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Die Welt · 1900-07-06 · 27 (6.7.1900) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
27 (6.7.1900)
Article
Die Juden und die rumänische Regierung
Date
1900-07-06
Page
7 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 27 „Die j£ Welt? Seite 7 unter einem begründeten Vorwaatde zu verhaften. Andere Juden betrachteten diese Autorisation, welche unter der Hand ertbeilt wird, als ein Zeichen dafür, dass die Polizei eingesehen habe, ein wenig Toleranz sei wirkungsvoller für die Eindämmung der Auswanderungen, als sämmtliche Verhaftungen und Torturen. Diese Juden wagten sich mit Waren auf die Strasse. Wenn sie an einem Wachmanne vorbeikamen, versuchten sie, unauffällig zu bleiben, zu ihrem Erstaunen bemerkten sie aber, dass die Wachleute ihnen den Rücken zudrehten und so thaten, als ob sie gar nichts sähen.' Falls sich diese Nachricht bewahrheiten sollte, so ist sie gewiss von symptomatischer Bedeutung. Zwar ist die Freigabe des Hausierhandels das wenigste, was die Juden von der Regierung fordern, nichtsdestoweniger würde die neue Haltung der Bukarester Polizei einen Frontwechsel bedeuten. Es würde dann in nächster Zukunft von den Juden abhängen, wie viele Vortheile sie aus den neuesten Erfahrungen der rumänischen Regierungsmänner ziehen können würden. Denn von langer Dauer wird sicherlich die Judenfreundlichkeit nicht sein! In Judensachen sind die Leiter Rumäniens stets sehr vergesslich, und auf einen Wortbruch mehr oder weniger kommt es ihnen ja bekanntlich nicht an. —u. * Die ungarischen Grenzbehörden schickten den Studenten der Medicin D. Jurescu aus Bukarest, der, wie wir in voriger Nummer berichteten, aus Rumänien ausgewiesen worden war, unter Escorte zurück. Die rumänischen Grenzbehörden hierwiederum verwehren dem Unglücklichen den Einlass. Die rumänische Regierung lässt in ihren Zeitungsorganen erklären, dass sie gegen Oesterreich-Ungarn wegen der Zurückweisung Jurescu's Repressalien ergreifen werde. Diese Drohung wurde auch rasch wahr gemacht. In Bukarest werden die Juden, die in Oesterreich geboren sind, auch wenn sie schon 30 und 40 Jahre, in Rumänien wohnen, allesanrmt ausgewiesen. Die Polizei veranstaltet Streifzüge in die jüdischen Quartiere und Bethäuser; die Büttel zerren die Juden massenhaft in die Polizeiarreste, weisen die Ausländer aus und schieben die in der Provinz Geborenen nach ihren Heimatsgemeinden ab. Die Auswanderer in Kronstadt. In der am 29. v; M. abgehaltenen Sitzung der Stadtvertretung von Kronstadt (Siebenbürgen) richtete der Rechtsanwalt Dr. Karl Lurtz folgende Anfrage an den Bürgermeister: „Ist der Herr Bürgermeister geneigt, dafür Sorge zu tragen, dass die Stadthauptmannschaft auf die aus Rumänien einwandernden heimat- und besitzlosen Juden ein scharfes Augenmerk richte, beziehungsweise die aus der eventuellen Niederlassung derselben erwachsenden Gefahren für unsere volkswirtschaftlichen Verhältnisse abzuwenden trachte? Ist er ferner geneigt, in der nächsten Sitzung einen Bericht darüber zu erstatten, was gegen die drohende jüdische Invasion gethan worden sei und worin der Erfolg dieser Action bestehe?" Bürgermeister Franz Hiemesch beantwortete die Interpellation dahin, dass er in der Angelegenheit bereits eine Anfrage an die Stadthauptmannschaft gerichtet habe, und dass nach dem ihm zugekommenen Berichte die Stadtbauptmannschaft diejüdische Einwanderung aufmerksam beobachte. Vo» den aus Rumänien in Kronstadt angekommenen Juden hätten sich mehrere Familien zu vorübergehendem Aufenthalte niedergelassen, seien aber wegen ihrer absoluten Mittellosigkeit sofort ausgewiesen worden. Von den einzelnen Gruppen. In Galatz hat sich eine aus b"2 Familien mit 200 Seelen bestehende Emigrantentruppe nach Cypern eingeschifft. * Ferner ist aus Galatz kürzlich eine kleine Gruppe junger Leute, unter denen sich auch ein aus der Armee mit dem Range eines Sergeantmajors verabschiedeter rumänischer Staatsbürger befand, auf einem Schiffe der Oesterreichisch-ungarischen Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft nach Wien abgegangen, von wo sie ihre Reise nach Amerika via Hamburg fortsetzen. * In Bacau hat sich eine aus 125 Personen bestehende Fusswanderergruppe gebildet. * Eine aus 120 Personen bestehende Auswanderer- Gesellschaft, welche beiPredeal die ungarische Grenze überschreiten wollte, musste dort Halt machen, weil sich nicht alle Auswanderer im Besitze der nothwendigen Reisedocumente befanden. * Zum Schlüsse des vorigen Monates wurden einige hunderte ausgewanderter rumänischer Juden von F r a n kf u r t a. M. durch ein Hilfscomite nach Mainz und Kastel befördert, von wo sie mit dem Dampfer nach Rotterdam und London transportiert wurden. Der vierte Congress. Die Beschickung des Congresses verspricht wahrhaft grossaxtig zu werden. Aus aller Herren. Ländern werden D elegierte entsendet. Namentlich die Abordnung unserer Brüder in Kussland wird nach den bisher vorliegenden Mittheilungen imposant sein, wie noch nie zuvor. In den weitesten Kreisen unserer Gesinnungsgenossen hat man eben die Bedeutsamkeit des Londoner Gongresses vollauf begriffen. Die englische Presse beschäftigt sich lebhaft mit dem Congresse. Auch nichtpolitische Zeitschriften widmen ihm wohlwollende Aufmerksamkeit. Unter anderem schreibt „Things To Gome", eine literarische Revue: „Der Umstand, dass der Zionistencongress heuer in London stattfinden wird, beweist, dass die zionistische Bewegung grosse Fortschritte gemacht hat. Wir hoffen, dass die Berathungen, entsprechend der Grösse und dem Ernst der Sache, gehaltvoll und bedeutungsreich sein werden." Nochmals sei auf die Wichtigkeit der Schekelinstitution hingewiesen. Nur wer den Schekel entrichtet hat, kann als Mitglied der zionislischen Organisation angesehen werden und hat innerhalb derselben das active und passive Wahlrecht. Keiner, der sich diese nationale Steuer nicht auferlegt hat, kann an der Wahl eines Delegierten zum Londoner Gongresse theilnehmen oder gar selber zum Delegierten gewählt werden. Die Delegiertenwahlen müssen bis zum ^0. Juli beendet und bis zum 1. August nach London gemeldet werden. Es braucht nicht erst begründet zu werden, von welcher eminenten Wichtigkeit es ist, dass sämmtliche Wahlgruppen wohl darauf achten, nur bewährte, durch Wort und That erprobte ZionisLuti nach London zu entsenden. Nur in diesem Falle wird der Congress seinen Aufgaben im vollen Masse gerecht werden können. Die zionistische Vereinigung für Deutschland theilt mit, dass von verschiedenen Seiten in Deutschland der Wunsch ausgesprochen worden ist, die Fahrt zum diesjährigen Congresse nach London

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