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Die Welt · 1900-08-17 · 33 (17.8.1900) · p. 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
33 (17.8.1900)
Article
Die Schwestern
Date
1900-08-17
Page
14 (sequence 2)
Language
German
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Seite 14 „Die x£ Welt6« Äi. 33 „Ich bin zu weit gegangen — ich muss umkehren," sagte sie. „Ich auch," erwiderte er rasch. „Nein, nein, ich bitte sehr" — und sie schlug die Augen zu ihm empor; sie wusste, wie beredt sie waren — „setzen Sie ihren Spazierritt fort, der Gedanke wäre mir unerträglich, dass ich Sie darum gebracht habe." „Wie Sie wünschen," sagte er enttäuscht. «Apropos — ich habe meine Schuld noch immer nicht bezahlt" Einen Äugenblick schwieg sie; es drängte sich ihr eine Antwort auf die Lippen, aber sie aussprechen, hiesse mit Feuer spielen. Aber es war doch so angenehm, mit Feuer zu spielen, wenn man sich erstarrt fühlte an Seele und Leib. Und so kam es, dass sie übermiithig wurde. „Ausserhalb des Ladens mach' ich niemals Geschäfte," lautete ihre Antwort. Sie war ihm fast aus dem Gesichte verschwunden, bevor er den vollen Sinn ihrer Worte verstand: dann überflog ein Lächeln seine Züge, und er blieb stehen und nickte mit dem Kopfe, bis sie ganz verschwunden war. Sie hatte recht — weiter unten war der Weg ausgezeichnet. IV. Salka betrachtete ihre Schwester mit prüfenden Blicken. Es war Zwielicht, und ihre Patientin schlief; das war die einzige Gelegenheit, aus dem Krankenzimmer zu entschlüpfen. Wenn sie nicht bei ihrer Mutter wachte, dann beobachtete sie ihre Schwester, und lange Erfahrung hatte sie gelehrt, jedes äusserliche Anzeichen einer Gemüthsstimmung richtig zu deuten. Aber mit dem Gesichte, das Zillah heute aufgesetzt hatte, wusste Salka nichts anzufangen, und so ergieng sie sich denn in Muthmassungen. „Du scheinst jemanden zu erwarten," entfuhr es ihr endlich, »wenigstens siehst Du so aus, seit Du gestern von Deinem Spaziergange heimkehrtest" „Wen sollte ich erwarten?" fragte Zillah und blickte ihrer Schwester gerade ins Gesicht; sie wusste, dass sie es in der Dämmerung ohne Gefahr thun konnte. „Und den ganzen Tag hast Du nichts gegessen," fuhr Salka strenge fort „willst Du das Haus in ein Spital verwandeln?" „Nein, und darum esse ich auch nicht, wenn ich keinen Appetit habe." „Du gibst es also zu?" fragte Salka rasch, „dann ist also mein Verdacht richtig." »Welcher Verdacht?" fragte Zillah, sich plötzlich aufrichtend. „Dass' Du doch begierig bist auf Deinen zukünftigen Gatten; ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieser Umstand mit Deiner Appetitlosigkeit im Zusammenhange steht." Zillah gab keine Antwort, sie athmete auf; aber Salka deutete ihr Schweigen anders. „Hab' ich's nicht gewusst?" fuhr sie fort, „es brauchte nur ein wenig Zeit, um Dich mit dem Gedanken zu versöhnen. Gestern sahen Deine Augen noch so furchtsam drein, heute spricht schon die Ungeduld aus ihnen." „Und morgen wirst Du keines von beiden in meinen Augen lesen, Du Spion, und keine falschen Schlüsse mehr ziehen. Soll ich Dir die Wahrheit sagen? Meinem zukünftigen Gatten, wie Du ihn nennst, hat kein einziger von meinen Gedanken gegolten; mit ihm bin ich fertig." „Ohne zu wissen, was an ihm ist?" „Jawohl. WTenn die Ware kommt, habe ich Zeit genug, sie mit einer Etikette zu versehen." „Zillah, sprich nicht so, bedenke, dass Du vielleicht Dein Leben in Gesellschaft dieser Ware verbringen wirst — mitsammt der Etikette." „Vielleicht — vielleicht nicht" Zillah schlang die Hände hinter ihrem Kopfe ineinander und lehnte sich zurück. „Woran denkst Du, liebe Zillah?" fragte Salka unruhig. „Wenn Du mir versprichst, nicht zu erschrecken, will ich Dir's sagen." „Ist es denn so schrecklich?* „Das kommt darauf an, wie .Du es betrachtest. Salka, wenn ich nur fort wäre — wenn ich nur endgütig fort wäre!" „Fort?" fragte Salka mit erheuchelter Ruhe. „Fort aus dieser schleichenden, ermüdenden Eintönigkeit, dieser unergründlichen Einöde diesem Tode im Leben!" „Zillah!" „O, ich weiss, was Du denkst, ich weiss, dass es schwerer Frevel ist, so von seinem Heim zu sprechen — das einem eigentlich das Paradies sein sollte. Aber man kann auch im Paradiese unzufrieden sein, wie Adam und Eva es waren, und ich bin dem Himmel nicht so nahe wie sie." „Das war's also, was Deine Augen ausdrückten?" „Das und manches andere — was, mag ich Dir nicht sagen, Deine Zähne klappern ohnehin schon vor Angst. Ich hätte Dir gar nichts sagen sollen, aber diesesmal — diesesmal konnte ich es nicht verbergen." Salka schluchzte leise auf, dann fragte sie mit zitternder Stimme: „Da ich nun so viel weiss, so sag' mir alles. Sag' mir, theure Schwester, was hast Du vor?" „Ich will hinaus in die Welt und eine Krone tragen." „Aber das kannst Du ja auch hier, die Mutter hat ein wunderschönes Krönlein, weisst Du, das mit den sieben Steinen, die roth und grün und blau glänzen. Und dann ihre goldene Kette — die ist so dick wie mein kleiner Finger, und wenn man sie zweimal um den Hals schlingt, so reicht sie doch noch bis zur Taille — sie wird sie Dir gerne geben." (Fortsetzung folgt) Spenden. Für Boryslaw: Neubrunn, Swatow in China K 11-S0, Pidion haben G. D. Frankel K 8-76, zusammen K 20-56. Für zionistische Zwecke: Neubrunn, Swatow in China K 9-08. Für die rumänischen Juden: Sommerfrischler in Jauern K 2-10, Grünspan in Wien K 6, Katharina Brüll, Unterach K 20, Sammlung durch Breslauer Zionisten K 76,22, Coeur-Ass K 32, Einige Zionisten in Brody K 5*20, Bernhard Freiwillig, Wien K 10, Fünf jüdische Beamte in Braunau und Simbach K 14, Sammlung von Jahrblum in Lodz (Spender: J. M., H. Schifferbauer, J. Lewinsohn, Förster, H. Lübeck, A. Blumenthal, S. Stabholz, S. Rubinstein je 50 Kopeken, B. Golab, S. Altmann je Rubel 1, Strykowski 45 Kopeken, zusammen Rubel 6 45 =) Kr. 16-13, Jakob Lemberger, Pfarrkirchen K 1, Otto Neumann, Wien K 3, B. und R. Mautner, Schärfling K 4, Pidion haben G. D. Fränkel K 8-76, Taussig E. M., Linz K % Russische Studenten in Bern K 87,95, Verein Ahavath Zion, Tarnopol K 100, Mr. Ernst Ruffer, London K 24, Sammlung A. H., Wien K 4, Sammlung im Congress-Bureau anlässlich einer Sitzung des Permanenz-ComitS am 23. Juli 1900 K 126, Sammlung Zeitermann, Wien K 7, Sammlung Gewitsch, Wien K 44-20, Sammlung Gewitsch, Wien K 18, Sammlung Herrn. Kreidls Sohn J. Kreidl in St Pölten K 34, Sammlung S. Bunzlau, Vöslau K 20, Sammlung Verein jüdischer Mädchen „Hadassa" (ohne Aufnahme der einzelnen Spenden, durch Eugenie Bart K 12-20, durch dieselbe K 36-20, durch Rosalia Herlingei K 17-90 =) K 66-30, Sammlung Max Bernhardt K 45, Sammlung L. Mahler K 66, Sammlung Eisenschreiber K 7-40, Einzelspenden: Gewitsch K 31, Simon Kramrisch K 10, Kremenetzki K 10, Dr. Jacob Stössler K 20, Spende K 2, zusammen K 923-26.

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