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Die Welt · 1900-02-16 · 7 (16.2.1900) · p. 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
7 (16.2.1900)
Article
Corso in Solokow
Date
1900-02-16
Page
15 (sequence 3)
Language
German
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Ni. 7 »Die x> Welt" Seite 15 düstere Glanz seiner Augen contrastierte schrecklich mit den übermüthigen Weisen einer Polka, die er von sich blies, in seiner Seele schien es zu stocken, und dann nahm, er regelmässig die Trompete aus dem Munde, unter dem Vorwande, den flüssig gewordenen Athem daraus zu entfernen. Neben ihm keuchte Joel, „der Grobe", ein corpulenter' Mann, von dem gewöhnlich zuerst der Bauch sichtbar zu werden pflegte und den man bei der geringsten Bewegung athmen hörte. Er spielte den Bass, zuweilen auch die Violine, aber wie ganz anders als Jakob. Niemals sah man seine Finger mit jener Leidenschaft über die Saiten fahren; eine starre Ruhe lag auf seinem glattem Gesichte und der Strich seiner Hand glich der stumpfen, automatischen Bewegung eines Hebels. Zudem machte er überaus lange Pausen, niemand wusste, ob ihm die Noten dies vorschrieben oder ob es aus Faulheit geschah. In der entgegengesetzten Ecke befand sich endlich Bärele, ein schwatzhafter, junger Bursch, halb Diener, halb Musikant, der, den meisten unsichtbar, sich ganz im Hintergrunde aufhielt und nur bei manchen Stücken, wie bei der „Ueberfahrt nach New-York* durch mächtige Trommelschläge plötzlich die Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Ein Knäuel von lebhaft discutierenden Männern wälzte sich, mit der zunehmenden Hitze der Debatte sich immer mehr verwickelnd, langsam heran. Plötzlich blieb man stehen und einer, welcher das Wort hatte, fuhr heftig gesticulierend auf. „Nimm eine gewöhnliche Sache," rief er erregt und so laut, dass es weithin die Umgebung vernahm, ,,z. B. eine Laterne. Wenn Du sie nicht anzündest, wird sie nicht brennen." Alle protestierten, offenbar nicht gegen die Wahrheit dieses Satzes, sondern gegen dessen Anwendung auf den vorliegenden Fall. Kaum war man einige Schritte weiter gegangen, hatte bereits ein anderer eine Erwiderung gefunden, und wieder blifb man stehen, um dessen Argumente mit gebürender Aufmerksamkeit würdigen zu können. Im Gefolge dieser Männer befanden sich jedoch zwei, die nur lose mit jenen zusammenhiengen, zwei jener bekannten, derwischartigen Gestalten, welche Waisenfunctionen und ähnliche Pienste zu übernehmen pflegen. Vom Disput angelockt, hatten sie sich hinterrücks angeschlossen und bildeten gleichsam die Hyänen dieser Debatte, indem sie von allen Richtungen einzelne Brocken für sieh auflasen. Als gelehrte, der Welt entrückte Männer konnten sie dem bürgerlichen Gespräche nicht gut folgen; allein das breite, behaglich-stabile Lächeln, das auf ihren Lippen wie eingefroren schien, bekundete, das etwas davon auch in ihre Seelen einzusickern begann. Hinter ihnen tauchte Chanele auf. Sie gieng mit ihrer Freundin. Die Sittsamkeit, die sich in den Bewegungen dieser Mädchen kundgab und die Bescheidenheit, womit sie ihre Kleidchen zur Schau trugen, bewies, dass sie aus der Erziehung der alten, conservativen Schule hervorgegangen seien, welche von den jungen Mädchen ein ernsthaftes, gesetztes Wesen verlangte, das bei besonders talentierten in Altklugheit umzukippen pflegte. Diese beiden Dämchen behandelten einander mit der freundlich-stereotypen Zuvorkommenheit bejahrter Frauen, gaben sich gegenseitig Recht und spickten ihre Conversation mit löblichen, praktischen Sentenzen, z. B. es sei besser ein guter Wollstoff wie eine schlechte Seide. Ein Schwärm von Kindern, die sich gegenseitig an den Händen hielten, kam gleich einer Schar Gänse herangeflattert, gerieth, rücksichtslos den betreffenden Spielzweck im Auge behaltend, zwischen die einzelnen Reihen und verwickelte sich mit denselben derart, dass einTheil der Strasse für einige Zeit zum Stillstand kam. Alles blickte auf die Kleinen, man wusste nicht, ob man zürnen oder lachen sollte, während dieselben, vom neuen Effect ihres Spieles angenehm überrascht, ein vielstimmiges Triumphgeschrei ausstiessen. In diesem Augenblicke kam Chain Srul heran, ein graubärtiger, mürrischer Alter, der sich jedoch seit Menschengedenken nicht verändert hatte. Er gieng immer allein, niemand wusste, woher er seinen Lebensunterhalt bezog. Er lachte nie und sprach mit niemandem freundlich, dagegen war er überall dort zu finden, wo es etwas zu tadeln gab. Als er der jubelnden Kinderschar ansichtig ward, blieb er ergrimmt stehen und rief in einem Tone, in dem der heftigste Vorwurf lag, gegen die Umstehenden gewendet: „Woher haben wir soviel Kinder genommen?" Die Mädchen blickten verschämt zu Boden, die Weiber kicherten auf ihren Bänken und eine der vorlautesten rief zurück: „Von dieser Ware hat jeder, Gott sei Dank." Chaim Srul wehrte ab, er liess sich mit niemandem, am wenigsten mit einem Weibe, in eine Debatte ein. Drohend, voll Verachtung schüttelte er sein Haupt, als weissage er unheilbringende Botschaft und gieng mit der Miene eines grimmigen Philosophen davon. Allmählich begann es zu dunkeln. Oben, wo die Strasse auf den Marktplatz gieng, entstand lebhafte Bewegung. Dort staute sich die Menge und leichtfüssige Jungeu eilten hinauf. Langsam, in mehrfacher Version drang endlich die Kunde zurück. Es hiess, Leeb Schuster sei verwundet, er mit zwei seiner Gesellen sei mit Hersch Fleischhauer, dem es gelungen sei, zu entkommen, in eine Schlägorei gerathen. Von Hersch Fleischhauer war es bekannt, dass ihn seine Frau in den letzten Tagen nicht aus dem Zimmer liess. Diese und ähnliche Geschichten vernahm man mit ziemlichem Gleichmuth. Niemand regte sich über die stadtbekannten Raufbolde auf. Die Sonne warhinabgesunken, der letzte rothe Flammenschein, den sie hinter sich zog, erlosch; je mehr die Dunkelheit heranbrach, desto geräuschvoller wurden die Stimmen, desto mehr Unruhe fuhr in die Massen. Tausende von Augen richteten sich zum Himmel, um nach Sternen auszuschauen. Merklich lichtete sich die Strasse. Hier und dort bildeten sich dichte Knäuel, aber desto leerer war es an anderen Stellen, bis endlich das ganze Bild zu einem regellosen Durcheinander ward, gleich der wirren Geschäftigkeit nach einer tollen Faschingsnacht. Die losgelassenen Kinder wurden von den Eltern eingefangen, und stumm, mit Armensündermienen schritten sie an der Seite ihrer Beherrscher. Heimwärts flutete das Leben. Zuhause warteten die Sorgen. Vergebens wehrte sich das stürmische Temperament mancher Blaumontags-Seele, vergebens suchte man die Besonnenheit in einem wilden, leidenschaftlichen Taumel zu ersticken. Schon stand in ferner, unmessbarer Höh' ein kleines Sternlein, welches stumm, aber unerbittlich, gleich dem Auge eines grausen Wächters, an die Pflicht gemahnte. Schon erstrahlte das erste Lichtlein von jenem Fenster dort und weiter hinten wieder eines. Immer mehr füllten sich die Stuben mit Leben, immer wehmüthiger ertönten die Weisen. Der gehasste und gefürchtete Wochentag, der graue, öde Alltag^ des Lebens hatte seine Herrschaft angetreten. Der Ausschuss des Vereines „Dorschei Zion" in Skole gratuliert seinem Gesinnungsgenossen Herrn Meier Grünberg aniässlich seiner Verlobung mit Fräulein Zita Bienstock. Geldsendungen können in recommandierten Briefen erfolgen. Es wird Papiergeld aller Staaten angenommen. Anstatt kleiner Münze können Briefmarken beigeschlossen werden. Verschiedene Nummern des Jahrganges 1899 können zur Propaganda an Vereine gegen blosse Entrichtung des Portos abgegeben werden. — Porto für Oesterreich und Deutschland für 5 Kilo Kronen O.fiO Serbien 5 .. 1.— Russland ,, 2 „ ,, 2.— Rumänien ,, 5 „ ., 1.25 England .. 5 „ „ 2.35 Irland „5 „ „ 2.60 Vom Neujahr 1900 an haben wir dem Verlage „Tuschijah" in Warschau unsere Vertretung für Russland übergeben. Die demnächst zur Ausgabe gelangende Agitations- Nummer (deutsch) wird nur gegen Voreinsendung des Betrages abgegeben. ,D3?t3tasfe:$n*«57 Dsnn:i8 7 .-13 Ermens? sto-h -*mS iirbsÄ-w^sn 1*2 -pa inyaru st-» s^ptdki obbsä ,jjmm ppöi: jsnnstttf? ^rnsn pa an ♦ysraray: tD"S "IpEDSÄTp p» tSIHSTSDpjT 03": f5$3 ab?x&i?bbx .p*r jparDssnraDinssrs m yz&izz -dtöik 1371 »" - tspn.H iP^xn p>*xni n^npä an -irnsm töTöa^psn/o^srn« in jsr sxii: ♦373iüB1* T^WH 1JH WH XlliPsSsHFHIJI prnSDWpö

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