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Die Welt · 1898-11-18 · 46 (18.11.1898) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
2 (1898)
Issue
46 (18.11.1898)
Article
Ein Antizionist
Date
1898-11-18
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Scite 8 Ar. 46 gerne an, dass der genannte Herr aus vollwichtigen Gründen Antizionist ist, und wir wären ihm sehr dankbar, wenn er dies recht oft und ausdrücklich betonen würde. Leider ist dies nicht der Fall. Im Gegentheil. Er erweist uns die herzlich unerwünschte Ehre, sich als Zionisten, sogar als ältesten Zionisten Oesterreichs zu bezeichnen. Ja, er kann sogar dafür einen Beweis anführen. Er hat sich nämlich vor nicht allzulanger Zeit an einen Mann gewendet, desien Einfluss im zionistischen Lager bekannt ist, und ihm den Antrag gestellt, die „Oesterreichische Wochenschrift" gegen das bescheidene Entgelt von wenigen hundert Gulden für die zionistische Propaganda zu eröffnen. Natürlich haben die Zionisten dieses edelmüthige Anbot, abgelehnt. Es fanden sich auch einige, die davon überzeugt waren dass Herr Dr. Bloch mit diesem Anträge eine persönliche Beleidigung beabsichtigt habe. Ich glaube das nicht. Herr Dr. Bloch hat es gewiss ehrlich, d. h. so gemeint, wie der Antrag lautete. Daraus sollte er aber doch nicht so ohne weiters seine Anlheilnahme am Zionismus deducieren. Es ist ja richtig. Er verfolgt auch sonst aufmerksam die Fortschritte unserer Bewegung uird widmet ihr seine schätzenswerte und sicherlich auch bis in die Details abgeschätzte Kritik. Er ist zu klug, um den Vorwurf der Schwärmerei und Phantasterei aufrecht zu erhalten. Die unleugbar großen Erfolge der Zionisten, das tägliche Anwachsen der Zahl ihrer Anhänger, die beiden Congreffe, die in ihrer Bedeutsamkeit noch nicht einmal recht begriffene Palästinareise Dr. H e r z l s und der Abordnung der Zionisten, alles das verbietet es ihm, diesen Borwurf zu sehr zu accentuieren. Aber wenn er gelegentlich, so harmlos als möglich, eine kleine Notiz über die Gefährlichkeit, Unbesonnenheit oder gar die Corruption aller oder einzelner Zionisten in sein Blatt bringen kann, dann fühlt er, was er wieder dem Judenthum und einzelnen Juden — wir meinen nicht gerade ihn selbst — für wertvolle Dienste geleistet habe. Wie stolz mag er sich beim Durchlesen der Nr. 45 seinis Blattes, des „Centralorganes für die gesammelten, pardon, für die gesammten Interessen des Judenthums" gefiihlt haben! Schon im Leitartikel hat er den politischen Zionismus endgiltig abgethan. Die Antwort des deutschen Kaisers au die „schlichten Ackerbauer" — damit meint der Berfaffer Dr. H e r z l und die zionistische Abordnung; die Wochenschrift ist immer gut informiert — diese Antwort, die er nicht kennt, schrotet er für alle Fälle. gegen uns aus. Darauf wollen wir gar nicht eingehen. Es hieße, uns ein Vergnügen rauben, wenn wir diesen Absud politischer Weisheit aufrühren wollten. Darauf werden die Ereignisse besser antworten, als wir, die wir nicht gerade Herrn Dr. Bloch zu unserem Vertrauensmann erwählt haben. Der eine Artikel genügt aber nicht. Vielleicht ist der Zionismus noch nicht ganz todt. Also Nr. 2. Kritik einer in unserem Blatte erschienenen Notiz über die Anstellung eines Juristen als Religionslehrer. In dieser Kritik wird nachgewiesen, dass Rabbiner Dr. Fink kein Jurist ist. Mit ebendemselben Rechte hätte der Kritikus erklären können, dass die Wahlfondsspender des Dr. Bloch keine Juristen seien. Wie kommt Dr. Fink zu unserer Notiz? Es handelte sich um einen ganz anderen Fall. In der Wählerversammlung vom 14. November wurde diese Sache besprochen. Wir wollen hier keinen Namen nennen. Die competenten Persönlichkeiten wiffen es nmr, welchen Vorgang unser Correspondent meinte: denn um den Vorgang und nicht um die Person handelte es sich bei Besprechung des angeführten Factnms. Aber auch diese „Kritik" schien offenbar noch nicht genug Erfolg versprechend. Herr Dr. Bloch producierte sich auch als— Anticorruptionist! „Die schlimmen Ausbeuter der Talisweber sind", so läßt er sich melden, „Zionisten, beschimpfen Dr. Güdemann („Der Protestrabbiner"). Dr. Bloch („Der famose Dr. Bloch"), Dr. Glaser, kurz Alles, was sich wahrhaft große und unleugbare Verdien st e um das Judenthum erworben hat." Wie richtig doch diese Einsender aus Kolomea — die Unterschriften hat die Wochenschrift natürlich nicht publiciert — diejenigen heransgefunden haben, welche sich, wie sie bescheiden sagen, wahrhaft große und unleugbare Verdienste um das Judenthum erworben haben! Aber das nur nebenbei. Ist es wahr, dass Zionisten die Ausbeuter der Talisweber sind? Und wenn es selbst wahr wäre, ist es anständig, für Einzelne, alle Zionisten verantwortlich zu machen? Nun verhält sich aber die Sache gar nicht so, wie sie im Bloch'schen Blatte erzählt wird. Man schreibt uns über diese Angelegenheit: An die Redaction der „Welt". Wien. Gegenüber den circulierenden und in einigen Blättern wie der „Oest. Wochenschrift" wiedergegebenen Gerüchten bezüglich eines bei mir eingetretenen Arbeiterstrikes meiner Talisarbeiter, erlaube ich mir hiemit öffentlich bekanntzugeben, dass diese Gerüchte nicht auf der Basis der Wahrheit beruhen. Richtig ist, dass ich seit Februar a e. meinen Betrieb infolge der eingetretenen U eb erpro d u c ti on reduciert und nunmehr denselben gänzlich eingestellt habe. Bei wieder eintretendem Bedarf wird meine Fabrik wieder eröffnet, bis dahin aber muss selbstredend der Betrieb, sogar trotz 50 Percent Reduction der Arbeitslöhne, sistiert bleiben. Hochachtungsvoll Samson Heller. In einem zweiten Schreiben thellt uns der zionistische Verein „Beth Israel", in Kolomea mit, dass keiner der Talisfabrikanten Zionist sei. Keiner habe den Schekel entrichtet, keiner gehöre einem zionistischen Vereine an. Hierauf fährt der Berichterstatter weiter fort: In dem gegebenen Falle ist jedoch der Sachverhalt ein ganz anderer als er in der Bloch'schen Wochenschrift erzählt wird. Gerade von streng zionistischer Seite aus wurde eine Action unternommen, um eben den Taliswebern, die nur durch die Hetze gewissenloser Wortführer ins Unglück gestürzt wurden, hilfreich an die Hand zu gehen. Es war dies Gegenstand einer eingehenden Besprechung eines engeren zionistischen Kreises, der in folgenden Beschlüssen der Sachlage gerecht wurde: 1. Zur Linderung der in Roth gestürzten Talisweber bis zur Durchführung der weiters genannten Beschlüsse wurde eine Geldsammlung veranstaltet. 2. Wurde eine Specialcommission gewählt, welche sich mit der Frage der Organisation sämmtlicher jüdischer Arbeiter Kolomeas beschäftigen soll. Diese Commiffion hat für ihre Thätigkeit einen Plan ftizziert und zur Genehmigung dieses Planes, theils damit kein Verstoß gegen die Subordination erfolge, theils damit der Vorwurf des Hineintragens des Claffenhasses und der Claffenunterschiede in die zionistischen Reihen beseitigt werde, hat sich unser Führer, welcher auch Mitglied des Actions-Comites ist, nämlich Herr Dr. Salomon Rosenheck, zur Centralleitung nach Wien begeben. 3. Sollte sich speciell für die Talisarbeiter aus der Mitte dieses zionistischen Kreises eine Deputation zu den Talisfabrikanten begeben, um in dieser traurigen Angelegenheit Wandel zu schaffen. Als Herr Dr. Salomon Rosenheck aus Wien heimkehrte und mittheilte, dass er zu diesem Projecte die volle Zustimmung des Actions-Comitös gefunden hätte, schritt man an die Ausführung des erwähnten Projectes, gewahrte jedoch gleich bei Beginn der Thätigkeit, dass es sich bei diesem Zwiste, wie bei allen durch gewissenlose Hetze hervorgerufenen Strikes, mehr um die Demonstration als um wirkliche ernste Abschaffung von Uebelständen handle. Es wurde deshalb mit den weiteren Geldsammlungen innegehalten (der inzwischen gesammelte Betrag wurde unter den Talisarbeitern vertheilt), und die Ausführung des erwähnten Projectes solange verschoben, bis die Irregeleiteten, im Wahne der falschen Vorspiegelungen lebenden Talisweber ernüchtert und den Worten der moralischen Bankerotteure, die ihnen für die Zukunft uneinlösbare Wechsel ausstellen, nicht mehr folgen werden.... Dann wird über den Niedergang der Talisfabrication in Kolomea berichtet, welche namentlich dnrch die türklfche Concnrrenz sehr gelitten habe, und schließlich erklärt, dass die Verelendung in dieser Arbeiterbranche nicht Schuld einzelner Leute sondern eine der vielen Krisen sei, welche bei unserer heutigen Productionsweise nicht zu vermeiden sind". Somit ist auch diese Anklage gegen den Zionismus in die richtige Beleuchtung gerückt. Herr Dr. Bloch muss gefühlt haben, dass alle seine bisherigen Argumente nicht recht stichhältig seien, darum that er noch ein Uebriges und brachte zum Schluffe noch eine ganz kleine, unscheinbare Denunciation vor, die er

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