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Die Welt · 1898-12-23 · 51 (23.12.1898) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
51 (23.12.1898)
Article
Bei der Hexe von Endor
Date
1898-12-23
Page
6 (sequence 3)
Language
German
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Seite 6 Jtoizw: Nr. 5 t Bauer war sehr zornig. Krächzend schwang sich der Vogel in die Lüste. „Kraah — kraah"- Auf einer Stange sitzt ein Papagei. Es kann aber vielleicht auch nur ein künstliches Maschinenwerk sein, das einem Papagei gleicht. Ein ungeheurer Menschenauflauf. Groß und Klein drängt sich um die Stange und fchreir „Vivat". — „Lieber Freund", sagt ein Herr zu einem Wachmann, „möchten Sie mir nicht sagen, wo ich bin. Ich bin ein Fremder und Hab' mich herverirrt." „In Algier sind Sie" sagt der Wachmann schroff und dreht sich um. Lieber Freund", sagt der Herr zu einem schreienden Bürger, „warum schreit Ihr denn so? Ihr seid ja ganz roth vor Anstrengung? Was wollt Ihr von dem Papagei?" JD, das ist ein Wunderthier", sagt der Bürger geheimnisvoll, „vivat, vivat!" Der Fremde macht ein fragendes Gesicht. „Ja, ein Wunderthier", wiederholt der Bürger, „ein königliches Thier, der Papagei kann reden wie ein Mensch." — „Reden?" — „Gewiss! Einen ganzen Satz kann er sprechen; Vivat! Vivat!" — „Das ist interessant." — „Darum haben wir ihn auch zum Bürgermeister gemacht," sagt der Bürger stolz, „geben Sie acht, jetzt wird er sprechen." — Todtenstille. Der Pöbel blickt mit andächtiger Scheu zu dem Thier empor, alles hält den Athem an. Der Papagei öffnet den Schnabel, und silbenweise, wie ein lallendes Kind, stammelt er: „Nie—der—mit—den—„Ju—den— — „Vivat! Vivat! Vivat!" — Der Mob ist wahnsinnig vor Entzücken.- Oho, was ist das? Ganz Algier ist wie mit einem Schwamm weggewischt, kein Laut ist zu hören, nur das Keifen der alten Wahrsagerin, die auf den Kater in der Stube Jagd macht. Aber der Kater ist nicht zu erwischen. Das Mütterchen setzt sich keuchend auf die Holzbank: „Da ist nichts zu machen. Wenn der Kater nicht schnurrt, so kann ich den Vorhang darüberziehen. Sie sehen und hören ohnehin nichts." Sie humpelte wieder in den Winkel und bedeckte unter allerhand grotesken Kratzfüßen den Apparat mit dem grünen Vorhang. Der Kater hockte hinter dem braunen Schrank und blinzelte mich wie spöttisch an. „Humbug l" sagte ich zwischen den Zähnen, zahlte der Kartenschlägerin ihren Obolus und gieng. In der wunderbaren Mondnacht athmete ich aust Erwin Rosenberger. P Ctnt Grmidcrung. ) Von Leo Mozkin. (Fortsetzung.) Nehmen wir die heftigen Angriffe des Herrn Bambus gegen mich wegen der Ziffern der jüdischen Seelenzahlen in den Städten. Schweres Geschütz! Auf dem Congress habe ich ausdrücklich erklärt, dass ich thellweise statistisches Material habe sammeln lassen oder gesammeltes verwendet habe, thellweise vonveröffentlichten Angaben Gebrauch machte. Nun hat Herr Bambus herausgefunden, dass ich in meinen Angaben über die städtischen Seelenzahlen dem Lunez'schen Paläsrina-Almanach zum größten Theile gefolgt bin, was sehr richtig ist. Da geht es aber los, ich werde der Kritlllosigkeit beschuldigt, mir wird vorgeworfen, dass ich die anderen Bücher, die alljährlich erscheinen, nicht lese, dass es in mein System passe, die Zahl der Juden so klein als möglich anzugeben u. f. w. Die Wahrhaftigkeit dieser Vorwürfe erinnert lebhaft an jene triviale Erzählung von dem Manne, der hintereinander behauptete, dass er erstens keinen Pelz gefunden, zweitens dass derselbe bereits beim Finden zerrissen gewesen, drittens dass er noch jetzt ganz wäre. Soheißt es: „Er hat sich offenbar nicht die Mühe genommen, einige davon (von den Büchern über Palästina) zu lesen, sonst hätte er finden müssen, dass die Schätzungen z. B. der Juden in Jerusalem zwischen 40.000 und 00.000 differieren, während nur Lunez 28.228 hat." Das Nichtlesen ist, dächte ich, wäre ein genügender Grund, aber es wird also fortgesetzt: „Trotzdem folgt Mozkin dieser Angabe, denn ihm passt es in sein System, die Zahl der Juden im heiligen Lande so klein als möglich auzugeben." Dieses „trotzdem" ist köstlich. Wenn ich keine anderen Bücher kenne, wie kommt nun mein System, die kleinsten Zahlen auszusuchen, hinzu? Ist das nicht verdächtiger Uebereifer, nicht wahr? Wer zu viele Gründe angibt, Herr Bambus, muss sich hüten, dass sie einander nicht widersprechen. Aber laffen wir das! Vielleicht ändert dies Herr Bambus in der nächsten Auflage seiner „Wahrheitsbroschüre". *) Siehe die „Welt" Nr. A,!5, 50. Der ganze Passus ist dazu bestimmt, dasjenige zu vollenden, was durch die ersonnenen „wissentlichen Unwahrheiten" nicht erreicht worden. Manche derselben könnte dem vernünftigen Leser auch ohne meine Erwiderung als an den Haaren herbeigezogen oder gar albern erscheinen — dies fürchtet Herr Bambus mit Recht, und er macht nun deswegen den Versuch, meine Urtheilsfähigkeit und Vertrauenswürdigkeit dadurch in Frage zu setzen, dass er mein großes Datenmaterial aufs schärfste angreist, besonders aber die städtischen Ziffern, die übrigens einen recht geringen Bruchrheil meiner Angaben bilden. Gerade aber durch diesen Passus offenbart Herr Bambus sein inneres Wesen. Ich eonstatiere nämlich die wohl einzig dastehende Thatsache, dass HerrBambus dieselbenLnncz'schen Ziffern über die Städtebevölkerung in seinem Buche „Palästina, Land und Leute" vom Jahre 1898 angiebt, umderentwillen erübermich mit wenig Witz und viel Behagen herfällt. So vergleiche man die Zahlen von Gaza, Ramleh, Nabulus, Hebron (S. 165), Liberias (S. 139), Saffed (S.' 133) und Haifa (S. 109) mit den Lunez'schen Angaben auf S- 2'>—28 im „Palästina-Almanach für 5058", sie stimmen auf ein Haar überein und gleichen den meinigen, mit Ausnahme von Haifa, für welches eine neuere Zahl im Almanach für 5659 angegeben wird. Nur in Bezug auf Jaffa ist ein Unterschied vorhanden, nämlich bei Bambus 2000—2500, bei Lunez 297u, bei mir nach einer Schätzung von Eisenstädt 3000, also beträchtlich mehr als bei Bambus. Wenn ich boshaftheuchlerisch wäre, könnte ich sogar sagen, dass ich meine derart angefochtenen Zahlen Bambus entnommen habe. Ruhig möchte ich die Fülle der Falschheit, welche in diesem Passus enthalten ist, offenbaren, aber ein jeöejf Satz empört geradezu. Von mir wird behauptet, dass es in* mein System paffe, eine möglichst geringe Seelenzahl der Juden in Palästina anzugeben, weil ich die jüdische Bevölkerung Palästinas auf etwas mehr als 50.000 taxiere, während er selbst in seiner Schrift von 1898 auf Seite 165 sagt: „Die Gesammtziffer der Juden im heiligen Lande glaube ich nicht höher als auf oü.OuO veranschlagen zu dürfen." Wie erdreistet sich dann Herr Bambus, jenen Vorwurf gegen mich zu erheben? Will er sich selbst in so verhängnisvoller Art Lügen strafen? Und wie steht es hinsichtlich Jerusalems? Obgleich er behauptet, dass die Schatzung der dortigen jüdischen Bevölkerung zwischen -40—60.000 differiert (in welchen wissenschaftlichen Werken wird noch gar die letzte Zahl genannt??), so macht er doch nicht im mindesten davon Gebrauch. Wiederum ist es Herr Bambus vom Jahre 1898, der den Herrn Bambus von demselben Jahre so schroff widerlegt. Zieht man nämlich die Summe seiner Angaben für die anderen Städte Palästinas und seiner Seelenzahl für die Colonien von der Gesammtziffer 50.000 ab, so bleibt für Jerusalem eine Zahl von eirea 29.500 übrig, d. h. eine Schätzung, die meine genauere Angabe nur um etwa 10 .0 übertrifftWarum hat er jene zahlreichen Bücher, von denen er fabuliert, nicht benützt? Wahrscheinlich meint Herr Bambus die Angabe im Bädeker 1897, wo von 41.U00 Juden in Jerusalem gesprochen wird, was übrigens gewiss falsch ist; wenn indes Herr Bambus an diese Zahl glaubt, hätte er sie doch in seinem Buche verwenden sollen. Woher meine Zahlen stammen, werde ich noch später erklären. Weiter: „Noch viel eraffer", heißt es, „ist die Differenz bei Saffed, wo alle Berichte mindestens 12—13.000 Juden zählen, die „Mission" sogar 20.000, während Mozkin 6620 hat, auch hierbei Lunez folgend, obwohl dieser selbst die Unzuverlässigkeit seiner Ziffern aus dieser Stadt betont." Alle Berichte? Da möge doch der Herr Bambus entschuldigen: In seiner Schrift vom Jahre 1898 ist die Zahl der Juden in Saffed (S. 133) auf 450j Afchkenasim und 2120 Sephardim. genau nach Lunez, zusammen 6620 angegeben, meiner Zahl gleich. Ich muss bekennen, dass mir die Empörung des Herrn Bambus in Bezug aus Saffed unecht vorkommt. Sein Zusatz hinsichtlich Saffeds ist ebenso wahr, wie die Behauptung an einer anderen Stelle. Lnnez betont selber, dass er für die meisten Plätze keine neueren Angaben habe, sondern nur alte Ziffern, die schon sehr weit zurückliegen. In seinen Almanachen, in denen ich diese Zahlen vorfinde, bemerkt Lunez nichts derartiges, mündlich dagegen hat er mir ausdrücklich gerathen, von diesen Angaben Gebrauch zu machen, da bloß sehr geringfügige Aenderungen eingetteten fern können. Wahr ist nur, dass sie ein paar Jahre zurückliegen, vielleicht vier Jahre; dass die Ziffern nicht schon sehr weit zurückliegen, können wir aus folgendem ersehen: In den von Luncz im Jahre 1891 veröffentlichten „More derech“ sind noch ganz andere Zahlen als in seinen beiden letzten Almanachen genannt. So für Jerusalem 25.322, jetzt 28.228, Hebron 120.>, jetzt 1429, Saffed 6120, jetzt 6620, Liberias 2900, jetzt 32>. 0 u. s. w. Da durch das Einwanderungsverbot außer in den Eolonien, Jerusalem. Jaffa und Haifa eine absolute Stagnation eingetreten, so durfte ich ohne Gewissensbisse für die anderen Punkte Seelenzahlen nehmen, die ein paar Jahre alt sind. Leider bestätigten sich die im Bädeker angegebenen hohen Zahlen für Jerusalem

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