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Die Welt · 1900-01-05 · 1 (5.1.1900) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
1 (5.1.1900)
Article
Unterwegs
Date
1900-01-05
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Redaction und Adminisfe ation: WIEN IX-, Türkenstrasje Nr. 9. Telephon 14-199. Erscheint jeden Freitag. Zuschritten sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeil« 20 Heller. Der Inseratentheil wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. ganzjährig r Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 12 Kronen, halbjährig 6 Kron*u. Für das Ausland: Deutschlaad ganzvihrig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russhuid R., halbjäiirig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doli. 40 Ct. Nr. 1 Wien, 5. Jänner 1900. 4. Jahrgang Unterwegs. H. Wenn ick nicht irre, ist unser Werk ein merkwürdiges. \V;'ren die Professoren der Universität nicht, so schrecklich zerstreute Menschen, die ihren Regenschirm imner irgendwo im Alterthum stehen lassen, sie müsstan uns eigentlich zuschauen, ob wir klug oder thöricht schaffen. Seihst unsere Fehler könnten manche Lehre ergeben. Aber die Herren Professoren, die das Werdende nie verstehen, kommen erst später: nachher freilich wissen sie alles besser a's wir, und sie erklären uns das Gewordene. Von solchen Bewegungen, wie unsere zionistische, wird darum dm späteren Generationen keine genaue Vorstellung vorbereitet Diejenigen, die kühl und „ wissenschaftlichu gering sein könnten, um ruhig zu beobachten, bemerken die längste Zeit überhaupt gar nicht, dass da etwas Wichtiges vorgeht Die Agierenden wieder stehen zu sehr mitten drin, um bei allem Wabt'heitsbestreben, das sie erfüllen mag, verlässliche Angaben machen zu körnen. Wir werden eines Tages am Ziele sein — wir hoffen es mit aller Kraft, unserer Seele — und dann werden vielleicht alle Stationen, die Zwischenfälle der Fahrt, alle Erwartungen und Besorgnisse, die jabrelang unser Leben ausfüllten, mit einem Schlage vergessen sein. In der. neuen enormen Aufgaben, die uns dort erst erwachsen und viel Kraft und Muth erfordern werden, wird vielleicht auch gar nicht mehr die Müsse zu finden sein, um auf die vorigen Begebenheiten zurückzublicken. Jetzt aber sind wir noch unterwegs, und obwohl wir ohne Rast weitereilen, gibt es doch Augenblicke der Reflexion über Vergangenes und Künftiges, und vor allem über die Gefilde, die an unseren Augen vorbeiziehen. Es ist vergleichbar der Stimmung, die man im Eisenbahnzuge hat. Freilich fahren wir nicht auf vorbereiteten Geleisen, unser Weg ist nicht gebahnt So sollten wir uns denn der Richtigkeit wegen lieber des bejahrteren, aber noch immer brauchbaren Gleichnisses vorn Schiffe bedienen. Ja, es ist uns, als ob wir uns auf einem Schiffe befänden und wir steuerten hinaus nach dem altneuen Lande. Zeiten gibt es auf der Seefahrt, wo man ringsum nur Wasser und Himmel sieht. Wer die Zeichen der Schiffer nicht kennt, der kann da glauben, man käme überhaupt nicht vorwärts. Aber der Seemann braucht nur einen Blick auf das Logglas zu werfen, und er weiss nicht nur, dass das Schill' fährt, sonnern auch, wieviel Knoten die Geschwindigkeit beträgt l'ud wenn der Mann am Steuer nicht schläft, und wenn eiserne Himmelsrichtung kennt so muss die Küste einmal aus den Wellen steigen. Indem ich dies schreibe, taucht die Erinnerung an wirkliche, nicht allegorische Seefahrten auf, che ich gemacht habe. Es waren darunter auch solche im Mittelländischen Meere, dem schönsten, das ich kenne. Es hat liebliche und wundervolle Ufer. Jeder Hafen ist eine Pracht, alles glänzt malerisch im Sonnenscheine, und selbst die Aermsten sehen nicht unglücklich aus, weil die Natur, die sie umgibt so reich ist. Ich denke an Italien, dessen südlichsten und herrlichsten Küsten "a auch das Gestade von Palästina ähnelt. An Italien zieht der Westeuropäer vorüber, wenn er nach dem Morgenlande fährt Wenigstens jetzt geschieht es noch s<», da die Bagdadbahn erst im Werden ist. In einigen Jahren wird Mesopotamien - das schöne, fruchtbare Hinterland Palästinas, die eigentliche Urheimat der -luden, das Land zwischen Tigris und Euphrat, in dem Abraham zuhause war — in einigen Jahren also wird Mesopotamien durch die Bagdadbahn dein modernen Weltverkehr eröffnet sein. Bis dieser Landweg fertig ist, können die Westeuropäer nur zur See nach dem Morgenlande reisen. Wer zum Beispiel von England nach Aegypten oder Palästina, nach Indien oder China will, der besteigt iu Southampton das Schiff, fährt um Frankreich, Spannt Portugal herum, bis er durch die Strasse von Gibra,'-iJ" ins Mittelländische Meer kommt Nun gibt eaDfr Leute, die das Schiff nach dem Oriente nicht s^1011 m Southampton nehmen, sondern erst in einen' anderen Hafen einsteigen. Es kann dafür verschiedene Gründe geben. Die einen vertragen eine lange Speise nicht; sie fürchten sich vor dem Rollen und S'ampfen eines Schiffes auf offenem Meere: sie sind dt** Ansicht, dass das Wasser keine Balken habe: werden leicht seekrank. Die zweiten wären wohl seetüchtig, aber das Schiff oder dessen Führer kommen ihnen nicht recht

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