenski (Krementschug), Dr. Flachs (Berlad), Polatschek (Kolin), S. Bettelheim (Pressburg). Dr. Goldberg (Grybow), K. Sarahson (Amerika), Kahn (Paris). Tolkowsky (Antwerpen), Dr. Herbst (Sofia), N. Kleinmann (Berditschew), Rechtsanw. Nemirowski (Charkow), M. Schlaposchnikoff (Charkow), J. H. Ellmann (Braila), Frau Friedmann (Wien), Heinr. Grünau (Paris), J. L. Goitein (Frankfurt a. M.), L. Taubes (Kolomea). Dr. Elias (Mülhausen), Ch. Schornstein (Paris), Karlin (Amsterdam), Dr. Brück'(Galizien). C o 1 o n is a t i o n s-A u s s c h u s s : Dr. L. Joffe (Jaffa), Dr. E. W. Tschlenow (Moskau), Rabb. Rosowski (Swenzian), Schub (Palästina), J. Gewitsch (Wien), M. L. Dight (Birmingham), G. Cohen (Hamburg), Dr. Schur (Stanislau), Ing. Wl. Temkin (Elisabethgrad), Ussischkin (Ekaterinoslaw), S. P. Rabinowitsch (Warschau), L. Weiss (Wien), S. Pineles (Galatz), Bluestone (New-York), Dr. S. Rosenheck (Kolomea), Dr. Alex. Marmorek (Paris). Nun ertheilt der Vorsitzende Nordau Mr. J. L. Greenberg das Wort zur Erstattung des Special-Referates über die Lage der Juden Englands. Greenberg war der einzige Referent, der fast nur Erfreuliches constatieren konnte. In England herrsche der Geist der absoluten Toleranz. Für den englischen Juden gäbe es keine Zurücksetzung, weder in religiöser, noch in socialer oder staatsbürgerlicher Beziehung. Aus dem sehr lehrreichen Berichte sei eine Stelle wörtlich wiedergegeben: „Aber demungeachtet kann nicht gesagt werden, dass wir so ganz frei von Angriff gegen eine gewisse Classe Juden in England sind, und ich möchte „Gott sei Dank" hierfür sagen. Wenn wir uns die Frage vorlegen: Welche Classe Juden hat zu dieser Feindseligkeit Veranlassung gegeben? so ist die Antwort: Nicht der gesetztreue Jude, ungeachtet der noth wendigen gesellschaftlichen Geschiedenheit, welche ihm durch die Speisegesetze uud das Verbot der Mischheiraten auferlegt sind; der gesetztreue Jude wird hochgeachtet. Nicht der sogenannte neumodische Jude, der sich über die Beobachtung der jüdischen Gesetze hinwegsetzt; denn die Christen betrachten die aufrichtige Ueberzeugung eines Menschen als zwischen ihm und Gott gehörig, und er wundert sich nicht, unter den Juden dieselben relgiösen Schattierungen wie unter den Christen zu finden. Nein, die Angriffe, welche überhaupt gemacht worden sind, waren gegen diejenigen gerichtet, von denen es heisst: „Und Jeschurun wurde fett und schlug aus,*4 gegen diejenigen Juden, welche durch ihr niederträchtiges Drahtziehen der Märkte, welche durch den Missbrauch der Gelegenheiten an der Börse sich bereichert, welche Zeitungen gegründet, vermittelst welcher sie Räubersold erpressen, welche durch diese und ähnliche Schändlichkeiten ein grosses Vermögen erworben, welche sich durch Wucher oder Gewinn, welchen sie dem feilen Laster erpresst, bereichert haben, welche kraft ihres in dieser Weise erworbenen Gewinnes und der elendesten Kriechereien bis zum Gipfel der gesellschaftlichen Höhe sich emporgeschlichen, so dass sie ihre Stellung benützen können, ihr trauriges Ziel der Ausbeutung anderer so weit als möglich zu verfolgen. Gegen die Juden, welche, in der besagten Weise emporgestiegen, ihr Volk verachten, das Volk, welches bedauert, dass dergleichen Auswurf den Namen „Jude" trägt; gegen die Juden, welche mit ihren Glaubensgenossen und allen ihren Institutionen brechen, welche, wenn sie für jüdische Zwecke wirklich eine Gabe reichen, ihren Namen nicht genannt wissen wollen, die aber bei ähnlichen nichtjüdischen Zwecken ungebeten beisteuern und mit ihrem vollen Namen prangen. Diese Classe Juden ist zwar verschwindend klein in England; aber ihr schlimmer Einfluss ist ganz und gar nicht im Vergleich mit ihrer Anzahl; denn die christlichen Kreise, auf die sie wirken, gehören zu dem wichtigsten und einüussreichsten Theile des englischen Publicums. Daher kommt es denn, dass der Jude gerade in den Kreisen, in welchen er geehrt dastehen sollte, durch ein verächtliches Geschöpf repräsentiert wird, so verächtlich, dass er sogar das Volk, aus dem er stammt, nicht zu schätzen weiss. Es ist nicht zu verwundern, dass er diejenigen, mit welchen er umgeht, unter dem Eindrucke lässt, als besässe er Eigenheiten, die den Juden im allgemeinen kennzeichnen. Man darf ferner nicht vergessen, dass ein solcher Jude von sich wenigstens behaupten kann, dass er in materieller Hinsicht Erfolg gehabt, und Erfolg bedeckt in den Augen der Menge nicht bloss unzählige Vergehen, sondern übt sogar ein Gefühl der Anspornung zur Nachahmung auf die Masse aus. Er bildet sich daher seinen eigenen Cultus, dessen Anhänger sich in alien Schichten finden und deren Hauptcharakteristik in dem festen Entschlüsse besteht, durch welche Mittel es auch sein mag, auf die schnellste Weise materiellen Erfolg zu erzielen, und eine Hinneigung, den Juden zur Assimilierung anzuspornen. Gegen diesen Cultus ist der Zionismus ein entschiedener Protest und ein Vorbeugungsmittel, und die Zionisten können sich mit denen vereinigen, welche die Hohlheit dieses Cultus

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