Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 2 (1898)
- Issue
- 50 (16.12.1898)
- Article
- David Levi, ein italienischer Dichterveteran
- Date
- 1898-12-16
- Page
- 5 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 50 Seite 5 empfohlen wurde. Das Drama „II Profeta“ und diese beiden Werke sind gleichsam ein organisches Ganzes, denn in ihnen wird den drei Erziehern des Menschengeschlechtes, dem religiösen Empfinden, der Kunst und der Wiffenschaft, die Richtung vorgezeichnet, in welcher sie sich bewegen muffen, um ihrer hohen Aufgaben gerecht zu werden. Während Levi das religiöse Zukunftsideal in der Rückkehr zu der reingeistigen Gottesidee, wie sie von den Propheten verkündet wurde, erblickt, sucht er angesichts des Ueberwucherns der naturalistischen Strömung das Heil der Kunst und Wiffenschaft in der Fortentwicklung des Geistes der Renaiffance zum gesunden Realismus. JB. Jacobs. G Aus Rumänien. Von S. Poroth. In Bukarest sind die Herrschaften zu einem löblichen Thun zusammengetreten; es galt die Eröffnung eines jüdischen Gymnasiums festlich zu begehen, einer Lehrstätte für einen kleinen Theil wenigstens jener tausende von armen Kleinen, die bei den rumänischen Schulen verschloffene Thüren gefunden haben. Fünf wackere Studenten haben das zustande gebracht! Sie waren da eine ganz nette Gesellschaft beisammen, „1a creme dos cremes“, wie man es hier so gedankenlos unjüdisch nachsagt. Es waren auch Zionisten da, und manche, die wir gerne in unserer Mitte sehen möchten; aber im ganzen und großen war es doch eine typische Versammlung jener rumänischen Juden, die den Zionismus — wie sie sich ihn vom Hörensagen vorstellen — nicht zu brauchen glauben. Das sind Leute, welche die Zeichen der Zeit nicht verstehen, außer, wenn sie in Form eines Steines durchs Salonfenster geflogen kommen und eine Möbelidylle auf etwas unsanfte Weise stören. Und auch dann begreifen sie nur dunkel, dass es gegen solche Stroßenargumente nur ein radicales Mittel für ihresgleichen gibt, sich verkriechen, um abzuwarten, bis der Sturm vorüber ist, um dann aufs neue weiter darauf los zu sündigen, bis es zu spät ist. Rund um sie tobt und drängt eine neue Bewegung, die mit Riesenschritten vorwärts geht, mit den Zeichen des Sieges in ihrer Fahne, und sie stehen da und hören und sehen nichts, auch dann nicht, wenn ein Anlass, wie dieser, sie zusammentreibt, sie förmlich zusammenpeitscht. Und wenn es dann, ohne dass sie es wissen, aus ihnen berausspricht, wenn die Wahrheit, ohne dass sie es ahnen, in ihrer Mitte explodiett und sich mit Donnergekrach Bahn bricht, sie bleiben die Alten bis auf einige wenige, die ein wahrhaft jüdisches Herz uns bald als wertvolle Kampfgenoffen zuführen wird. Dass der Prediger Beck — der Protestrabbiner Bukarests — nichts Neues bei dieser Gelegenheit zu sagen wusste, und dass zwischen der „andächtigen Versammlung" und dem usuellen Finale „Amen"' ein Gequatsch über einen verwäfferten Satz aus dem Buche Hiob steckte, der auch bei jeder anderen Gelegenbeit pastoraler Beredsamkeit zu gebrauchen ist, darüber haben wir längst aufgehört, verwundert zu sein. Der Mann hat's ganz gut, er hat keine Fühlung mit dem Volke, um deffen Leiden zu kennen, und ihm ist dieses aus Noth und Elend hervorgegangene Gymnasium nichts anderes, als jede andere Schule, zu deren Eröffnung eine Predigt gehört, schon den reichen Glaubensgenoffen zuliebe, die ihr Haupt von nun an noch stolzer tragen, ihr Selbstbewusstsein als Juden noch klarer documentieren werden, wenn sie erfahren, dass die Universitäten von Montpellier und Padua von Juden errichtet wurden. Was aber ein anderer, und zwar der feingebildete jüdische Arzt Doctor Schachmann in wenigen, aber umso beredteren Worten gesagt hat, davon nehmen wir Zionisten mit wahrer Freude Notiz; wir wollen uns das merken und es den Leutchen bei passender Gelegenhett in Erinnerung bringen. Herr Doctor Schachmann sagte: „Ich bedaure, dass ich nicht das, was ich Ihnen zu „sagen habe, mit einem paffenden hebräischen Satze einletten „kann; aber ich spreche den Wunsch und die Hoffnung aus, „dass die Kinder, die dieses Gymnasium verlassen werden, „nebst der Sprache Ciceros und Demosthenes auch die er- „habene und wohllautende Sprache Davids und Jesaias beherrschen werden. Ich beglückwünsche diejenigen, die die „Jnitiattve zur Gründung dieser Schule ergriffen haben und „bitte sie, den Kindern, die diese Schule besuchen werden, „nicht nur Liebe zu dem Lande einzuflößen, in dem sie „geboren wurden und in dem sie leben, sondern bei ihnen „auch den Glauben an ihr eigenes Bolksthunl, die Liebe „für ihre eigene Sprache und Literatur und die Hoch- „achtung ihrer eigenen Vergangenheit und Geschichte zu „wecken. Wir sind ein ehrliches und arbeitsames Volk, das „eine eigene Geschichte, eine eigene Vergangenheit, eine „eigene Literatur und eine eigene Sprache hat." Der donnernde Applaus, der diesen Worten folgte, galt er nun der schönen Rhetorik oder dem noch schöneren Inhalte, war ein wohl verdienter. Für uns Zionisten waren es goldene Worte, zu denen wir „Ja" und „Amen" sagen. Die Schüler dieses neucreierten Gymnasiums tragen das Davidswappen auf den Mützen. Wir wollen hoffen, dass sie es in Ehren tragen werden. Ein neues Geschlecht, das ein neues Capitel in der Geschichte des Judenthnms einst zu schreiben berufen ist. Die „Steana Romaniei“ — eine alte Bekannte — heult und winselt, dass es ein Erbarmen ist. Die Jammerlaute wären herzbrechend, wenn sie nicht gar zu komisch wären. Die rPamanteni“ fallen massenhaft ab und füllen die Reihen der Zionisten, sie bekunden eine merkwürdige Neigung, sich nicht mehr mit Steinen bewerfen zu lassen und wollen ihre Knüttel nicht mehr mit der Plebs von Bukarest, Ploesti, Galatz und Braila für eine hoffnungslose Sache kreuzen. Und das alles hat der böse Zionismus gethan. Wenn sich die Inden zu ernster, gemeinsamer Arbeit die Hand brüderlich reichen, beseelt von einem Streben, das sich über alles erhebt, was zur Katastrophe vom 23. November geführt hat, so wird die „Steana Dunarei“ nervös. Aux grands maux des grands remedes, das passt ihr nicht in den Kram, sie braucht eine Palliative, die Abonnenten aus der Erde stampft, nach dem bekannten Recepte: „Und gehst du nicht willig, so brauch' ich Gewalt". Und weil ihr auf all die Plumpheiten kein Naiver mehr hineinfällt, so stimmt sie ein neues Lied an, ein Sirenenlied der Zwietracht. Die einzelnen Vereine der „Pamanteni“, so klagt die „Steana Dunarei“, haben keine Statistik der Juden geschaffen, auch die „Generalaffociation" hat es nicht gethan, man muss sich daher an die jüdischen Gemeinden wenden, um ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken, als auf bloße Chimären (lies Zionismus). „Wir wenden uns daher", so fährt die „8. D.“ fort, „an diese Gemeinden mit der Aufforderung, eine solche „Statistik zu schaffen. Wir haben in unserem Lande viele „intelligente" Anttsemiten, die es in allen Tonarten zum „Fenster hinausschreien, dass die Emancipation von 500.000 „Juden ein Unglück wäre, das die Rumänen zugrunde „richten würde. Aber diese fürchterlichen Patrioten bedenken „nicht, dass es sich nicht darum handelt, alle „Fremden zu emancipieren, sie verstehen „nicht, oder wolle nnichtver st ehe n, dass nur „die Eingeborenen emancipiert werden „sollen. Deshalb ist es Pflicht der jüdischen Gemeinden, „eine solche Statistik so bald als möglich zu schaffen rc. :c." Mit Verlaub. Welche jüdischen Gemeinden? Die staatlich nicht anerkannten? Woraus deduciert Herr Cogalniceanu, der unstreitig diese Wotte geschrieben hat, für neun Zehntel der Juden die Pflicht, sich für ein Zehntel unter ihnen mit so viel Eifer einzusetzen? Weiß Herr Cogalniceanu es so gut, dass die sogenannten Eingeborenen ihm zu Danke verpflichtet sind, wenn er ihnen räth, sich für ein Recht zu erwärmen, das ihre