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Die Welt · 1900-02-09 · 6 (9.2.1900) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
6 (9.2.1900)
Article
Die Türkei in der Weltpolitik
Date
1900-02-09
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Redaction und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: "Wien, EX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 20 Heller. Der Inseratenteil wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heiler. ganzjährig ' Deutschland „ , ._____„ _ ____ ___7 ___„_____ 0___„......D____D.,__t____„ . Russland R., halbjährig 3 R. öOKop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs-, halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doli. 40 Ct Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 12 Kronen, halbjährig 6 Kronen. Für das Ausland: D« ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14t Shg., halbjährig 7 Shg., Nr. 6 Wien, 9. Februar 1900. 4. Jahrgang Die Türkei in der Weltpolitik. Von 0. Erter. Es ist verständlich, dass die Blicke der Welt wie hypnotisiert auf Südafrika und auf London geheftet sind. Was in Südafrika zur Entscheidung steht, ist allerdings etwas Grosses, das sich in der Frage, ob und wie die beiden holländischen Republiken fortbestehen sollen, nicht erschöpft Man kann vielmehr gerade an dem überwältigenden Interesse, mit welchem überall in der Welt die Kriegsvorgänge in Südafrika verfolgt werden, ermessen, dass da etwas auf dem Spiele steht, was um ebensoviel über die locale Bedeutung des Krieges hinausreicht, wie die Weltsteliung Englands über die Existenz der südafrikanischen Freistaaten. England kämpft um sein Prestige, um die Gesammtheit seiner colonialen Macht und Grösse, denn es kann auf seine Suprematie in Südafrika nicht verzichten, ohne einer der festen Klammern verlustig zu gehen, durch welche Indien mit dem Mutterlande zusammengehalten wird. Und Indien ist das Pied-ä-terre der britischen Macht. Ist es demnach leicht zu verstehen, wie sehr die Welt nicht bloss obenhin durch die Kämpfe in Natal interessiert wird, sondern im Hinblicke auf die Balance of Powers an ihrem Ausgange sich direct betheiligt fühlt, so ist es aber andererseits minder begreiflich, dass sie nur gleichsam mit halbem Auge andere, nicht weniger wichtige Vorgänge wahrnimmt, welche zwar in heimlicher Stille auf anderen Schauplätzen sich abspielen, aber in ihrem Effecte nach derselben politischen Himmelsrichtung hinwirken, wie die südafrikanischen Kämpfe. Dass Russland, um sich zu vergewissern, ob es in kurzer Zeit aus Transkaspien Truppen an die afghanische Grenze werfen kann, die Probedislocierung nach Kuschk unternommen, dass es bald darauf zur Garantie für eine persische Anleihe auf der Grundlage einer Verpfändung der persischen Zölle sich entschlossen hat, ist mit einem Gleichmuthe verzeichnet worden, der umso merkwürdiger ist, als auch das Recht zum Baue von Eisenbahnen in Persien bereits an Russland übergegangen ist Selbstredend hat man in Petersburg verkündet, dass es ein Unrecht an der Friedfertigkeit Russlands wäre, aus alledem den Verdacht herzuleiten, als ob Englands südafrikanische Nöthe dazu benützt würden, um russische Expansionspläne zu verwirklichen. Und man darf dieser Versicherung Glauben schenken, trotzdem einige heissblütige russische Blätter durch ihre triumphierende Animosität den sehnlichen Wunsch nach dem Gegentheile verriethen. Es ist gar nicht zu verkennen, dass die auswärtige russische Politik von heute, den Intentionen des Czars Nikolaus II. entsprechend, den Zug der Hinterhältigkeit, der sie früher kennzeichnete, von sich abgestreift hat. Aber man kann auch andererseits die Augen nicht dagegen verschliessen, dass, wie die Zeichen nun einmal stehen, Russland und England in Asien immer näher aneinander rücken, dass die Distanz zwischen ihnen immer kleiner und dass, je mehr dies der Fall ist, desto enger die Türkei zwischen ihnen eingeklemmt wird. Aus diesem Gesichtspunkte sind bisher die Evolutionen, von denen wir sprechen, noch gar nicht in Betracht genommen worden, und wir glauben, dass gerade dazu Anlass genug vorhanden ist. Wenn England in Südafrika um die Unantastbarkeit Indiens und um seine Oberherrschaft über Aegypten kämpft, was gewiss nicht zu bezweifeln ist, so sichert Russland sich durch die Truppendislocierung nach Kuschk und die Garantie für die persische Anleihe seine centralasiatische Ueberlegenheit. Zwischen beiden aber steht die Türkei wie zwischen zwei Mühlsteinen, die in absehbarer Zeit ihre Arbeit beginnen können, und sie hat eine grosse Widerstandskraft nöthig, wenn sie rechtzeitig ^ich davor bewahren will, zerrieben zu werden. Dass England als colonisierendc Macht die Cultur hinter sich herzieht, ist in diesen Monaten seit dem Beginne des südafrikanischen Krieges oft genug gesagt worden; es hegt darin die schmale Plattform, auf der sich überhaupt die zusammengeschrumpfte Sympathie für England noch bewegen kann. Aber auch Russland verbreitet in seiner Art Cullur, wohin es in Asien seinen Fuss setzt, es ist ein grandioses Stück Culturarbeit, das sich in der transsibirischen Eisenbahn präsentiert. Was hat im Vergleiche damit die Türkei einzusetzen, um sich als Zwischenmacht zwischen England und Russland in Asien sicherzustellen V Die russisch - persische Ueberraschung erinnert an ein berühmtes Wort in der französischen Deputierten-

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