Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 15 (13.4.1900)
- Article
- Dajenu
- Date
- 1900-04-13
- Page
- 14 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 £>ie j£x Well/ Ni. 15 sofort seiner Garde, in das Haus des Ministers Dajenu zu gehen und sein Haupt zu bringen. Und so geschah es auch. Als er äas blutige Haupt betrachtete, das man ihm in einem Goldbecken brachte, fiel ihm auf, dass ein Zöpfchen des Bartes dicker war als die anderen, er löste es eigenhändig auf und — der Ring fiel heraus. Der König steckte ihn sofort an den Finger und regierte noch lange und glücklich. Sein Rathgeber aber war der Jude, bei dem er die Passah-Nacht zugebracht hatte. Der half ihm auch jetzt in allen Lagen. Der erste Hofjude, von dem die Geschichte zu erzählen weiss. Kleine Geschichten. Von Max Rotter. Der Zwischenruf. (In der Redaction eines clericalen Blattes.) Chefredacteur: „. . . Also was war heute im Landtage?" Junger Redacteur: „Entsetzlich, ich kann mich noch nicht fassen .. . Das hätte ich einfach für unmöglich gehalten! O, mein Gott..." Chefredacteur: „Ich weiss, Sie sind noch sehr jung und waren erst ein paarmal in den Landtags- Sitzungen . .. Aber, mein Lieber, wer die Feder als Journalist führen will, der muss vor allem bestrebt sein, eine gewisse Kaltblütigkeit zu erlangen. Sonst geht's nicht." Junger Redacteur: „Gewiss, aber was ich heute gehört habe! Mich schaudert's. Der Abgeordnete Schneider .." C he fr e d a c t e u r (lächelnd): „Nana, er wird halt wieder einmal ein bissl schärfer gegen die Juden losgezogen sein, ja .. . jetzt kommt das Osterfest der Juden, und da wird er wohl wieder den Ritualmord ein wenig . . .* Junger Redacteur: „Ja, wenn es das gewesen wäre! Aber er hat. .." Chefredacteur (noch immer lächelnd): „Nun, er wird gesagt haben, dass man den Talmud und die Güter der Juden confiscieren, gleichzeitig confiscieren und die Nachkommen Abrahams dann so aus dem Lande schicken soll, wie sie in dasselbe gekommen sind .. . Mein Lieber, an derlei sollten Sie doch schon gewöhnt sein. Darüber brauchen Sie sich nicht weiter aufzuhalten. Sogar die Juden haben sich schon daran gewöhnt. Junger Redacteur: „Aber keine Spur von alledem! Wenn der Schneider gegen die Juden gesprochen hätte, so wäre ich doch nicht so entsetzt. Aber er hat in einem Zwischenrufe die fürchterlichsten, grauenhaftesten Beschuldigungen ausgesprochen gegen . . ." Chefredacteur (nervös): „Bitte, sprechen Sie doch rascher. Gegen wen . ..?" Junger Redacteur: „Gegen eine ganze Reihe von grossen Päpsten! Schneider hat laut ins Haus hineingeschrieen, dass es nur so gedröhnt hat: „Die vielen Päpste, die gegen den Glauben an den „Ritualmord" sich erklärten, haben das gethan, weil sie von den Juden Geld gebraucht haben." Um Himmelswillen, bedenken Sie, Päpste als Söldlinge der Juden, als gekaufte, bestochene „Judenknechte " hinzustellen! Welche Vermessenheit! Das war ein Schlag in das Antlitz jedes gläubigen Katholiken. So was thut kein Jud' und kein Freimaurer. Was soll aus unserer heiligen Kirche werden, wenn man ihre höchsten Autoritäten derart in den Koth zerrt?" Chefredacteur: „Hm ... da muss ich wohl nachdenken, was da zu thun ist ..." JungerRedacteur: „Ich habe mir schon, während des Herweges von dem Landtage, die Sache zurechtgelegt. Wir müssen, das sind wir als katholisches Blatt in erster Reihe schuldig, einen flammenden, von religiöser Begeisterung und leidenschaftlicher Empörung gleichmässig erfüllten Artikel gegen den Abgeordneten Schneider schreiben, in welchem wir seine nichtswürdige, antichristliche Vermessenheit auf das schärfste züchtigen. Wir müssen .. ." Ch efredacteur (der nicht zugehört, ihn unterbrechend) : Wir müssen, ganz richtig, den Abgeordneten Schneider, der soviel für uns und unsere Partei geleistet, irgendwie in Schutz nehmen, ohne uns in diesem Punkte.. Sie begreifen . .. mit ihm zu identificieren .. . Wir müssen also ..., warten Sie nur . . . ich hab's schon : Wir müssen den Zwischenruf Schneiders, der sich auf die Päpste bezieht einfach eliminieren. Basta. So ist die Geschichte am besten geordnet. Schreiben Sie rasch Ihren Artikel über den Landtag genau so, wie wenn Schneider gar nicht im Hause gewesen wäre . .. Kein Wort von ihm, aber auch keines gegen ihn. Ich muss jetzt fort Eine dringende Besprechung mit dem Prinzen Liechtenstein . .. Sie wissen ja. Bis ich zurück bin, ist Ihr Artikel schon fertig? Aber wie gesagt: Der Zwischenruf Schneiders existiert nicht. . . Ein Jubelbotschaft Dr. A.: Na, ich wusste es ja, in Frankreich musste schliesslich doch der Geist des Fortschrittes, der Aufklärung und der Humanität siegen .. . Dr. B.: Wie meinst Du das? D. A.: Nun ja, man war nach der Affaire geneigt ein wenig pessimistisch über die Franzosen zu denken, man verurtheilte sie wegen ihrer rückständigen Gesinnungen bezüglich der Juden, aber ich behalte recht: Frankreich war nur von einer momentanen Rückfallgstimmung erfasst, die bald schwinden wird. Dr. B.: Was ist denn geschehen, welche Freudenbotschaft veranlasst Dich zu so entzückten Lobeshymnen? Dr. A.: Hast Du nicht gelesen, die Mitglieder des Jockey - Clubs haben alle die Meinung, dass der junge Baron Rothschild sich mit dem Grafen Lubersac — schlagen dürfe? Sagte ich es nicht immer: In Frankreich siegt schliesslich immer der Geist, die Humanität . . . Opfer des Judenhasses. (Das Arbeitszimmer eines hohen Kirchenfürsten. Der Kirchenfürst, eine hohe, imposante Erscheinung, geht aufgeregt mit grossen Schritten auf und ab. Er nimmt vom Schreibtische verschiedene Zeitungsblätter und wirft einen flüchtigen Blick in dieselben.) Der Kirchenfürst (leise): Wie sie mich alle schmähen und verhöhnen, diese Blätter! Mich! Und sie nennen sich christlich-sociale Blätter! Sie hassen angeblich die Juden, wollen angeblich für das Christenthum und seine Lehre wirken, und mich . . . meinen Namen . . . nennen sie niemals, ohne ihn zu beschimpfen, zu besudeln? Und das geschieht alles im Namen unserer Religion, zu ihrer StärKung und Verherrlichung? Das dulden die mir untergebenen Geistlichen . . meine Amtsbrüder . . . meine Freunde . . . Wahrhaftig , . . wüsste ich nicht, dass ich ein Christ, ein katholischer Priester bin, ich glaube, ich könnte einen heiligen Eid darauf schwören, dass ich, der Fürsterzbischof, der Cardinal, ein Opfer des Judenhasses bin. Spenden. Für die hungernden Bergarbeiter in Boryslaw: M. Schafer, Myszkowice K 4.—, Jacob Hirsch in Wieliczka anlässlich der Vermählung des FrL Paczanover K 1.—, Dr. S. Pasternak. Zürich K 7.27, Kuten Louis, Wien K 5.24-, S. B., Belgrad K 40.—, Ad. Bejkowsky, Naceradec K 1.—, Am. Neuman, Naceradec K —.80, Reg. Klein K —.60, Fanni Kraus, Naceradec K 1.—, Anna Neumann, Naceradec K —.80, Berta Neumann, Naceradec K —.80. Zusammen Kronen 62.51. Für zionistische Zwecke: Mosche Hirschl in Czortkow anlässlich der Vermählung des Herrn Schmerbach mit Frl. Sechestower K 1.—. Für die abgebrannten Glaubensgenossen in Kolbuszow. Bertel Giac, Triest K 2. - , Donner Bern., Triest K 3.—. Hofstatter Massirh, Triest K 1.—, Jolles Giulio, Triest