Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 3 (19.1.1900)
- Article
- Rothschilds Colonien
- Date
- 1900-01-19
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
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Redaction und Administration: WIEN IX., Türkenstrasse Nr. 9. Telephon U19<>. Erscheint jeden Freitag. Zuschritten sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9,. zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Preise der Anzeigen: e viermal gespaltene Petitzeile ) Helle Der Inseratentheil wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. ganzjährig ' Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 12 Kronen, halbjährig 6 Kronen. Für das Ausland: Deutschland ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doli. 40 Ct. Nr. 3 Wien, 19. Jänner 1900. 4. Jahrgang BIP"» Da Ende dieses Monats eine grössere Anzahl von Abonnements abläuft, so werden die Betreffenden erinnert, die Erneuerung rechtzeitig vorzunehmen, damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Rothschilds Colonien. II. Eine Unterhandlung, die schon seit längerer Zeit geführt wurde, ist nun zum Abschlüsse gekommen: Baron Edmund Rothschild hat seine palästinensischen Colonien der Jewish Golonization Association zur Verwaltung übergeben. Dieses Ereignis ist interessant genug, um uns zu einigen Betrachtungen anzuregen. Herr Edmund von Rothschild hat, wie man weiss, - mit vieler Begeisterung das Colonisationswerk in Angriff genommen und, unähnlich manchen anderen reichen Juden, nicht mit der gewöhnlichen herzlosen Wohlthätigkeit in das Los der Armen eingegriffen, sondern sich bemüht, ein grösseres Werk anzulegen und eine dauernde Abhilfe vorzubereiten. Nun hat er, ein müder und kranker Mann, die Weiterführung seines Werkes der Körperschaft anvertraut, welche die Rechtsnachfolgerin der guten Absichten des Baron Hirsch vorstellt und die man mit einem aus den Anfangsbuchstaben ihrer Firma, gebildeten Namen die „Jca" nennt. Das Auftreten dieser beiden jüdischen Colonisationsbarone Hirsch und Edmund Rothschild war eine merkwürdige und erfreuliche Erscheinung unserer Zeit. Ein idealer Zug im Wirken beider Männer war unverkennbar. Wir, die uns in der Kritik des Verfahrens bei diesen CeJonisierungen nicht den geringsten Zwang angethan und die begangenen schweren Fehler rücksichtslos -getadelt haben : wir, die der unerschütterlichen Ansicht, dass eine grosse Volkssache nur aus grossen Volksgesichtspunkten gelöst werden könne, oft genug Ausdruck gegeben haben: wir dürfen wohl in diesem Augenblicke auch unbefangen rühmen, was zu rühmen ist. Niemand wird uns mit den Hofmachern und Lakaien reicher Leute verwechseln. Und so soll jetzt, wo sich Edmund Rothschild von seiner gutgemeinten Thätigkeit zurückzieht, auch das Gute nicht verschwiegen werden, das wir von seinem ungenügenden Unternehmen denken. Selten ist eine grossartige Hilfsaction für die Unglücklichen in einer bescheideneren, lautloseren Weise unternommen worden, als die palästinensische Arbeit Edmund Rothschilds. Er wollte gar nicht, dass man ihn als den Urheber kenne. Lange Jahre hindurch hielt er sich im Dunkel, und wenn man schon von der still wirkenden Person sprach, durfte nur von dem „Wohlthäter" die Rede sein. Der Vorzug, wie das Gebrechen seiner Bestrebungen ist darin ausgedrückt Es ist thöricht. zu glauben, dass man Millionen Menschen im Woge der sogenannten Wohlthätigkeit helfen könne und wäre man Rothschild. Es ist der Irrthum eines gutherzigen, aber nicht sehr weitblickenden Menschen. Immerhin hat er Gutes gethan — vielleicht mehr seinem eigenen Hause, als den armen Juden. Denn dieses Haus Rothschild, das durch die blosse Thatsache seines Reichthums so viel Hass gegen die gesammte Judenschaft erregt, zeigte sieh da wenigstens in einem seiner Mitglieder auch um die Leiden der Gesammtheit bekümmert. Freilich, was hat Herr Edmund von Rothschild mit all seinem vortrefflichen Wollen und der Aufwendung vieler Millionen ausrichten können? Eine Ziffer, die in der Versammlung der -Anglo Jewish Association* vorige Woche mitgetheilt wurde, gibt darauf die Antwort. Es ist Edmund Rothschild gelungen, 3-70 Familien, sage und schreibe vierhundertsiebzig jüdische Familien, in Palästina anzusiedeln! Die Berge kreissen und sie gebären eine Maus. 470 Familien In einer einzigen Gasse in Krakau oder Wien oder Bukarest oder Warschau oder im Eastend zu London oder New-Vork wohnen mehr hilfsbedürftige Familien, die an der Judennoth hinsiechen. Und nicht einmal diesen 470 Treibhausfamilien, die von Edmund Rothschild angepflanzt wurden, war <-r imstande zu helfen. Denn die Hilfe wäre erst dann vollzogen gewesen, wenn diese Golonisten zur Selbständigkeit gelangt wären. Und was erfahren wir jetzt? Das heissl. wir wussten es ja schon. Aber ofticiell erfahren wir es erst jetzt: dass die freiherrlichen Colonien noch immer auf die Nachhilfe des Barons angewiesen sind. Sie liegen ihm schwrer in der Tasche, und er will seinen Opfern auch eine Grenze ziehen, indem er die Verwaltung der „Ica* übergibt. Er hat sich allerdings noch für einige Jahre zur subsidiarischen Theilnahme verpflichtet, aber die Colonisten sollen wissen, dass sie