Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 13 (30.3.1900)
- Article
- Die Amnestie
- Date
- 1900-03-30
- Page
- 7 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 13 ,Die 2$ Welt" Seite 7 sisehen Literatur über die Erde — Zola will nur ein gerechtes Gericht und wird zurückgestossen. Dem Capitän Dreyfus wird durch die Amnestie die Möglichkeit genommen, je seinen guten Ruf wiederhergestellt zu sehen. Waldeck-Rousseau erklärte, dass das vorliegende Gesetz sich nicht auf Dreyfus beziehen könne, weil er bereits begnadigt sei und auf eine Wiederaufrollung des Processes verzichtet habe. Das entspricht der Wahrheit bis auf eine kleine Unwahrheit. Die Sache steht so : Am Tage nach der Verurtheilung kam der ordnungsliebende Maitre Demange zu Dreyfus und rieth ihm. aus formellen Gründen gegen das Urtheil zu berufen. D r ey f u s that dies. Die Regierung wollte aber die Sache aus der Welt schaffen und versprach ihm die Freiheit, wenn er die Berufung zurückziehe. Man versetze sich in die Lage des Unglücklichen oder urtheile vom allgemein menschlichen Standpunkte : Dreyfus konnte nicht anders als annehmen, zumal man ihm die Möglichkeit liess, späterhin einmal aus materiellen Gründen einzuschreiten. Dieser Weg nun wird ihm jetzt versperrt. Wenn nur eine Spur von Logik in diesem Gesetze sich findet, so muss es zunächst auf Dreyfus angewendet, ihm die letzte Waffe aus den Händen gerissen werden, seine schutzlose Ehre zu vertheidigen. Und darin besteht die öffentliche Unsittlichkeit dieser Amnestie, dass ein ungerecht Verurtheilter nie mehr seinen guten Namen wiedererhalten soll. Aber mit Geld kann man abgefunden werden, schnöde Pfennige für den Verlust der Ehre bekommen. Doch der Bestand civilrechtlicher Ansprüche ist nicht einmal sicher. Die Witwe Henry klagt den Dreyfusard R e i n a c h auf Schadenersatz. Nothwendigerweise wird die Entstehung des Schadens erörtert, mit anderen Worten, es entsteht die Frage der Ehrenbeleidigung. Da sind wir mitten im Strafprocess. Dieser kann nach dem Gesetze nicht stattfinden, folglich erhält man nicht einmal ein goldenes Pflaster auf seine Wunde. Man betrachte noch den Trumpf, den die Freunde der Regierungsvorlage ausspielen: „Es ist möglich, dass die Amnestie nicht gut ist; aber sie ist nothwendig, wie viele andere schlechtere Dinge." So ist dieses Gesetz über die Amnestie rechtlich höchst anfechtbar, politisch unklug, und unmoralisch bis zum Ekel. Was bleibt denn überhaupt Gutes davon übrig, wenn man nur seine Grundlagen kritisch untersucht? Wird der Entwurf rechtskräftig, so wird er an der eigenen Schwäche zugrunde gehen, bleibt er im Archiv, so ist er dennoch ein Denkmal von der Zeiten Schande — aere perennius. Die Amnestie wird als ein Glied in der Kette jener Massregeln gedacht, welche beginnen mit dem famosen Gesetze, durch welches der Strafkammer des Cassationshofes die Entscheidung über die Revision abgenommen und den vereinigten Kammern dieses Gerichtes übertragen wird und endigen.... ja, wer weiss, was im Schosse der Zukunft verborgen ist? In der That ist die „Affaire" aus Anlass dieser Debatten wieder aufgelebt. Waldeck-Rousseau dürfte wohl schwerlich in der Ablehnung der Amnestie eine Aeusserung des Misstrauens erblicken. Vielmehr bedeutet sie das Vertrauen der Kammern, dass es der Regierung auch ohne Ausnahmsgesetze, durch folgerichtige Durchführung der bisher befolgten Grundsätze gelingen werde, zu beruhigen, ohne berechtigte Interessen zu verletzen. Der ganzen Frage gebürt nur der zweite Rang, es wäre zuviel Ehre, sie an erste Stelle zu setzen. Kundmachung des Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited. An die einzelnen Zahlstellen, Vertrauensmänner und Vereine, welche Subscriptionen für die „Jüdische Colonialbank" entgegengenommen haben, sind bereits vor längerer Zeit die Allotementbriefe (Zutheilungsbriefo) zur Uebermittlung an die Zeichner abgegangen. In dieser Zuweisung der Allotementbriefe haben die Unleserlichkeit vieler Unterschriften und Adressen, sowie die Nichtbefolgung der von der „Jüdischen Colonialbank" publicierten Verlautbarungen manche Störung verschuldet. Wir fordern hiermit alle Zeichnungsstellen, Vereine und Vertrauensmänner auf, die für London bestimmten Listen deutlich und in lateinischen Schriftzeichen zu führen, und wiederholen zur Vermeidung von Missverständnissen im Folgenden den Zahlungsmodus, der bei allen Rateneinzahlungen strengstens zu befolgen ist. Subscribenten, welche bereits im Besitze ihrer Allotementbriefe sind, haben die weiteren Raten an eine der Zahlstellen, die auf der Rückseite der Allotementbriefe für alle Länder genannt sind, gegen Empfang einer Bestätigung zu bezahlen. Diese Zahlstellen sind berechtigt, für Rechnung der „Jüdischen Colonialbank" rechtsgiltig Gelder in Empfang zu nehmen und zu quittieren. Die Zahlstellen quittieren die Raten auf den Zutheilungsbriefen in den hierfür vorgedruckten Rubriken. Der Coupon, weicher sich neben dieser Rubrik befindet, ist vom Subscribenten zu unterschreiben und wird durch die Zahlstelle nach London geschickt. Hat der Subscribent bereits alle Raten bezahlt, so kann er den in allen Rubriken quittierten Allotementbrief direct oder durch Vermittlung seiner Zahlstelle an die „Jüdische Colonialbank" in London einsenden, worauf die Zustellung der Actien an ihn erfolgt. Es steht auch jedem Subscribenten frei, seine Raten Zahlungen direct an die „Jüdische Colonialbank" in London zu leisten. Die Bestätigung erfolgt dann ebenfalls von London. Alle anderen Subscribenten aber, welche bisher ihre Allotementbriefe noch nicht erhalten haben, mögen dieselben an der Stelle (Bankstellen. Vereine, Vertrauensmänner) reclamieren, wo sie subscribiert haben. Das Directorium der »Jüdischen Colonialbank"'. London E. C, 49 Leadenhall street. Bilder aus dem Assimilantenleben. Von R. K. (S.) Ihr Stolz. „Ich war gestern mit meiner Elsa auf dem Ball der katholischen Mission." „Ich hab' schon davon gehört. Wieso haben Sie da eine Einladung gekriegt? Die Frau Hitschner hat mir erzählt, dass Ihre Tochter zwei Quadrillen gesessen ist, und dass Sie schon um halber elfe nachhause gefahren sind. Das ist doch nicht wahr?" „Wahr ist schon 'was dabei. Ich bitt' Sie, meine Elsa hat halt gar so wenig Bekannte unter den Herren gehabt. Es war halt ein sehr feiner, exclusiver Ball. Ausser mir waren nur noch zwei Jüdinnen geladen. Mein Mann hat einen Hunderter subscribiert."